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Gutachten aller oder der Mehrheit gerichtet sind; alle geschriebenen
Rechte und Reichssatzungen können nur durch dies Mittel zur Anerkennung
kommen. Die Kurfürsten mögen sich deswegen auf dem
Tag einer einhelligen Meinung vergleichen, der die friedfertigen
Stände dann gerne beifallen werden.
6. Von Verbesserung der Direktion im Reichshofrat und in
andern Räten und 7.von der Reformierung des ganzen kaiserlichen
Regiments zu reden, bringt bei der jetzigen Lage des Kaisers schwerlich
viel Frucht, zumal man nicht weiss, ob der Kaiser noch länger in Böhmen
bleiben oder ins Reich kommen wird und ob er nicht aufdas Kaisertum verzichten,
sich zur Ruhe begeben und den Kurfürsten anheimstellen wird,
einen römischen König zu wählen. Bleibt der Kaiser in Böhmen bei
seinem jetzigen Regiment, aller Jurisdiktion und genügendem Unterhalt,
so ist für diesen Fall ohnehin schon im vorigen Jahr zu Prag wegen der
Beforiwierung der Räte und des Regiments einiges bedacht und zu
Papier gebracht, auch dem Kaiser und einigen seiner geheimen Räte
hinterlassen worden. Man kann dies Gutachten auf den Kurfürstentag
mitnehmen, „allein mag es eines subjects halben seithero etwas
enderung gewonnen haben, durch welches man verhofft gehabt,! den
vornembsten mengeln abzuhelfen oder vorzubawen, desswegen vieleicht
die sachen ietzmals ein ander und mehr nachdenkons erfordern
möchten.“ — Begibt sich aber der Kaiser ins Reich, ohne dem
Kaisertum zu entsagen, so wird sich wol das Reich zu dessen
Unterhalt etwas angreifen müssen und werden dafür die Stände nicht
nur Abhilfe ihrer vorgebrachten Beschwerden begehren sondern auch
zu besserer Anstellung des Regiments Mass und Ordnung geben
wollen; es dürfte dalrer darüber weitläufige Verbandlungen geben, bevor
die Stände sich zur Bewilligun g des Unterhaltes bewegen lassen werden.
Leichter wäre es, wenn der Kaiser sich zur Ruhe beyuemte und den
Kurfürsten einräumte, auf einen Nachfolger zu denken, wobei dann
durch die gewöhnlichen Kapitulationen so viel Mass und Ordnung gegeben
werden könnte, dass man sich hernach besonderer Ungleichheit
nicht zu befahren hätte und doch weitläufige Deliberationen hierüber
abgeschnitten würden. O. D.?
Wmz., Reichstagsakten, Bd. 104, no. 60; Kopie 3
° Anspielung auf Erzherzog Leopoll.
? Jatiert nach dem Begleitschreiben Fausts an den Kurfürsten von
Mainz vom 21. Juni (Wmz., a. a. O., no. 61: Or. eigh.).
® Ausser diesem zur persönlichen Information des Kurfürsten bestimmten
Gutachten setzte Faust noch eine Instruktion für die kurmainzischen
Räte Kaspar von Eitz, Gerhard von Waldburg und Liz. Kaspar Fleischbein
auf, die gemäss dein Ausschreiben vor dem Eintreffen der Kurfürsten die
„Praepar atoria® erledigen, vor allem aber den Justizpunkt vorberaten sollten.
Um dabei von Kurpfalz nicht mit dem Einwurf aufgehalten zu werden,
dass das kurfürstliche Kolleg unergänzt sei, sollen die mainzischen den
fälzischen Räten vorstellen, sie möchten sich den Verzug eines halben
age gefallen lassen; inzwischen soll mit den trieriechen, kölnischen und
sächsischen Räten wegen der Zulassung von Kurpfalz vertraulich geredet
Briefe u. Akten des dreissigjährigen Krieges, IX. Bd. 37
Juni
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