Auf dem östlichen Kriegsschauplatze ist keine Entscheidung gefallen.
Französische Blätter melden aus Lissabon: Portugal werde seine Kriegserklärung an Deutschland damit
begründen, daß die Deutschen von Deutsch-Ostafrika aus auf das angrenzende portugiesische Gebiet eingedrungen
und dort einen portugiesischen Unteroffizier und vier Soldaten erschossen hätten. Seit gestern verlassen viele
in Portugal lebende Deutsche das Land und begeben sich nach Spanien, In Gibraltar sollen 16 Transportschiffe
zur Abbolung portugiesischer Truppen bereit liegen.
Die Kölnische Volkszeitung erfährt aus Petersburg: Seit einigen Tagen ist die russische Presse sehr unzufrieden
mit Bulgarien und nachdem die Rowoje Wremja begonnen hatte, die Nachrichten Bulgariens
unter dem Titel Bulgariens Undank zu bringen, sind alle anderen Blätter diesem Beispiel gefolgt. Es kommen
beunruhigende Meldungen direkt aus Sofia, andere aus Belgrad und Athen, einige auch aus Konstantinopel.
Aus Odessa wird berichtet, in den bulgarischen Häfen Varna und Burgas sei die Stimmung
jetzt anders als vor vierzehn Tagen. Bulgarien wird beschuldigt, die Versorgung der Türkei mit Munition zu
ermöglichen. Der bulgarische Gesandte in Serbien ist in Sofia eingetroffen und hatte lange Unterredungen
mit dem König Ferdinand und dem Ministerpräsidenten. In Rußland betrachtet man biese Konferenz mit
großem Mißtrauen.
Das Neue Wiener Tagblatt meldet aus Kairo: Die Engländer suchten die ägyptischen Truppen zu entwaffnen.
Hierbei entstand ein Gefecht zwischen Engländern und Ägyptern, wobei auf beiden Seiten etwa
150 Mann fielen. Ähnliche Kämpfe haben in Alexandrien stattgefunden. Die indischen Truppen flüchten
in Massen. An einem Tage wurden 30 Mann der indischen Truppen gehängt.
Der englische Dampfer Glitre der Salvesen-Leith-Linie ist zwälf Seemeilen vor der englischen Küste von
einem deutschen Unterseeboot in den Grund gebohrt worden. Die Mannschaft wurde gerettet. Nach anderer
Meldung hatte die Mannschaft das Schiff in Booten verlassen.
Der Reichskommissar beim Seeamt zu Hamburg Konteradmiral Hugo Louran ist zum Hafenkommandanten
von Antwerpen und Kommandeur der Scheldebefestigungen ernannt worden.
Die geflohenen Belgier kehren nun in großen Zügen nach ihrer Heimat zurück.
Aus München-Gladbach wird geschrieben: Ein Sachverständigenausschuß von Industriellen aus dem
hiesigen Texrtilbezirk hatte sich nach Antwerpen begeben und konnte dort feststellen, daß in Antwerpen noch etwa
120000 Ballen ostindischer Baumwolle lagern. Die Baumwolle ist von der deutschen Regierung beschlagnahmt
worden, um sie für Zwecke der deutschen Baumwollindustrie zu verwenden. Nach den ersten Prüfungen
der Antwerpener Warenvorräte nach der Einnahme der Stadt sollten dort nur 5000 Ballen vorhanden sein,
während die Engländer etwa 15000 Ballen fortgeführt haben sollten. Das jetzt festgestellte Quantum von
120000 Ballen entspricht einer Menge von etwa 60 Millionen Baumwolle, die der deutschen Baumwollspinnerei
gegenwärtig sehr zu statten kommen wird.
In Gent sollen massenhaft Verwundete vom Kriegsschauplatz bei Ypern eingebracht worden sein.
Flüchtlinge aus Verdun, etwa 140 Franzosen, lauter Frauen und Kinder, trafen in Rastatt ein und baten
um Unterkunft, da ihre Wohnstätten zerstärt seien. Die Militärbehörde hat vorläufig für sie gesorgt und sie
im Zeughaus untergebracht. (Das sind die verhaßten deutschen Barbaren!)
Die letzteren Versuche der Franzosen, wieder in das Elsaß einzudringen, sind von den deutschen Truppen
zurückgeschlagen worden. Der Betrieb der Bahn Münster-Gebweiler und Thann wurde wieder aufgenommen.
Der Matin erzählt seinen Lesern wieder einmal eine nette Lügenmäre: Die Rowoja Wremsa hätte einen
Telegrammwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und König Albert veröffentlicht, der folgenden Wortlaut habe:
Der Kaiser: Wenn Du Dich dem Durchzuge meiner Truppen widersetzen solltest, werde ich Dich als meinen
persönlichen Feind betrachten und dein Land verwüsten. Wilhelm.
König Albert: Ich bedauere, baß es einem Könige nicht gestattet ist, das Gewehr zu tragen, Mein erster
Schuß würde Dir gelten. Albert.
Kommentar hierüber ist überflüssig.