Contents : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Achtundvierzigster Jahrgang. 1887. (48)

82  Drittes  Kapitel  17.  August

rungen  des  Kanzlers,  die  bei  dieser  Gelegenheit  fielen,  erwähne  ich
noch  die,  nach  der  ihm  „die  kleinen  schwarzen  Sachsen,  die  so  intelligent
  aussehen,“  bei  dem  Besuche,  den  er  ihnen  am  Tage  vorher
  abgestattet,  ungemein  gefallen  hatten.  Er  meinte  die  dunkelgrünen
  Jäger  oder  das  in  dieselbe  Farbe  gekleidete  Schützen=  (Füsilier-)
  Regiment  Nr.  108.  „Es  scheinen  flinke,  behende  Leute  zu
sein  —  fügte  er  hinzu  —,  und  man  sollte  das  in  die  Presse
bringen."

In  der  folgenden  Nacht  wurde  ich  mehreremale  durch  den
taktmäßigen  Tritt  durchmarschierenden  Fußvolks  und  das  Rollen  und
Rumpeln  schwerer  Räder  auf  unebnem  Pflaster  geweckt.  Es  waren,
wie  man  früh  im  Büreau  wissen  wollte,  Hessen  gewesen.  Vom
Minister  hieß  es,  er  sei  schon  bald  nach  vier  Uhr  morgens  fort,
nach  Metz  zu,  wo  heute  oder  morgen  eine  Hauptschlacht  erwartet
werde.  1  So  gab  es  denn  diesen  Tag  aller  Wahrscheinlichkeit  nach
für  mich  wenig  oder  nichts  zu  thun,  und  ich  nahm  die  Gelegenheit
wahr,  mit  Willisch  einen  Spaziergang  in  die  Umgebung  der  Stadt
zu  machen.  Wir  gingen  zuerst  stromaufwärts  über  die  Pontonbrücke
  der  Sachsen  hinaus.  Sie  hatten  hier  auf  den  Wiesen  am
linken  Ufer  einen  großen  Fuhrpark  aufgestellt,  bei  dem  sich  auch
Wagen  aus  Dörfern  bei  Dresden  befanden.  Wir  schwammen  über
den  klaren,  tiefen,  auf  beiden  Seiten  von  Weiden  eingefaßten  Fluß
und  wieder  herüber.  Dann  wurde  die  Kirche  auf  der  rechten  Seite
des  Wassers  besucht,  wo  wir  unter  anderm  ein  außerordentlich
schönes  Grab  Christi  mit  den  schlafenden  Wächtern  bewunderten.
Besonders  die  Wächter  sind  in  Haltung  und  Gesichtsausdruck  wahre
Meisterwerke  der  Zeit  des  Übergangs  aus  dem  Mittelalter  in  die
Renaissance.

Ins  Büreau  zurückgekehrt,  fanden  wir,  daß  dort  noch  immer
Feierabend  war.  Ich  hatte  daher  Zeit,  mit  Jansen  und  Willisch
dem  Gipfel  des  Mousson  und  seiner  Ruine  einen  Besuch  abzustatten.
Ein  steiler  Weg  führte  hinauf  durch  die  Weinberge,  die  die  dem
Flusse  und  der  Stadt  zugewandte  Flanke  des  Kegels  bedecken.

 

1  Der  Generalstab  brach  schon  1½  Uhr  nachts  nach  dem  Schlachtfelde  des
16.  August  auf  und  war  den  größten  Teil  des  Tags  über  auf  einer  Höhe  südlich
  von  Flavigny,  in  der  Erwartung  einer  neuen  Schlacht  noch  am  17.  August.
Verdy  du  Vernois  v7V9ff.