Full text : Archiv für Stamm- und Wappenkunde. 8. Jahrgang. (8)

—  103  —

Der  Fürstabt  Constantin  von  Butlar
(1714—  1726)  führteals  Wahlspruch:  Concilio,
Constantia.  Er  wurde  den  29.  Sept.  1679
als  Sohn  des  Generalmajors  des  oberrheinischen
  Kreises  von  Butlar  geboren  und
war  vom  19.  Okt.  1714  bis  zu  seinem  Tode,
13.  März  1726,  Fürstabt  von  Fulda.  Seine
Ruhestätte  befindet  sich  im  Dom  zu  Fulda;
das  Grabmal  ist  von  Joseph  Leiter  im  Jahre
1740  aus  schwarzem  und  rotem  Marmor  gefertigt
  und  mit  dem  vergoldeten  Wappen
des  Verstorbenen  sowie  mit  den  Wappen
seiner  16  Ahnen  geschmückt.

Unter  den  während  seiner  Regierungszeit
geprägten  Medaillen  und  Münzen!)  verdient
besonders  die  goldene  Wahlmedaille  aus
dem  Grunde  der  Erwähnung,  weil  sie  das
Brustbild  des  Fürstabts  trägt.  Joseph
Schneider  beschreibt  sie  in  seiner  Zeitschrift
Buchonia  Bd.  Il,  Heft  1,  S.  92  wie  folgt:

»Umschrift  von  der  L.  zur  R.:  Constantin,
S.  R.  I.  Pr.  et  Ab.  Fuld.  D.  Aug.  A.  C.  P.
Ger.  et  Gal.  P.  danach  ein  Röschen.  Das
sehr  erhaben  geprägte,  linkssehende  Brustbild
  des  Fürstabtes  in  einem  Spitzentalare.
Das  Haupt  mit  einer  grossen,  lockigen
Perücke  bedeckt.  Ueber  der  Brust  ein  mit
Steinen  besetztes  Kreuz  an  einer  goldenen
Kette.  —  An  der  rechten  Schulter  lehnt  das
Stifts-  und  von  Butlarsche  Wappen  mit  einem
viergeteilten,  ovalen,  mit  dem  Fürstenhute
bedeckten  Schilde.  Diesem  zu  beiden  Seiten:
Elect.  XIX.  Okt.  Darunter  A.  MDCC  XIV.

Reversseite:  auf  einem  mit  Perlen  besetzten
  runden  Schilde  eine  See,  auf  welcher
zwei  Schiffe  vom  Sturm  getrieben  werden.
Zur  rechten  steht  ein  Leuchtturm  und  diesem
gegenüber  zur  Linken  eine  Klippe,  als  bildliche
  Darstellung  des  anbei  gesetzten  Wahlspruchs,
  unter  jenem:  Concilio,  unter  diesem:
Constantia.  Am  jenseitigen  Ufer  eine  Fahne
mit  dem  Kreuze  aufgepflanzt  mit  der  Umschrift:
  Constantin  in  hoc  signo  imperaverat
hostes,  und  ausserhalb  des  Perlenkranzes
die  Umschrift:  Sub  hoc  signo  tuti  militabimus,
vor.  und  nach  ein  Röschen.  Randschrift:

1)  Joseph  Schneider  führt  deren  55  in  seiner
Zeitschrift  Buchonia  Il.  Bd.  2.  Heft  S.  92—113  auf.

Per  vexilla  crucis  vincere  certa  salus  i;  dem
ein  Röschen  vor-  und  nachsteht.  Links
unten  an  der  Klippe:  C.  W.,  der  Medailleur
Christian  Wermuth  in  Gotha.

Das  Bild  der  Reversseite  hat  offenbaren
Bezug  auf  die  zahlreichen  und  gefahrvollen
Reisen  des  Fürstabts  ins  Ausland.  Von  den
von  Butlars  haben  bekanntlich  auch  in
späterer  Zeit  mehrere  Glieder  ein  bewegtes
Leben  geführt.  Das  von  Butlarsche  Geschlecht
  soll  aus  dem  Stamme  der  Herzöge
von  der  Normandie  und  der  Grafen  von
Brionne  hervorgegangen  sein.  Es  führte
ursprünglich  3  silberne  Pokale  in  rotem
Felde,  welches  Wappen  die  in  England
verbliebenen  Nachkommen  noch  jetzt  führen.
Ihre  nach  Deutschland  ausgewanderten
Nachkommen  führten  bis  Ende  des  14.  Jahrhunderts
  3  silberne  Butten  —  nach  ihrem
Amte  als  Kellermeister  deshalb  »Botteler«
genannt,  welche  auf  die  Nachkommen’  übergingen.
  Einzelne  Linien  führen  im  Wappen
nur  1  Butte  in  rotem  Felde.')

Im  13.  Jahrhundert  spaltete  sich  schon
das  Geschlecht  in  3  Stämme,  von  denen  2
den  alten  Geschlechtsnamen  beibehielten,
der  mittelste  aber  den  Beinamen  »Troysch«
annahm,  wahrscheinlich  nach  dem  Dorfe
Treischfeld  bei  Buttlar  im  Fuldaischen.  Das
Königl.  Heroldsamt  in  Berlin  hat  in  seinem
Erlass  (Berlin  28.  Febr.  1880)  anerkannt,  dass
der  Geschlechtsname  der  Familie  Treusch  von
Buttlar  ursprünglich  lautete  »Buttlar«  und
der  Beiname  »Treusch«  anscheinend  von
alters  her  als  Unterscheidungszeichen  von
anderen  Linien  des  Geschlechts  geführt
worden  ist.

Das  Stammgut  der  Butlar  ist  am  22.  Juni
1894  durch  die  Gnade  S.  Königl.  Hoheit  des
Grossherzog  Carl  Alexander  von  Sachsen-Weimar
  gegen  Erlegung  von  100000  Mark
zurückgegeben  worden,  nachdem  der  Vater
des  jetzigen  Grossherzogs  das  Stammgut
Butlar  im  Jahre  1841  von  einem  Buttlar
gekauft  hatte.?)

1)  Siehe  Abbildung  Nr.  1  (Grundform  des  von
Butlarschen  Wappens.)

2)  Vergl.  »Geschichtliches  und  Sagenhaftes  von
dem  Brandenfels  von  Otto  Krügel,  Eisenach  1895.