52 Dr. Otto Hoetzsch
größern wird sich Bulgarien durch das bisher serbische Mazedonien und den
Teil Altserbiens bis zur Morawa und ihrer Mündung. Es wächst damit
von 112 000 auf mindestens 140—150 000 qkm und von 4,7 Millionen auf
über 6 Millionen Einwohner. Ob die Lösung der albanischen Frage oder
die künftige Stellung Griechenlands noch weitere Veränderungen bringen,
ist heute noch nicht zu sagen; nur so viel, daß die Frage eines Hafens im
Verhältnis zu dem so sehr gewachsenen Umfang für Bulgarien gelöst werden
muß. Damit sind zunächst einmal die nationalen Fragen der Balkanhalbinsel
endlich bereinigt, die lange Jahrzehnte ein glimmender Feuerherd
voller Gefahren für Europa waren. Damit wird ferner ein Staat geschaffen,
der groß genug ist, um sich auf der Balkanhalbinsel führend zu behaupten,
aber nicht so groß, daß er den anderen, Rumänien und Griechenland, gefährlich
werden könnte. Und mit diesen Voraussetzungen dauernder politischer
Ordnung wird die Verbindung zwischen Bulgarien und den Zentralmächten
so sehr bedeutungsvoll.
III. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Bulgarien und
Deutschland.
a) Die geographische Grundlage.
Unsere Beziehungen zu ihm ruhen zunächst darin, daß mit dem Zutritt
Bulgariens die deutsche und die österreichisch-ungarische Richtung der orientalischen
Politik in ein einheitliches Bett auf die Türkei hin zusammenströmen.
Dieses Bett ist aber, wenn wir vom Bilde in die Wirklichkeit übertreten,
nichts anderes als der Lauf der Donau. Dieser gewaltige Strom war in den
letzten Jahrzehnten recht zurückgetreten. Die Entwicklung der Schifffahrt
auf ihm hat an der großen Entwicklung der deutschen Binnenschiffahrt
nicht teilgenommen, sondern ist dahinter zurückgeblieben, und die vielen
Schwierigkeiten in seinem Bett und an seinen Ufern haben es verhindert,
daß die Zufuhr aus dem Orient nach Österreich und Deutschland auf der
Donau entsprechend rasch und umfassend vor sich ging. Hat doch der deutschtürkische
Handel deshalb statt des kürzeren Donauweges den viel längeren
durch das Mittelmeer vorziehen müssen. Nehmen wir als die beiden denkbaren
Endpunkte im Westen Köln und im Osten Giurgewo und Rustschuk,
so beträgt die Entfernung zur See 7000 und auf der Donau 2500 km. Und
trotzdem ging der Handel Deutschlands mit der Türkei durch das Mittelmeer
und den Ozean. Damit ist schon in einem Wort alles gesagt, was über die
wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Zentralmächten und Bulgarien
noch anzufügen ist.
b) Der deutsch-bulgarische Handel.
Der Handel Bulgariens betrug im letzten Friedensjahr mit Deutschland
in der Einfuhr aus Deutschland 50 Millionen, in der Ausfuhr dahin 8,8 Millionen
Mark, mit Österreich-Ungarn (1912) in der Einfuhr daher 47, in der
Ausfuhr dahin 15 Millionen Kronen. Verglichen mit dem Gesamtbetrage
des deutschen und österreichisch-ungarischen Handels ist das nicht viel, und
wir wollen uns auch hüten, die Aussichten dieser Handelsbeziehungen zu