Volltext : Deutsche Heerführer im Kriege 1914. Band 2. (2)

Alfred  von  Tirpitz,

Staatssekretär  des  Reichsmarineamts.

Haben  wir  in  Erich  von  Falkenhayn,  dem  preußischen
Kriegsminister,  einen  Mann,  dessen  temperamentvolle  Art
oft  Entschließungen  zu  beeinflussen  imstande  ist,  selbstver—
ständlich  ohne  dabei  sachliche  Erwägungen  zu  verkürzen
oder  gar  auszuschalten,  so  lernen  wir  in  Herrn  von  Tirpitz  eine
Persönlichkeit  kennen,  die  gerade  auf  dem  entgegengesetzten  Wege
dem  gleichen  Ziele  zustrebt  und  es  stets  auch  erreichen  konnte.
Die  ruhige,  sachliche  Art,  mit  der  Herr  von  Tirpitz  den  Zwecken
der  Marineverwaltung  dienlich  zu  sein  bestrebt  war,  hat  ihn
wiederholt  rascher  zum  Erfolg  geführt,  als  man  es  erwarten
konnte.  Großadmiral  von  Tirpitz  ist  seit  dem  Bestehen  des
Reichsmarineamts  erst  der  zweite  oder  dritte  Leiter  dieser
obersten  Verwaltungsbehörde  unserer  Marine,  da  vor  seinem
Vorgänger  Hollmann  die  Verwaltung  und  militärische  Leitung
in  die  Hände  einer  einzigen  Behörde,  der  Kaiserlichen  Admira—
lität,  gelegt  war.  Erst  am  1.  April  des  Jahres  1889  wurde
durch  eine  Kaiserliche  Kabinettsorder  eine  Trennung  in  ein
militärisches  Oberkommando  und  das  Reichsmarineamt  vor—
genommen.  Admiral  Hollmann  wurde  1890  Staatssekretär  des
Reichsmarineamts,  aus  welcher  Stellung  er  im  März  des
Jahres  1897  im  Alter  von  55  Jahren  schied,  da  es  ihm  nicht
gelungen  war,  vom  Reichstag  die  Mittel  zu  neuen  Kreuzer—
bauten  zu  erlangen.  An  seine  Stelle  trat  erst  provisorisch,  dann
definitiv  Alfred  Tirpitz.

Als  Sohn  eines  Appellationsrates  wurde  Tirpitz  am