Metadata : Zwischen Krieg und Frieden. Band 11. Das Deutsche Elend in London. (11)

nur  immer  wieder  ein  Glied  in  der  Kette,  die  den  Deutschen
als  solchen  den  englischen  Druck  und  Haß  fuͤhlen  lassen  soll.
Ins  Lager,  das  rundum  durch  eine  Bretterwand  von  der
Landstraße  abgeschlossen  ist,  bekommt  man  keinen  Einblick.
Durch  Soldaten  mit  aufgepflanztem  Bajonett  wird  man
nach  Vorzeigen  des  Erlaubnisscheines  in  einen  kleinen
Raum  geführt  in  der  Naͤhe  des  Eingangs  zu  den  Baracken,
der  allem  Anschein  nach  als  Eßzimmer  für  Offiziere  dient.
Dorrhin  wird  der  Gefangene  gebracht  und  man  darf  sich
im  Beisein  eines  fließend  Deutsch  sprechenden  Beamten
zehn  Minuten  unterhalten.  Der  Beamte  nimmt  an  dem
Gespräch  teil  und  läßt  die  Anwesenden  keine  Minute  aus
den  Augen.  Uber  die  Verpflegung  im  Lager  erhält  man
keinerlei  Einblick,  man  erfährt  nur,  daß  im  besonderen  Eßpakete
  mit  nahezu  kindlicher  Freude  von  den  Männern  aufgenommen
  werden.  Die  Gesellschaft  ist  außerordentlich  gemischt,
  es  sind  alle  Stände  vertreten  vom  Konsul  und
Großkaufmann  bis  herunter  zum  Landstreicher.

Durch  die  Vermittlung  eines  nahe  befreundeten  Engländers,
  der  um  unseretwillen  etwas  wagt,  erhielten  wir
vom  Ministerium  früher  als  gewöhnlich  die  Erlaubnis  zur
Reise  nach  dem  Kontinent.  Mit  dieser  muß  dann  noch  die
vom  betreffenden  Wohnort  zur  Abreise  nach  London  eingeholt
  werden.  Von  da  an  sind  wir  noch  strenger  bewachr.
Die  erste  Hälfte  der  Nacht  beobachter  ein  Derektiv,  was
aus=  und  eingeht,  und  den  Deutschen  wird  von  wohlmeinenden
  englischen  Freunden  möglichst  Zurückhaltung  untereinander
  geraten.  Inzwischen  ist  ein  Zug  verwundeter  Belgier
und  Schotten  in  unserer  Stadt  angelangt,  der  die  Wut  des
Pöbels  noch  mehr  steigert.  Auch  die  Ankunft  belgischer

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