Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1892. (26)

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(Nr.  2001.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Beschäftigung  von  Arbeiterinnen  und  jugendlichen
Arbeitern  in  Drahtziehereien  mit  Wasserbetrieb.  Vom  11.  März  1892.

A#  Grund  des  F.  139  à  des  Gesetzes,  betreffend  die  Abänderung  der  Gewerbeordnung,
  vom  1.  Juni  1891  (Reichs-Gesetzbl.  S.  261)  hat  der  Bundesrath

nachstehende

Bestimmungen  über  die  Beschäftigung  von  Arbeiterinnen  und  jugendlichen
  Arbeitern  in  Drahtziehereien  mit  Wasserbetrieb
erlassen:

1.  In  Drahtziehereien  mit  Wasserbetrieb,  in  welchen  wegen  Wassermangels,
Frostes  oder  Hochfluth  die  Eintheilung  des  Betriebes  in  regelmäßige  Schichten
von  gleicher  Dauer  zeitweise  nicht  innegehalten  werden  kann,  dürfen  Kinder  unter
vierzehn  Jahren  und  Arbeiterinnen  bei  der  Herstellung  des  Drahtes  nicht  beschäftigt
  werden.  Denselben  darf  der  Aufenthalt  in  den  zur  Herstellung  des
Drahtes  bestimmten  Arbeitsräumen  nicht  gestattet  werden.

II.  Für  die  Beschäftigung  junger  Leute  mämnlichen  Geschlechts  zwischen
vierzehn  und  sechszehn  Jahren  in  den  unter  I  bezeichneten  Drahtziehereien  treten
die  Beschränkungen  der  §#P.  135  Absatz  3  und  136  der  Gewerbeordnung  mit
folgenden  Maßgaben  außer  Anwendung:

1.  Die  Gesammtdauer  der  Beschäftigung  innerhalb  einer  Woche  darf

ausschließlich  der  Pausen  nicht  mehr  als  sechszig  Stunden  betragen.
In  der  Zeit  von  sechs  Uhr  Abends  bis  sechs  Uhr  Morgens  darf  die
Beschäftigung  ausschließlich  der  Pausen  die  Dauer  von  zehn  Stunden
nicht  überschreiten.

Schichten  von  höchstens  zehn  Arbeitsstunden  müssen  durch  eine
oder  mehrere  Pausen  in  der  Gesammtdauer  von  mindestens  einer
Stunde,  Schichten  von  längerer  Arbeitszeit  durch  eine  oder  mehrere
Pausen  in  der  Gesammtdauer  von  mindestens  ein  und  einer  halben
Stunde  unterbrochen  sein.  Unterbrechungen  der  Arbeit  von  weniger
als  einer  Viertelstunde  Dauer  werden  auf  die  Pausen  nicht  in  Anrechnung
  gebracht.  Werden  mehrere  Pausen  gewährt,  so  muß  eine
von  ihnen  mindestens  eine  halbe  Stunde  dauern.

2.  Zwischen  zwei  Arbeitsschichten  muß  eine  Ruhezeit  liegen,  welche  mindestens
die  Dauer  der  zuletzt  beendigten  Schicht  erreicht.  Die  Dauer  der  Beschäftigung
  mit  Nebenarbeiten  kommt  bei  der  Berechnung  der  Gesammtdauer
  der  wöchentlichen  Arbeitszeit  in  Anrechnung.

3.  Während  der  Pausen  für  Erwachsene  dürfen  auch  jugendliche  Arbeiter
nicht  beschäftigt  werden.

4.  An  Sonntagen  darf  die  Beschäftigung  innerhalb  zweier  Wochen  nur
einmal  in  die  Zeit  von  sechs  Uhr  Morgens  bis  sechs  Uhr  Abends
fallen.