Volltext : Preußische Geschichte. Vierter Band. (4)

III.  Der  Konflikt.  373

Wasfenfähigkeit  zu  erheben  und  so  Demütigungen,  wie  es  sie
zu  machen.  Auch  die  Lösung  der  deutschen  Frage  in  einem
für  Preußen  annehmbaren  Sinne  war  er  überzeugt,  damit
anzubahnen.  Verfassungsfeindliche  Absichten  lagen  ihm  dabei
um  so  ferner,  als  er  mit  der  Festsetzung  der  Zahl  der  jährlich
einzustellenden  Mannschaften  nur  ein  altes  Recht  des  obersten
Kriegsherrn  zu  üben  meinte,  das  durch  die  Verfassung  nicht
aufgehoben  war.  Auf  der  anderen  Seite  aber  wird  man  doch
auch  gegen  die  Opposition  nicht  im  Ernst  die  Anklage  erheben
können,  sie  habe  die  der  Krone  verfassungsmäßig  zustehenden
Rechte  mindern  oder  gar  die  preußische  Wehrkraft  schwächen
wollen:  aber  sie  folgerte  aus  der  Vergangenheit  und  der  schwächlichen
  Haltung  des  Ministeriums  Hohenzollern-Auerswald,  auch
für  die  verstärkte  prenßische  Heeresmacht  sei  eine  den  gebrachten
Opfern  entsprechende  Verwendung  im  Dienst  der  nationalen
und  der  liberalen  Sache  nicht  zu  erwarten,  und  wollte  deshalb
selbst  die  teilweise  Bewilligung  der  erhobenen  Forderungen
abhängig  machen  von  Zugeständnissen  im  Innern,  die  ein
Einlenken  in  die  von  ihr  verlangte  Politik  auch  nach  außen
verbürgten.  Eine  Verständigung  war  daher  unmöglich,  solange
die  Voraussetzungen  für  eine  nationale  und  zugleich  liberale
Aktion  der  preußischen  Politik  sehlten.  Die  Möglichkeit  einer
solchen  erschloß  auf  der  einen  Seite  die  schleswig-holsteinische,
auf  der  anderen  die  kurhessische  Frage.  Aber  weder  Schleinitz
noch  Bernstorff  hatte  den  frischen  Wagemut  besessen,  sie  so  weit
zu  treiben,  während  schon  1861  manche  einsichtige  Politiker
der  Meinung  waren,  Preußen  bedürfe  der  Aktion  nach  außen,
um  das  Fieber  im  Innern  zu  lindern.

Innerlich  war  König  Wilhelm  mit  der  neuen  Aera  längst
fertig:  ihr  Mißerfolg  bestärkte  ihn  in  der  Ueberzeugung,  daß
Preußen  nur  konservativ  regiert  werden  könne.  Es  mag  dahingestellt
  bleiben,  ob  Edwin  v.  Manteuffel,  der  Chef  des  Militärkabinetts,
  schon  im  Beginn  der  Regentschaft  der  Vertreter
absolutistischer  Tendenzen  (S.  335),  an  dem  schließlichen  Sturz
des  Ministeriums  Auerswald  den  entscheidenden  Anteil  hatte,
den  man  ihm  nachsagte.  In  einer  Broschüre  „Was  uns  noch