Full text : Das Deutsche Reich zur Zeit Bismarcks.

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sind:  Unbescholtenheit,  entspr.  Vorbildung  und
eine  praktische  Bildungslaufbahn.  Der  Nachweis
über  die  Vorbildung  ist  zu  führen  durch  ein  Zeugnis
  über  den  regelmäßigen  Besuch  der  7.  Kl.  einer
9=  oder  7kl.  höh.  Schule  (Gymn.,  Realg.,  Oberrealschule,
  Progymn.,  Realprogymn.,  Realsch.)  und
dic  erlangte  Reife  für  die  Peima  eines  Gymn.
oder  Realgymn.  oder  einer  Oberrealsch.  —  von
Kandidaten,  welche  das  Reifezeugnis  für  Prima
eines  Gymn.  besitzen,  außerdem  durch  ein  Zeugn.
über  die  Erstehung  einer  Ergänzungsprüfung  in
Mathematik  behufs  Aufnahme  in  die  mit  der
Baugewerksch.  verbundene  Fachsch.  für  Vermess.=Wesen
  —  weiterhin  durch  ein  Zeugn.  über  den
2jähr.  regelmäß.  und  erfolgreichen  Besuch  dieser
Fachsch.  Für  die  prakt.  Bildung,  die  dem  Studium
an  der  Fachsch.  voranzugehen  hat,  muß  eine  mind.
2jähr.,  unter  der  Aufsicht  und  Leitung  w.  F.  erfolgte
  Beschäftigung  mit  Vermessungsarbeiten
durch  Zeugn.  nachgewiesen  werden.  Hievon  muß
eine  wenigst.  1jähr.  Besch.  auf  die  Vornahme  von
Katasterarbeiten  und  die  Besch.  mit  Nibvellementsarbeiten
  entfallen.  Bes.  Best.  gelten  für
die  Zulassung  zur  Pr.  für  Kandidaten,  welche  die
an  der  mathematisch-naturwissenschaftlichen  Abteilung
  der  Techn.  Hochsch.  in  Stuttgart  eingerichtete
  wissenschaftliche  Diplomprüfung  im  Fach
der  gesamten  Geodäsie  mit  Erfolg  bestanden  haben
und  für  Diplomingenieure.  Die  ersteren  erbringen
den  Nachweis  über  die  erforderl.  Vorbildung  durch
Vorlage  ihres  Reifezeugn.  und  ihres  Diploms,
die  letzteren  durch  das  Z.  über  die  erfolgreich  abgelegte
  Diplomprüfung.  Die  Pr.  besteht  in  ihrem
praktischen  Teil  in  Ausführung  von  Arbeiten  auf
dem  Feld  nebst  der  Fertigung  der  dazu  gehörigen
  schriftlichen,  rechnerischen  und  zeichnerischen
Arbeiten,  in  ihrem  theoretischen  Teil  in  der  schriftlichen
  und  mündlichen  Beantwortung  von  Fragen
und  in  der  Auflösung  von  Aufgaben  aus  dem
Gebiet  der  Prüfungsfächer.  Die  letzteren  sind:
àa)  Algebra  und  algebraische  Analysis  bis  zu  den
allg.  Sätzen  über  die  algebraischen  Gleichungen
und  der  Differenzenreihen  mit  Anwendung  auf
Interpolation  einschließlich;  b)  Elemente  der  Differential=
  und  Integralrechnung  mit  bes.  Rücksicht
  auf  die  Bedürfnisse  der  Vermessungskunde;
c)  darstellende  Geometrie,  soweit  sie  zum  Verständnis
  bautechnischer  Zeichnungen  erforderlich
ist;  d)  ebene  Trigonometrie,  Polygonometrie  und
sohärische  Trigonometrie;  e)  analytische  Geometrie
der  Ebene  bis  zu  den  Hauptsätzen  über  die  Kegelschnitte
  einschließlich;  f)  Grundzüge  der  Methode
er  kleinsten  Quadrate;  28)  Vermessungskunde:
Kenntnis  der  zum  Horizontal-=  und  Höhenmessen
sowie  der  zum  Kartiren  und  zum  Berechnen  von
Flächen  dienenden  Instrumente,  Prüfung  und  Berichtigung
  dieser  Instrumente;  Längen=  und
Winkelmessungen;  Grundstücksvermess.  von  kleinerem
  und  größerem  Umfang;  trigonometrische  und
polygonometrische  Messungen  und  Berechnungen
mit  Anwendung  der  vorgeschriebenen  Formulare;
geometrische  (nivelistische),  trigonometrische  und
barometrische  Höhenmessungen;  Höhenaufnahmen;
Ausgleichung  der  unvermeidlichen  Messungsfehler
nach  den  gebräuchlichsten  zeichnerischen  und  rechnerischen
  Methoden;  Anfertigung  von  Handrissen,

 

Vermessungs=  u.  Vermarkungswesen.

Karten  und  Planen  aller  Art,  Flächenberechnungen,
  Ausfertigung  von  Meßurkunden;  Kenntnis
  des  Koordinatensystems  der  w.  Landesvermessung
  und  Auflösung  darauf  bezüglicher
Aufgaben;  Bekanntschaft  mit  rechtwinklig-sphärischen
  und  mit  geograph.  Koordinaten;  h)  Baumessungen:
  sowohl  wissenschaftlich  strenge  als  angenäherte,
  den  üblichen  Geschäftsbräuchen  entspr.
Messung  und  Berechnung  von  Linien,  Flächen  und
Rauminhalten;  Bekanntschaft  mit  den  bautechn.
Bezeichnungen  und  Ausdrücken,  Fertigung  einer
Baumeßurkunde;  i)  Bekanntschaft  mit  den  in  W.
für  das  Vermessungswesen  überhaupt,  ferner  für
die  Landesvermessung,  Ergänzung  und  Fortführung
  derselben,  sowie  für  die  Feldbereinigung
erteilten  Vorschr.  —  Kandidaten,  welche  die  an
der  mathematisch-naturwissenschaftlichen  Abt.  der
Techn.  Hochsch.  Stuttgart  eingerichtete  wissensch.
Diplompr.  der  ges.  Geodäsie  mit  Erfolg  bestanden
haben,  sind  von  der  Pr.  in  den  unter  lit.  a—i  aufgeführten
  Fächern  und  von  dem  theoretischen  Teil
der  Prüfung  in  dem  Prüfungsfach  lit.  g  befreit,
während  Diplomingenieure  des  Bauingenieur=  oder
des  Hochbaufachs,  welche  die  Befugnisse  der  öff.
angestellten  F.  erlangen  wollen,  sich  nur  einer
Ergänzungsprüfung  in  der  praktischen  Geometrie
unterziehen  müssen  und  von  der  Prüfung  in  den
Fächern  lit.  a—e  und  lit.  h  entbunden  sind.  Die
näheren  Best.  über  die  Abnahme  der  Pr.  sind  in
der  vom  Min  IJ.  28.  5.  98  erlass.  Prüfungsinstr.,
Abl.  241,  getroffen.  —  3.  Ausführung  der
Vermessungsarbeiten.  Der  F.  ist  für
die  Richtigkeit  aller  von  ihm  gelieferten  Arbeiten
verantwortlich;  er  darf  sich  bei  deren  Ausführung
nur  insoweit  durch  Gehilfen  unterstützen  lassen,
als  er  auch  für  die  von  ihnen  gefertigten  Teile
der  Arbeit  diese  Verantwortung  nach  ihrem
vollen  Umfang  zu  übernehmen  vermag.  Im  übr.
gelten  für  die  Ausführung  der  Verm  Arb.  für  F.,
die  im  Dienst  oder  unter  Aufsicht  von  Beh.  stehen,
die  von  diesen  Beh.  erlassenen  Anweisungen.  Dies
gilt  namentlich  auch  bezüglich  der  Ausführung  von
Verm  Arb.,  die  als  Grundlage  für  die  Fortführung
der  Flurkarten  und  der  Primärkataster  zu  dienen
haben  oder  aus  Anlaß  von  Feldbereinigungen  vorgenommen
  werden,  s.  u.  Soweit  solche  bes.  Vorschr.
nicht  bestehen,  haben  sich  die  F.  bei  der  Ausführung
von  Verm  Arb.  nach  den  in  der  M.  24.  10.  95,
Rgbl.  311,  getr.  Best.  zu  richten.  Verm  Arb.  dürfen,
wenn  ihnen  öff.  Glaube  zukommen  soll,  von  F.,
in  deren  Eigentum  die  zu  vermessenden  Gegenstände
  stehen,  oder  die  mit  den  Eigentümern  dieser
Gegenstände  im  ersten  oder  zweiten  Grade  nach

bürgerlicher  Berechnungsweise  verwandt  oder  verschwägert

  sind,  nicht  ausgeführt  werden.  —
4.  Revision  der  Vermessungsarb.
Vermessungsarbeiten,  die  von  im  Dienfst  staatlicher
Beh.  stehenden  F.  ausgeführt  sind,  werden  regelmäßig
  von  Amts  wegen  einer  Nachprüfung  unterzogen.
  Außerdem  bestehen  bes.  Best.  über  die
Prüfung  und  Rev.  der  anläßlich  der  Feldbereinigungen
  und  für  Zwecke  der  Erhaltung  und  Fortführung
  der  Flurkarten  und  Primärkataster  vollzogenen
  Vermessungen.  Soweit,  von  diesen  Fällen
abgesehen,  ein  Beteiligter  an  der  Richtigkeit  einer
von  einem  öff.  bestellten  F.  gefertigten  Arbeit