Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

86  L#sches  Reich.  Januar  31.)

scharfe  C.  Bootkrieg  und  die  Blockade  der  Entente  durch  Deutschland  sowie
die  drohende  Bernichtung  der  Großhandelsflotten  einem  beichleunigten
Friedensabschluß  förderlich  ist,  dann  wollen  wir  die  neuen  Einschränkungen,
die  uns  in  diesem  letzten  Akt  der  schauerlichen  Kriegstragödie  noch  erwarten,
noch  erdulden  und  uns  allerdings  die  Mitwirkung  bei  der  Regelung  des
internationalen  Verkehrs  beim  Friedensschluß  vorbehalten.  Wir  haben  uns
durch  die  Leiden,  in  die  wir  durch  die  Kriegführenden  unverschuldererweise
gebracht  worden  sind,  ein  verbrieftes  Recht  auf  die  Wahrung  unserer  Interessen
  beim  Friedenskongreß  erworben.

Die  Presse  der  Verbandsländer  verkennt  im  allgemeinen  nicht,
daß  dem  Verbande  durch  diese  neuesten  Maßnahmen  ernstliche  Gefahren
drohen,  geben  aber  der  Zuversicht  Ausdruck,  daß  es  den  umfassenden  Vorsichtsmaßregeln
  der  Alliierten  gelingen  werde,  zu  verhindern,  daß  die  geplante
  Absperrung  entscheidende  Bedeutung  erlange.  Zumeist  wird  bereidas
  Eingreifen  der  Ver.  Staaten  als  ein  für  die  Alliierten  erfreulicher
Erfolg  der  Verschärfung  des  U-Bootkrieges  in  Aussicht  gestellt.  S.  ferner
S.  98.  2

So  schreibt  die  „Westminster  Gazette“:  Unsere  Aufgabe  ist  natürlich
  hart  und  ernst.  Wir  können  uns  aber  erlauben,  den  Kopf  kühl  zu  halten
und  volles  Vertrauen  zu  haben  in  die  Geichicklichkeit,  die  Erfindungsgade
und  den  Mut  unserer  Kriegs-  und  Handelsflotte.  Unsere  Aufgabe  ist  abgegrenzt,
  und  es  ist  nicht  unsere  Sache,  den  Neutralen  ihre  Pflicht  vorzuschreiben.
  Wir  wollen  dies  alles  den  Deutschen  überlassen.  Für  die  Neutralen
  liegt  die  Sache  ebenso  klar  wie  für  uns.  Das  deutsche  Vorgehen  in
eine  Heraus  forderung  und  eine  böse  Vorbedeutung  für  die  ganze  Welt.

Der  „Temps“  schreibt:  Unter  dem  Vorwande,  daß  die  Alliierten,  die
ihre  Friedensbedingungen  freimütig  bekannt  gegeben  hätten,  sich  weigerken,
mit  den  Gegnern  zu  verhandeln,  solange  sie  nicht  ebenso  deutlich  sprächen,
erklärt  Deutschland,  daß  es  der  Zerstörungswut  seiner  Seeräuber  keine  Zügel
anlegen  werde.  Das  wird  jeden  Zweifel  bei  dem  friedliebenden  Präsidenten
zerstreuen  über  das,  was  die  Deutschen  darunter  verstehen,  wenn  sie  sagen,
der  Menschlichkeit  in  höherem  Sinne  zu  dienen.

Die  Ankündigung  des  uneingeschränkten  U--Bootkrieges  beantworten  die
Ver.  Staaten  am  3.  Febr.  (s.  dort)  mit  dem  Abbruch  der  diplomatischen
Beziehungen  zu  Deutschland.  Die  übrigen  neutralen  Staaten  lehnen
jedoch  die  Aufforderung  des  Präsidenten  Wilson  ab,  sich  seinem  Vorgehen
anzuschließen,  und  beschränken  sich  auf  die  Ueberreichung  von  Protestnoten.
  Es  antworten  am  7.  Febr.  Holland  (s.  Niederl.),  Argentinien
(s.  Mittel-  und  Südamerika)  und  Kuba  (s.  ebenda),  am  9.  die  Schweiz
(s.  dort),  Brasilien  (s.  S.  103  f.),  Uruguay  (s.  Mittel-  und  Südamerika)
und  China  (s.  S.  179),  am  13.  Dänemark,  Schweden  und  Norwegen
(s.  Dänemark)  und  Chile  (s.  S.  109  und  Mittel-  und  Südamerika  8.  Febr.#,
am  14.  Spanien  (s.  dort),  am  17.  Monaco  (s.  Frankreich)  und  am  19.  März
Siam  (s.  S.  313  f.).  Ferner  haben  die  Regierungen  von  Guatemala,
Merxiko  und  Peru  den  Empfang  der  Note  vom  31.  Jan.  bestätigt.  (Der
Originaltext  der  Antwortnoten  der  Neutralen  mit  deutscher  Uebersetzung  ist
in  dem  vom  Ausw.  Amte  im  April  1917  veröffentlichten  „Weißbuche“,  das
diplomatische  Schriftstücke  aus  der  Zeit  vom  12.  Dez.  1916  bis  19.  März  1917
(26  Nr.)  enthält,  mitgeteilt.)

31.  Jan.  (Reichstag.)  Im  Hauptausschuß  macht  Reichskanzler
  IDr.  v.  Bethmann  Hollweg  folgende  Mitteilung:  „

Am  12.  Dez.  1916  habe  ich  im  Reichstage  die  Erwägungen  dargelegt,
die  zu  unserem  Friedensangebot  geführt  hatten.  Die  Antwort  unserer