Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1895. (29)

—  394  —

stehend  verzeichnete  Mittel  in  der  unten  vorgeschriebenen  Weise  in  Anwendung
zu  bringen.

Das  Desinfektionsverfahren  umfaßt  nach  Maßgabe  der  Bestimmungen
dieser  Anweisung  die  Reinigung  und  die  Desinfektion  im  engeren  Sinne.

 

I.  Reinigungs-  und  Desinfektionsmittel.

§.  2.
Als  Mittel  der  Reinigung  und  Desinfektion  kommen  in  Betracht:

1.  Wasser  und  Wasserdämpfe.  Zur  Reinigung  wird  heißes  Wasser  oder,
wo  solches  in  genügender  Menge  nicht  zu  beschaffen  ist,  unter  Druck  aus  Handfeuerspritzen,
  Gartenspritzen  oder  dergleichen  ausströmendes  kaltes  Wasser  verwendet.

Zur  eigentlichen  Desinfektion  dient  wallendsiedendes  Wasser  oder  strömender
Wasserdampf  von  mindestens  der  Wärme  des  siedenden  Wassers.

Durch  einstündiges  Kochen  der  Gegenstände  in  Wasser  werden  die  daran
haftenden  Ansteckungsstoffe  zerstört.

Die  Desinfektion  mittelst  Wasserdampfes  hat  in  Vorrichtungen  zu  erfolgen,
welche  von  sachverständiger  Seite  dazu  geeignet  befunden  worden  sind.

2.  Seifenwasser.  Dasselbe  wird  durch  eine  starke  Lösung  von  Haus-  oder
Schmierseife  in  Wasser  hergestellt.

3.  Sodalauge.  Sie  wird  hergestellt  durch  Auflösung  von  mindestens
2  Kilogramm  Soda  in  100  Liter  Wasser.  An  Stelle  der  Sodalauge  kann  Holzaschen-
  oder  Seifensiederlauge  verwendet  werden.

4.  Frisch  gelöschter  (Aetz-)  Kalk  und  zwar:

a)  in  trockener  Form  als  Pulver,

b)  mit  2  Raumtheilen  Wasser  zu  einer  dicken  oder

c)  mit  20  Raumtheilen  Wasser  zu  einer  dünnen  Kalkmilch  angerührt.

5.  Chlorkalkmilch.  Frischer  starkriechender  Chlorkalk  wird

a)  mit  3  Raumtheilen  Wasser  zu  einer  dicken  oder

b)  mit  20  Raumtheilen  Wasser  zu  einer  dünnen  Chlorkalkmilch  angerührt.

6.  Fünfprozentige  Karbolsäurelösung.  Ein  Theil  verflüssigte  Karbolsäure
(Acidum  carbolicum  liquefactum  des  Arzneibuchs)  wird  in  18  Theilen
Wasser  gelöst.

7.  Kresolwasser.  Eine  Mischung  aus  1  Theil  Kresolseifenlösung  (Liquor
Cresoli  saponatus  des  Arzneibuchs)  und  9  Theilen  Wasser.  Sie  enthält  in
100  Theilen  5  Theile  rohes  Kresol.

8.  Steinkohlen-  oder  Holztheer.

9.  Feuer.  Schon  durch  gründliches  Ansengen  an  der  ganzen  Oberfläche
können  manche  Gegenstände  desinfizirt  werden.  Feuerfeste  Gegenstände  werden
durch  Einlegen  in  Feuer  —  Flammenfeuer  oder  glühende  Kohle  —  schnell  desinfizirt.