Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1898. (32)

Schiffen  noch  bis  zur  Hälfte  des  vorgeschriebenen  Bootsraums  an  Hülfsbootsraum
  in  Gestalt  von  anderweitigen  Booten,  zusammenklappbaren  Booten,  Rettungsflößen,
  schwimmenden  Decksitzen  oder  gleichwerthigen  Einrichtungen  vorhanden  sein.

Rettungsflöße,  schwimmende  Decksitze  u.  s.  w.  müssen  wenigstens  0,085  Kubikmeter
  Luftkasteninhalt  oder  eine  entsprechende  andere  Schwimmvorrichtung  für
die  Person  haben  und  auf  einem  Metallschilde  mit  dem  Vermerke  versehen  sein,
wieviel  Personen  sie  zu  tragen  vermögen.

Ein  Dampf=  oder  Motorbeiboot  kann  von  den  Besichtigern  als  Ersatz  für
Hülfsbootsraum  zugelassen  werden,  vorausgesetzt,  daß  die  Art  der  Maschine,  des
Kessels  oder  der  Ausrüstung  nicht  das  Leben  der  Insassen  gefährdet.  Der  von
der  Maschine  und  dem  Kessel  eingenommene  Raum  muß  von  dem  kubischen
Inhalte  des  Bootes  in  Abzug  gebracht  werden.

§.  45.

Unterbringung  Für  die  Aufstellung  der  Boote  müssen  so  viele  Davits  angebracht  sein,  als
der  Boote.  die  Bauart  des  Schiffes  dies  gestattet.  Soweit  die  Anbringung  von  Davits
unthunlich  ist,  müssen  die  Schiffe  nach  Möglichkeit  mit  anderen  Vorrichtungen
ausgestattet  sein,  mit  deren  Hülfe  ein  schleuniges  Herablassen  der  Boote  bewirkt
werden  kann.  

Von  den  vorgeschriebenen  Booten  müssen  so  viele  als  möglich  unter  den
Davits  oder  den  anderen  Vorrichtungen  zum  Herablassen  stehen,  während  die
übrigen  Boote  neben  den  ersteren  so  aufzustellen  sind,  daß  sie  schnell  unter  die  Davits
oder  anderen  Vorrichtungen  geschoben  werden  können.

Die  unteren  Blöcke  der  Bootstaljen  dürfen  nicht  mit  festen  Haken  versehen
sein,  sondern  müssen  Vorrichtungen  haben,  die  ein  sicheres  und  schnelles  Loslösen
der  Boote  von  den  Blöcken  ermöglichen.  Sofern  die  zum  Herablassen  der  Boote
erforderlichen  Taljen  nicht  an  den  Davits  oder  Krähnen  hängen,  müssen  sie  stets
klar  zum  Aufbringen  in  den  Booten  liegen.

Der  Hülfsbootsraum  ist  auf  Deck  möglichst  geschützt  gegen  Seeschlag  und
so  unterzubringen,  daß  er  die  Arbeiten  nicht  hindert.

Die  Boote  u.  s.  w.  sind  möglichst  so  unterzubringen,  daß  nach  jeder  Seite
des  Schiffes  die  Hälfte  des  vorhandenen  Bootsraums  zu  Wasser  gelassen  werden  kann.

§.  46.

Zustand  der  Boote  und  Sämmtliche  Boote,  Klappboote,  Rettungsflöße  u.  s.  w.  müssen  sich  stets  in
Hülfsvorrichtungen.  seetüchtigem  Zustande  befinden  und  hierauf  jährlich  mindestens  einmal  gründlich
untersucht  werden.  Sämmtliche  Boote  sollen  mindestens  einmal  im  Monat  ausgeschwungen
  werden.
Die  Untersuchung  auf  Seetüchtigkeit  sowie  das  Ausschwingen  der  Boote
ist  jedesmal  im  Schiffstagebuche  zu  verzeichnen.
Die  Boote  und  Klappboote  sind  mit  einer  laufenden  Nummer  zu  versehen.