Volltext : Demokratie und Kaisertum.

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kratisch  zu  verfahren,  ohne  fromme  Gefühle  zu  verletzen,  zeigt  Amerika.
In  den  Vereinigten  Staaten  tut  der  Staat  nichts  für  die  Kirche,  und
selbst  die  Katholiken  sind  zufrieden  und  haben  nicht  das  Bedürfnis,  sich
als  gequälte  Kirche  hinzustellen.  In  dieser  Hinsicht  und  noch  in  mancher
anderen  Dinsicht  ist  ein  kurzes  Wort  sehr  lehrreich,  das  Leo  XIII.  1002
zu  amerikanischen  Hilgern  saste:

Während  Umsturz  und  Derfall  bei  fast  allen  Völkern,  die  seit  Jahrbunderten
  die  katholische  Religion  besitzen,  Trauer  einflößen,  erheitert  der
blühende  Sustand  eurer  (amerikanischen  Kirchen  das  Gemüt.

Dieses  Wort  zeigt  den  richtigen  Wes.  Man  vermindere  das  Gebiet
  der  Berührungen  von  Staat  und  Kirche  so  viel  als  möglich,  dann
bilft  man  beiden!  Ein  erster  Schritt  dazu  ist  die  Streichung  aller  staatlichen
  Gelder  für  kirchliche  Swecke.  Wo  privatrechtliche  Ansprüche  der
Kirchen  vorliesen,  mas  man  sie  fixieren  und  ablösen.  Ein  zweiter
Schritt  ist  die  Beseitigung  kirchlicher  Aufsicht  in  der  Schule.  ze  mehr
das  Sentrum  die  Honfessionalisierung  alles  Unterrichtes  betreibt,  desto
sicherer  muß  die  Linke  die  Schule  als  Mationaleigentum  reklamieren.

Was  wir  politisch  zu  bekämpfen  haben,  das  ist  nicht  der  Katholizismus
  als  Religion,  auch  nicht  die  Orthodoxie,  wir  bekämpfen  die
priesterliche  Eimmischung  in  Dolkseinrichtungen,  die  allen  Konfessionen  gehören;
  die  Derwendung  von  Swangssteuern  für  Bekenntniszwecke;-  und
vor  allem  die  Wirtschaftspolitik  des  Sentrums,  die  gerade  in  ihrer  Dalbheit
  und  Angst  vor  der  neuen  Geit  das  verhängnisvollste  ist,  was  auf
uns  lasten  kann.

V.  Das  politische  Spiel  der  Kräfte.

Aus  dem  gegenseitigen  Kampfe  der  von  uns  beschriebenen  Kräfte
entstebt  die  Geschichte  der  inneren  Dolitik.  Immer  wird  die  Regierung
genötigt  sein,  mit  irgend  einer  Alajoritätspartei  zu  arbeiten.  Sie  sagt
zwar  gern,  sie  stehe  über  den  Harteien,  und  es  ist  auch  wahr,  daß  sie
eben  durch  den  zerrissenen  Gustand  des  deutschen  Darteiwesens  große  Vorrechte
  in  der  Hand  hat,  aber  eine  Gesetzgebung  und  Finanzverwaltung  ohne
Harteien,  ist  doch  seit  1848  und  1866  unmöglich  geworden.  Was  wir  also