Full text : Verhandlungen des Reichstags. 314. Band. (314)

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Reichstag.  —  Sachregister.

Hilfsdienst,  vaterländischer.  6.  Durchführung  des  Gesetzes
  (Fortsetzung).

Ist  der  Herr  Reichskanzler  bereit,  eine  erneute

eingehende  Prüfung  der  Angelegenheit  zu  veranlassen?:
Bd.  321,  Nr.  1017.

Schriftliche  Antwort:  Bd.  322,  Nr.  1146.

i)  Invalidenversicherung  siehe  unter  6  q.

k)  Jugendliche  Personen.
Ausbeutung  der  Arbeiter.  Verfügung  des  Generalkommandos

  des  VI.  Armeekorps,  betr.  Arbeitszwang
  für  Personen  unter  18  Jahren  in  landwirtschaftlichen
  Betrieben:  Bd.  310,  106.  Sitz.
S.  3295  B.

Anfrage  Taubadel:  Im  Bereich  des  Stellvertretenden

  Generalkommandos  für  das  5.  Armeekorps
  bringt  der  stellvertretende  Kommandierende
General  durch  eine  Anordnung  vom  11.  Februar
d.  J.  auf  Grund  des  Gesetzes  über  den  Belagerungszustand
  die  Bestimmungen  des  Gesetzes  den
Vaterländischen  Hilfsdienst  auch  für  jugendliche
männliche  Personen  im  Alter  von  14  bis  17
Jahren  in  Anwendung.

Ist  dem  Herrn  Reichskanzler  diese  im  Widerspruch
  zu  dem  Gesetz  über  den  Vaterländischen
Hilfsdienst  stehende  Anordnung  bekannt  und  was
gedenkt  er  hiergegen  zu  tun?:  Bd.  323,  Nr.  1351.

Bd.  311,  138.  Sitz.  S.  4317  A.  —  Beantwortet.

1)  Mittelstand.  Anwendung  des  Gesetzes  auf  den
Mittelstand,  rigorose  Maßnahmen:  Rd.  311,
139.  Sitz.  S.  4349D,  4358  A.

Heranziehung  der  Handwerker,  der  Lehrlinge:

Bd.  309,  88.  Sitz.  S.  25910,  25960D.

Heranziehung  von  Handwerkern,  möglichste  Beschäftigung

  am  Wohnsitz,  Zurückstellung  selbständiger
  Handwerker:  Bd.  311,  144.  Sitz.
S.  45190D.

 

m)  Politischer  Mißbrauch.
Anfrage  Dittmann:  Ist  dem  Herrn  Reichskanzler

folgender  Fall  eines  Mißbrauchs  des  Hilfsdienstgesetzes
  zu  politischer  Maßregelung  bekannt?

Der  32jährige  kriegsinvalide  Mechaniker  Hans
Becker  aus  Neukölln,  dem  infolge  Zerschmetterung
des  Fußgelenks  durch  einen  Schuß  das  eine  Bein
um  ca.  5  Zentimeter  verkürzt  worden  ist,  fand
nach  seiner  Heilung  in  der  Zigarettenfabrik  Manoli
Arbeit  als  Zigarettenmaschinist.  Er  erhielt  am
3.  Oktober  d.  J.  vom  Einberufungsausschusse

für  den  vaterländischen  Hilfsdienst  eine  Aufforderung,

  sich  innerhalb  14  Tagen  eine  kriegswichtige
  Beschäftigung  zu  besorgen.  Von  Vertretern
  der  Firma  Manoli  wurden  Schritte
unternommen,  Becker  zu  reklamieren;  es  wurde
aber  schließlich  erklärt:  „über  die  Person  des
Herrn  Becker  werde  von  häherer  Stelle  aus  verfügt
  werden“.

Daraufhin  beschaffte  sich  Becker  bei  der  Firma
Schwarzkopff  Arbeit  im  Torpedobau,  die  zweifellos
  nach  den  Bestimmungen  des  Hilfsdienstgesetzes
eine  kriegswichtige  Beschäftigung  darstellt.  Der
Einberufungsausschuß,  dem  Becker  davon  Mitteilung
  machte,  forderte  ihn  jedoch  erneut  auf,  sich
andere  Beschäftigung  zu  suchen.  Bei  einer  persönlichen
  Aussprache  mit  einem  Beamten  des
Einberufungsausschusses  wurde  er  gefragt,  ob  er
wetwas  ausgefressen“  habe,  ob  er  vielleicht  politisch
tätig  gewesen  sei.  Als  er  das  letztere  bejahte,
meinte  der  Beamte,  dann  sei  das  wohl  der  Grund
für  die  erneute  Aufforderung  des  Einberufungs- 



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Hilfsdienst,  vaterländischer.  6.  Durchführung  des  Gesetzes
  (Fortsetzung).

ausschusses;  er  möge  sich  beim  Gesamteinberufungsausschuß
  beschweren.  Becker  reichte  eine  solche
Beschwerde  ein.  Statt  einer  Antwort  erhielt  er
die  Aufforderung,  am  16.  November  zur  körperlichen
  Untersuchung  in  der  Kaserne  in  der  Karlstraße
  zu  erscheinen.  Dort  wurde  ihm  von  dem
die  Untersuchung  leitenden  Offizier  gesagt:  „Sie
haben  sich  hier  anständig  zu  betragen,  zwei  Kreuzer
haben  Sie  schon.“

Später  sagte  derselbe  Offizier,  im  Bureau  des
Einberufungsausschusses  sei  Becker  doch  schon  erklärt
  worden,  daß  er  von  der  Firma  Schwarzkopff
wieder  fort  müsse;  deshalb  solle  ihm  jetzt  Arbeit
zugewiesen  werden.  Darauf  diktierte  der  Offizier
dem  Schreiber:  „Messingwerk  (oder  Metallwerk)
Eberswalde“,  verbesserte  sich  jedoch  sofort:  „Aber
warten  Sie  mal,  ich  sah  eben  noch  etwas  Besseres“,
dann  diktierte  er:  „Als  Arbeiter  zum  Gemeindevorstand
  in  Frohnau.“  Zu  Becker  sagte  der  Offizier:
  „Sie  melden  sich  dort  beim  Gutsvorstand."
Der  Gutsvorsteher  von  Frohnau  erklärte  Becker,
er  habe  kräftige  Leute  angefordert,  die  Kohlen  und
Kartoffeln  tragen  und  sonstige  schwere  Arbeit  verrichten
  könnten.  Er  sei  erstaunt,  daß  man  ihm
statt  dessen  einen  Mechaniker  schicke,  der  körperlich
schwächlich  und  zudem  auch  noch  Kriegsinvalide
mit  einer  Beinverkürzung  sei.  Der  Gutsvorsteher
stellte  Becker  eine  Bescheinigung  aus,  in  der  es
heißt:  „Becker  ist  Kriegsinvalide  und  zur  Verrichtung
  schwerer  körperlicher  Arbeit,  wie  solche
hier  verlangt  und  angemeldet  ist,  untauglich.  Ich
verzichte  deshalb  auf  seine  Einstellung.“

Seitdem  —  seit  dem  20.  November  —  bemüht
  sich  Becker  vergebens  um  andere  Arbeit.
Die  Zuweisung  nach  dem  Gutshof  Frohnau  wirkt
auf  alle  industriellen  Arbeitgeber  abschreckend.

Was  gedenkt  der  Herr  Reichskanzler  zu  tun,
um  dem  durch  den  Einberufungsausschuß  aus
seiner  sicheren  Arbeitsstelle  herausgerissenen  kriegsinvaliden
  Mann  wieder  eine  feste  Beschäftigung
zu  verschaffen  und  für  ihn  den  erlittenen  Verdienstverlust
  zu  entschädigen?

Was  gedenkt  der  Herr  Reichskanzler  ferner  zu
tun,  um  die  Veranlasser  dieses  Mißbrauchs  des
Hilfsdienstgesetzes  zu  politischer  Maßreglung  zur
Verantwortung  zu  ziehen  und  welche  allgemeinen
Maßnahmen  gedenkt  der  Herr  Reichskanzler  gegen
die  Wiederholung  eines  solchen  —  nicht  vereinzelt
dastehenden  —  Falles  zu  ergreifen:  Bd.  322,
Nr.  1186.

Wiederholt  von  Dr.  Cohn  (Nordhausen):  Bd.  323,

Nr.  1355.

 

Bd.  311,  141.  Sitz.  S.  43960C.  —Beantwortet.

n)  Rechtsschutz  für  Hilfsdienstpflichtige:

Bd.  321,  Nr.  801  Ziff.  606.
Bd.  322,  Nr.  1214  S.  227.

o)  Schlichtungsausschüsse,  Zentralstelle,  Errichtung,

Zusammensetzung,  Tätigkeit,  Tagegelder:
Bd.  320,  Nr.  633  Anhanga5l1,  à  512,  a548.
Nr.  650  S.  124,  126.
Bd.  322,  Nr.  1213  Anhang  a  803.
Nr.  1214  S.  155.

Nichtzulassung  der  wirtschaftsfriedlichen  (gelben)

Arbeiterorganisationen  zu  den  Ausschüssen  des
Hilfsdienstgesetzes:  ·