Behandlung der Brüste. 345
Genaue Beobachtung und teilweise Untersuchung der kranken Wöchnerin
werden bald Aufschluß bringen, ob der eine oder andere Fall die Ursache des
Fiebers ist, und werden darnach die Behandlung bestimmen. Ist ein häßlicher
Ausfluß entstanden, grau, übelriechend, beißend, dann mache man Ausspülungen
mit abgekochtem Wasser, lege reinste Wundwatte, in abgekochtes Wasser
getaucht, in die Scheide, und wende sofort Rumpfpackungen an, die man
stündlich ernenert und in Wasser von etwa 20° C. taucht. Bei Fieber über
38° C. müssen auch kühle Ganzpackungen oder kalte Wadenwickel,
ferner übergießungen des ganzen Körpers mit 35% oder 23° C. ausgeführt
werden. Bei Beckeneiterungen macht man fleißig gewechselte kalte
Leibaufschläge und Beindampfpackungen mit kaltem Knieguß, auch
Ganz-Bettdampfbäder usw. Kühle, kleine Klystiere wirken sehr
wohltuend, ebenso flüssige Kost, aus kalter, roher Milch, auch saurer Milch,
verdünnten Obstsäften, Wurzelbrühen, Apfeltee mit Nährsalz-Biskuit (Hohenlohesche,
nach Dr. Lahmann und anderen) usw. bestehend. Was sonst
noch zu machen ist, entscheidet der einzelne Fall; bei der Mannigfaltigkeit
der Zustände gibt es kein Rezept, das für alle an Kindbettfieber Erkrankten
paßt. Wir fügen noch hinzu, daß nach einem unvollkommenen Abortus
septische Endometritis (faulige Entzündung der Schleimhaut der Gebärmutter)
mit Fieber auch recht häufig ist, weil die zurückgebliebenen Reste der
Plazenta in Fäulnis übergingen und Ausfluß und Fieber erzeugten. Hilft da
eine energische innere Massage mit kalten Güssen nicht mehr, dann bleibt nur
die Anskratzung übrig.
Die Bebandlung der Brüfte.
Fig. 29 im ersten Kapitel des I. Teiles unseres Buches bringt uns ein
anatomisches Bild von der weiblichen Brust; andere Darstellungen derselben,
die uns ihren Bau klar machen, sind Fig. 201 und 202 mit gefüllten
und leeren Drüsentränbchen. Die Natur hat es unendlich weise eingerichtet,
daß sie den Leib der Mutter auch zur Bildungsstätte der kindlichen Nahrung
machte und uns dadurch aller Nahrungssorge für das Neugeborene enthebt.
Wie nirgends sonst, so gedeiht das Kind an der vollen Mutterbrust; unsere
Aufgabe wird nur darin bestehen, die natürliche Milchquelle des Kindes
gesund und ergiebig zu erhalten. Wie erreichen wir dies? Erstens durch
richtige Ernährung und Pflege der Mutter, zweitens durch überlegte Behandlung
der Brüste, die oft sehr zu Krankheiten geneigt sind.
Es gibt Frauen, die so gute Ammen sind, daß sie auch bei spärlicher
und schlechter Nahrung reichlich Milch erzeugen; andere dagegen haben trotz
aller Bemühungen und reichlichster Nahrung kaum so viel Milch, daß der