Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1902. (36)

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§.  86.

Der  Schiffsmann  hat  dem  Kapitän  auf  Verlangen  wahrheitsgemäß  und
vollständig  mitzutheilen,  was  ihm  über  die  den  Schiffsdienst  betreffenden  Angelegenheiten
  bekannt  ist.

§.  87.

Der  Schiffsmann  darf  ohne  Erlaubniß  des  Kapitäns  keine  Güter  an
Bord  bringen  oder  bringen  lassen.  Für  die  gegen  dieses  Verbot  beförderten
eigenen  oder  fremden  Güter  muß  er  die  höchste  am  Abladungsorte  zur  Abladungszeit
  für  solche  Reisen  und  Güter  bedungene  Fracht  erstatten,  unbeschadet
der  Verpflichtung  zum  Ersatz  eines  erweislich  höheren  Schadens.

Der  Kapitän  ist  auch  befugt,  solche  Güter  über  Bord  zu  werfen,  wenn
ihr  Verbleib  an  Bord  Schiff  oder  Ladung  oder  die  Gesundheit  der  an  Bord
befindlichen  Personen  gefährden  oder  das  Einschreiten  einer  Behörde  zur  Folge
haben  kann.

§.  88.  

Die  Vorschriften  des  §.  87  finden  auch  Anwendung,  wenn  der  Schiffsmann
  ohne  Erlaubniß  des  Kapitäns  Waffen  oder  Munition,  Branntwein  oder
andere  geistige  Getränke  oder  mehr  an  Taback  und  Tabackswaaren,  als  er  zu
seinem  Gebrauch  auf  der  beabsichtigten  Reise  bedarf,  an  Bord  bringt  oder
bringen  läßt.

Die  gegen  dieses  Verbot  mitgenommenen  Gegenstände  verfallen  dem  Schiffe.

§.  89.

Der  Kapitän  hat  die  auf  Grund  der  Vorschriften  der  §§.  87,  88  getroffenen
  Anordnungen,  sobald  es  geschehen  kann,  in  das  Schiffstagebuch    einzutragen.


§.  90.  

Liegt  das  Schiff  im  Hafen  oder  auf  der  Rhede,  so  ist  der  Kapitän  befugt,
wenn  nach  den  Umständen  eine  Entweichung  zu  befürchten  ist,  die  Sachen  der
Schiffsleute  bis  zur  Abreise  des  Schiffes  in  Verwahrung  zu  nehmen.

§. 91.

Zur  Aufrechterhaltung  der  Ordnung  und  zur  Sicherung  der  Regelmäßigkeit
  des  Dienstes  ist  der  Kapitän  befugt,  die  geeigneten  Maßregeln  zu  ergreifen.
Geldbußen,  Kostschmälerung  von  mehr  als  dreitägiger  Dauer,  Einsperrung  und
körperliche  Züchtigung  darf  er  jedoch  zu  diesem  Zwecke  weder  als  Strafe  verhängen,
  noch  als  Zwangsmittel  anwenden.

Bei  einer  Widersetzlichkeit  oder  bei  beharrlichem  Ungehorsam  ist  der  Kapitän
zur  Anwendung  aller  Mittel  befugt,  welche  erforderlich  sind,  um  seinen  Befehlen
Gehorsam  zu  verschaffen.  Zu  diesem  Zwecke  ist  ihm  auch  die  Anwendung  von
körperlicher  Gewalt  in  dem  durch  die  Umstände  gebotenen  Maße  gestattet.  Er
darf  ferner  gegen  die  Betheiligten  die  geeigneten  Sicherungsmaßregeln  ergreifen
und  sie  nöthigenfalls  während  der  Reise  fesseln.

Reichs-  Gesetzbl.  1902.  45