Contents : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

nem  Schrecken,  daß  sein  Partner  noch  immer  vor  dem
Throne  stand.

Ich  weiß  nicht,  was  mir  in  dem  Augenblicke  die  größere
Freude  machte:  das  ratlose,  entgeisterte  Gesicht  des  Haus—
ministers,  der  sich  da  durch  den  kleinen  Mann  in  einen
unerhörten  Bruch  von  Tradition  und  Etikette  hinein—
gezogen  fühlte,  oder  der  kleine  Meister,  der  den  Kopf
bald  rechts,  bald  links  ruckte  und  unbekümmert  um  die
anderen  nach  ihm,  die  nun  doch  schon  auf  das  Plätz—
chen  vor  dem  Throne  lauerten,  auf  den  Kaiser  starrte.
Endlich  faßte  Wedel  sich  ein  Herz  und  zupfte  Menzel
fest  am  Armel.  Die  Störung  aber  nahm  der  scheinbar
recht  cholerische  Meister  bitter  übel.  Wenn  ein  Blick
fauchen  kann  vor  Wuk,  dann  war  es  dieser,  den  er  jetzt
mit  zurückgeworsfenem  Kopf  bis  in  die  Augenhöhe  seines
langen  Parkners  stieß.  Dann  aber  griff  er  in  die  Schleppe
und  stolperte  zornig,  beleidigt  aus  dem  Saal.  Das  war,
als  dächke  er:  Nee  —  so'n  Fest,  wo  man  sich  nichk  'mal
leine  Leute  ein  wenig  ansehen  darf  —  —!

Zahllose  Male  habe  ich  auf  Hoffesten  bei  ihm  gestanden
  und  mik  ihm  geplauderk.  Er  war  voll  krockenen
Witzes,  voll  Sarkasmus  und  Kritik.  Richks  enkging
seinem  scharfen  Blick,  und  da  man  nach  und  nach  daran
  gewöhnk  war,  bei  ihm  von  allzu  strengen  und  sicher
auch  fruchklosen  Einordnungsbestrebungen  abzusehen,  so
fühlke  er  sich  als  eine  Art  überlegener  Onksider  vielleicht
auch  leidlich  wohl  in  seiner  Sonderstellung,  die  ihm
ja  in  der  Tak  manche  künstlerische  Anregung  bringen
mochte.

Ich  für  mein  Teil  konnte,  wie  schon  erwähnk,  an  dem
Gepränge  solcher  Feste,  auf  denen  jeder  doch  vor  allem

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