Metadata : Blätter für Rechtsanwendung. VII. Band (7)

30  Vom  Aleinzehent.

dige,  gleichförmige  Gebrauch  des  Rechtssatzes,
daß  von  allen  geringeren  Früchten  ohne  Unterschied
Zehent  zu  geben  sey,  erweislichermaßen  wenigstens
30  Jahre  hindurch  stattgefunden  hat.  —  Damit
aber  ein  Gewohnheitsrecht  von  solchem  Umfange
angenommen  werden  könne,  müssen  auch  diejenigen
Merkmale  der  Thatsachen,  in  welchen  der  Rechtssatz
  als  alle  geringeren  Früchte  umfassend  sich  darstellt,
  in  wiederholter,  beständiger,  gleichförmiger
Erscheinung  vorgekommen  seyn;  es  muß  der  Zehent
auch  bei  stattgefundnem  Wechsel  im  Anbau  geringerer
  Früchte,  auch  beim  Anbau  solcher  Früchte,
welche  früher  nicht  üblich  waren,  wiederholt
  und  beständig  gegeben  worden  seyn,  und  aus
der  Gesammtheit  der  Thatsachen  die  Ueberzeugung
sich  begründen,  daß  sie  das  Ergebniß  der  Anerkennung
  des  fraglichen  Rechtssatzes  waren.  —  Nach
solchen  Ansichten  wurde  vom  k.  OAG.  erkannt  am
15.  Dez.  1831  (Nr.  5972021)  und  am  12.  Juni
1841  (Nr.  305  36621).  —  (UAbweichende  Entscheidungen
  finden  sich  in  Baron  Duprel's  Rechtsfällen
  Bd.  VIII,  S.  287,  300,  370.)

In  einer  vor  Kurzem  erschienenen  Schrift  wird
geäußert,  es  unterliege  nicht  dem  geringsten  Zweifel,
  daß  die  meisten  Pfarreien  im  Stande  seyen,
ein  solches  Orts-Herkommen  bezüglich  des  Kleinzehents
  zu  beweisen").  Ist  dies  wirklich  der  Fall,
so  thun  die  Pfarrer  wohl  daran,  den  Sieg  Rechder

  Einleitung  vorkömmt,  und  auch  hier  nicht  als  Vorschrift,
  sondern  nur  als  Folgerung  erwähnt  ist.

*  )  In  einer  im  J.  1784  über  „den  Kleinzehent  in  Bayern“
erschienenen  Schrift  §.  9  wird  hierüber  geäußert:  „So
klar  die  Gesetze  für  die  natürliche  Freiheit  bei  kleinen  Früchten
  sind,  und  so  gewiß  es  ist,  daß  man  vorhin  vermöge
uralter  Landsobservanz  keinen  kleinen  Behent  gab,  so
zeiget  sich  doch  dermal  das  Gegentheil.  Die  Behentherrn
  wußten  eine  ganz  andre,  der  vorigen  schnurgerad
entgegengesetzte  Observanz  einzuführen.  Besonders  sind
es  die  Geistlichen  gewohnet,  immer  weiter  zu  grrifen.“