Metadata : Erinnerungen an die Kriegsjahre im Königlich Preußischen Kriegsministerium. Zweiter Band. Heer und Heimat 1914-1918. (2)

140  Drittes  Kapitel

nicht  schliessen,  ohne  eines  treuen  Referenten  zu  gedenken.  Es  hatte
sich  ermöglichen  lassen,  den  Major  v.  Oppen  für  das  Feldheer  freizugeben.
  Er  erhielt  die  Stelle  eines  Bataillonskommandeurs  im  Königin
Augusta-Regiment.  Seine  heißen  Wünsche  waren  damit  erfüllt.  Wenn
ich  auch  ungern  den  trefflichen  Referenten,  der  mir  eine  wirkliche
Stütze  war,  freiließ,  so  konnte  ich  sein  Drängen  verstehen.  Für  einen
Oppen,  zumal  für  Konrad  v.  Oppen,  war  es  besonders  schwer,  zu
Hause  bleiben  zu  müssen.  Bei  seinem  Weggang  ermahnte  ich  ihn
dringend,  nicht  allzu  tollkühn  zu  sein.  Die  bisherigen  Erfahrungen
veranlaßten  mich  dazu.  Hatten  doch  die  aus  dem  K.M.  ins  Feld  gegangenen
  Kameraden  meist  sehr  bald  den  Heldentod  gefunden.  Tatendrang
  und  Unerfahrenheit  in  den  Verhältnissen  draußen  mögen  wohl
schuld  daran  gewesen  sein.  Wir  schieden,  um  uns  auf  dieser  Welt
nicht  wieder  zu  sehen.  Nach  einigen  Tagen  kam  die  Nachricht  von  dem
Tode  des  trefflichen  Offiziers.  Bei  der  Wiedereroberung  eines  verloren
gegangenen  Schützengrabens  war  er  mit  einigen  wenigen  Leuten  gefallen.


Sein  Andenken  wird  das  K.M.,  besonders  aber  ich,  stets  in  Ehren
halten.

Der  Anfang  des  Jahres  1916  brachte  die  Räumung  Gallipolis
durch  die  Engländer  und  Franzosen.  Mit  der  Freigabe  von  Gallipoli
war  eine  schwere  Sorge  vom  K.M.  genommen.  War  es  bisher  doch
nicht  gelungen,  den  türkischen  Verbündeten  in  seinem  zähen  Widerstande
gegen  feindliche  Ubermacht  zu  unterstützen,  wie  es  nötig  gewesen  wäre,
und  wie  man  beabsichtigt  hatte.  Nur  mühsam  und  auf  schwierigen  Umwegen
  konnten  einzelne  Transporte  durchgeführt  werden.  Die  Lage
war  für  die  Türkei  immer  bedrohlicher  geworden.  Um  so  größer  war
die  Freude,  als  es  sich  herausstellte,  daß  der  heldenmütige  Widerstand
der  Türken,  der  nur  durch  Männer  wie  General  Liman  v.  Sanders,
Kapitän  Pieper  u.  a.  möglich  war,  zum  Siege  geführt  hatte.

Ich  habe  im  Laufe  des  Jahres  den  Kapitän  Pieper  gesprochen,  und
ich  kann  nicht  leugnen,  daß  ich  durch  seine  Schilderungen  der  Lage
überwältigt  war.  Was  damals  von  ihm  und  seinen  Mithelfern  geleistet
worden  ist,  gehört  der  Geschichte  an.  Wir  Deutsche  können  stolz  auf
unsere  Landsleute  sein.  1)

1)  Auf  diese  Dinge  wird  in  einem  weiteren  Bande  meiner  Erinnerungen,
der  das  Verhältmis  zu  unsern  Bundekgenossen  schildern  soll,  nähereingegangen  werden.