Full text : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

310  14.  Erhebung  Preußens.  Der  Befreiungsfrieg  bis  zur  Schladht  bei  Leipzig.

„Bendeen“,  Die  ihn  umgaben,  und  daß  überall,  wo  er  nicht  felbjt
war,  die  Dinge  nicht  recht  vorwärts  gingen.  Gegen  Oudinot,  den
er  wider  die  feindliche  Hauptftadt,  den  Herd  der  ihm  widerwärtigen
Bewegung,  entjendet  hatte,  focht  ein  jehr  fähiger  General,  Friedrich
von  Bülow,  am  28.  Mai  bei  Hoyeröwerda  und  nochmals  an  dem
Tage,  an  dem  der  Waffenftillitand  gefchlojjen  wurde,  bei  Zudan,
beide  Male  mit  Glück:  in  der  darauffolgenden  Nacht  ging  Dudinot
zurüd.  Auch  die  reilorps,  die  jich  gebildet  hatten,  an  fich  ein  für
die  Sranzofen  bedenfliches  Symptom,  hatten  Feine  fchlechten  Gefchäfte
gemacht:  jo  Zjcherniticheff,  der  am  30.  Mai  bei  Halberstadt  den  meftfälischen
  General  Ochs,  zehn  Offiziere,  jechshundert  Mann  gefangen
nahın,  elf  Kanonen  und  adjtzig  Pulverwagen  erbeutete;  vor  allem
der  Rittmeister  Colomb,  der  am  8.  Mai  feinen  Kleinen  Krieg  an  der
fränfifch-thüringishen  Grenze  begann,  wobei  ihn  die  Bevölferung
und  deren  patriotiiche  Stimmung  unterftüßte:  am  29.  bei  Bittau
überfiel  er  einen  Transport,  nahm  zweiundfiebzig  Fahrzeuge  mit
dreihundert  Mann  und  jechs  Offizieren.  Dagegen  wurde  das  volfstümlichjte
  diefer  Korps,  das  des  Major  von  Lübomw,  bei  dem  der
Dichter  Theodor  Körner  und  viele  Zünglinge  von  höherer  Bildung
dienten,  am  17.  Suni,  nachdem  fchon  der  Waffenftillitand  mehrere
Wochen  in  Kraft  getreten  war,  in  der  Nähe  von  Leipzig,  bei  Kiben,
das  Dpfer  eigener  Unvorfichtigfeit  und  eines  verräterifchen  Überfalls,
  bei  dem  leider  auch  deutiche  Truppen,  die  württembergijchen
Reiter  des  General3  Normann,  beteiligt  waren.  Der  Krieg  um  Die
Feftungen  wurde  gleihjam  im  Hintergrund  und  nicht  mit  be-Sonderem
  Eifer  geführt,  doch  fielen  ECzenftochau  an  der  Warte,
Thorn  an  der  Weichlel  und  Spandau  jchon  im  April  und  bei
der  Kapitulation  von  Spandau  waren  das  wertvollite  Stüd  der
Beute  die  jechstaufend  Gewehre,  die  wie  in  manchem  andern  Fall
der  noch  rücjtändigen  Ausstattung  der  neuen  Kämpfer  zuftatten
famen.  Beflagenswert  war  das  Schicdfal  Hamburgs,  da  von  dem
Schwedischen  Kronprinzen,  dem  ehemaligen  franzöfiichen  Marjchall
Bernadotte,  einer  jchlimmen  Errungenjchaft  des  verbündeten  Lagers,
im  Stiche  gelafjen,  am  30.  Mai  von  den  Sranzofen  und  ihren