2. Die innere Festigung durch Kaiser Friedrich III. und Kaiser Wilhelm II. 343
verpachtet. Dadurch ist der deutschen Flotte ein trefflicher Stützdunkt, dem
deutschen Handel ein bequemer Ein= und Ausfuhrhafen für China erworben.
Das feste Zugreifen des Kaisers und der zweijährige Aufenthalt des Prinzen
Heinrich in Ostasien hat das Ansehen der Deutschen dort mächtig gehoben.
Von dem einst unermeßlichen, jetzt fast ganz geschwundenen spanischen Kolonialbesitz
erwarb das Deutsche Reich durch Kauf 1899 die im Großen Ozean
gelegenen Inselgruppen der Karolinen, Marianen und Palau-Inseln.
In demselben Jahre wurde der Samoavertrag geschlossen. Die Samoainseln
wurden bisher vom Deutschen Reiche, von England und Nordamerika gemeinsam
verwaltet, was zu vielen Unzuträglichkeiten führte. Deshalb einigten
sich die drei Staaten dahin: die beiden größten Samoainseln, Upolu und
Savaii, mit ihren Nebeninseln werden als unbeschränktes Eigentum an Deutschland,
die kleine Insel Tutuila an Nordamerika abgetreten; Deutschland verzichtet
auf seine Ansprüche an die Mehrzahl der Salomonsinseln zugunsten
Englands.
Die Chinesen, die bis ins 19. Jahrhundert ihr Land vor den ihnen
verhaßten Fremden abgesperrt hatten und erst mit Waffengewalt gezwungen
worden waren, den fremden Kaufleuten, Missionaren und Gesandten den Zutritt
zu gestatten, waren durch die von Deutschland empfangene Strafe nur
noch mehr erbittert, und im Juni 1900 erregte die weitverzweigte Partei
der VBoxer im geheimen Einverständnis mit der Regierung einen gefährlichen
Aufstand, dem Tausende von Ausländern, allein mehrere hundert christliche
Missionare zum Opfer fielen. In Peking wurde der deutsche Gesandte Freiherr
von Ketteler hinterlistig ermordet; die übrigen Mitglieder der ausländischen
Gesandtschaften verteidigten sich mit Unterstützung einer geringen Abteilung
Marinetruppen monatelang nicht nur gegen die Aufständischen, sondern
sogar gegen kaiserliche Truppen. Die Großmächte Deutschland, Rußland,
England, Frankreich, Nordamerika und Japan sandten sofort Verstärkungen
nach China; fast die gesamte deutsche Flotte eilte auf Befehl des Kaisers
nach Ostasien. Aus Freiwilligen, die sich auf den Ruf des Kaisers in überreicher
Zahl meldeten, wurde ein ostasiatisches Landheer gebildet und in größter
Eile ausgerüstet. Gleich beim Ausbruch der Feindseligkeiten eroberten die
an der chinesischen Küste anwesenden fremdländischen Kriegsschiffe gemeinsam
die an der Peihomündung liegenden Forts, wobei das deutsche Kriegsschiff
„Iltis“ schwere Verluste erlitt, aber auch unvergänglichen Ruhm erwarb.
Dann brach die Besatzung der Schiffe auf, um die Gesandten zu befreien.
Als der Marsch unter den fortwährenden Angriffen der Chinesen stockte, rief
der Führer des Zuges, der englische Admiral Seymour: „Germans to the
kront!“ und stellte damit die Deutschen an die Spitze des Zuges. Da es
den inzwischen eingetroffenen Landtruppen der Großmächte an einheitlichem
Oberbefehl mangelte, ernannte Kaiser Wilhelm General Grafen von Waldersee
zum Feldmarschall und sandte ihn nach China; unter seinen Oberbefehl
stellten auch die übrigen Mächte ihre Truppen. Zum erstenmal, seitdem es
eine Geschichte gibt, standen somit Truppen von sieben Nationen und aus
drei Erdteilen unter einem Kommando. Die Chinesen baten bald um
Frieden und leisteten die geforderte Sühne.