795
drängend, ahd. mannisko, mennisko, altsächs. mennisko,
fries. manniska, menniska, mhd. mennische, menesche,
mensche, in letzter Kürzung mensch; daneben hat sich
auch ein Neutr. menseh ergeben, s. unten. Die Form
mensche bisweilen noch im 17. Jh.: gottes kind ein
mensche muste werden PGerhard 30; selten in starke
Form überschwankend: der mensch wird nur zum mensch
gezogen Klinger 2, 170; Dim. menscheben und menschlein,
gern mit spottendem Nebensinne: diescs menschchen
Goethe Benv. Cell. 4, 2; die menschlcin mühen
sich geschäftig ab Grillparzer 1, 176. Volle Bed.
des Worts, bei der vielfach die menschliche Hinfälligkeit,
Niedrigkeit, Schwäche hervorgehoben wird: ein mensch
ist in seinem leben wic gras Pf. 103, 15; ich bin ein
mensch, das ist prästhaft Maaler; es irrt der mensch,
so lang er strebt Goethe Faust, Prolog im Himmel:
andrerseits die sittliche, Gefühlsseite, und die Gleichheit
gegenüber dem Stande: wenn du ein mensch bist und
ein menschliches herz hast Schiller Räub. 4, 5; der
alte urstand der natur kebrt wieder, wo mensch dem
menschen gegenüber steht Tell 2, 2; der bauer ist auch
ein mensch. so zu sagen Wallenst. Lager 10; zusammenfassender
Sing. bei der Zeichnung der menschlichen Art,
im Gegensatz zu den Einzelwesen: uns war darum zu
thun, den menschen kennen zu lernen, die menschen
überhaupt lieszen wir gern gewähren Goethe DuW.
17; daher allgemein: das der mensch nicht lebet von
brot allein 5. Mos. 8, 3; der mensch ist frei geschaffen
menschenähnlich — Menschenalter.
Menschenfeind — Menschenrecht. 796
Lebenszeit eines Menschen, zu siebenzig Jahren gerechnet:
das er (Admet) zwei menschenalter leben mocht Frölich
Stob. 363. — Menschenfeind, m. der die Menschen
insgemein haßt. — Menschenfresser, m. der Menschen
frißt, Kannibale: auch Name einer Haifischart, und des
brasilianischen Geiers. — Menschenfreund, m. Freund
gegen die Menschen insgemein; dazu menschenfreundlich:
menschenfreundliche gesinnung, teilnahme. — Menschenfurcht,
k. Furcht vor Menschen, ihrem Urteil oder
ihrer Rache: wenn . menschenfurcht den arm der obrig--keit
bindet Schiller 3, 514. — Mienschengeschlecht, n.
Geschlecht der Menschen, die gesamten Menschen: ein
boshaftes Pasquill aufs menschengeschlecht Schiller
Räub. 1,2; Geschlecht unter den Menschen: das (Landleute)
ist freilich ein menschengeschlecht . Seume
m. Sommer 64; nach zeitlicher Aufeinanderfolge: die
seelen der kunftigen menschengeschlechte Klopstock
Mess. 8, 379; seit drei menschengeschlechtern Hv Kleist
Käthchen v. Heilbr. 1, 1. — Menschengesicht, u. Gesicht
eines Menschen; Mensch selbst mit Hervorhebung seines
Gesichtes: sie ist .. das häszlichste menschengesicht
Wieland Am. 17, 32. — Menschengröße, k. Größe der
Menschen, besonders geistige oder gesellschaftliche. —
Menschenhand, f. Hand eines Menschen: (die Tiere)
hatten menschenhende Hes. 1, 8; Mensch selbst, sofern
er durch die Hand etwas schafft: der heiden götzen.
von menschenhenden gemacht Ps. 135, 15; doch 2og
nicht menschenhand den strang (der Glocke) Uhland
Schiller Worte des Glaubens; in der Anrede: denk, 399; mit Betonung der Pflege, Hilfe: dein vaterland
o mensch! an deinen tod Gellert 2, 174; vereinzelnder fühlte zum erstenmal eine menschenhand Schiller
Plur.: war weiser, denn alle wenschen 1. Kön. 1, 31; Kab. 2, 3. — Menschenhandel, w. Handel mit Menschen,
den menschen ein wolgefallen Luc. 2, 14; alle menschen
werden brücker Schiller an die Freude; — Leute: das
er meine schmach unter den menschen von mir neme
Luc. 1, 25; dasz alle menschen auf dich gucken Grobian.
390; es ist mir ganz unmöglich, unter menschen zu
gehn Schiller Kab. 5,6; — in Verbindung mit Adjectiven
mit verblaßterem Sinne, so daß der Adjectivbegriff
überwiegt: wer nu irgend einen todten menschen
anrüret 4. Mos. 19, 11; wer geduldig ist, der ist ein
kluger mensch Spr. Sal. 19, 11; es giebt garstige menschen
Schiller Räub. 3, 3:; noch mehr verblaßt, wenn
mensch = irgend Einer steht: wie denn einem menschen
ein schwur entfaren mag 3. Mos. 5, 4; Gen. Sing.
ohne Artikel: soweit hatte ich nicht geglaubt. dasz
menschen bosheit reichen könne (die Bosheit irgend
Eines) Cronegk 1, 102; = man: morgen ist der erste
april, der mensch solte sich der jahrzeit zu chren
brauchen lassen Weise Erzn. 219; kein mensch —
Niemand (Pred. Sal. 9, 15), ein jeglicher mensch —
Jeder (3, 13), welcher. solcher mensch — welcher, solcher
(3. Mos. 17, 1. Spr. Sal. 20, 24); der mensch der
Begriffs auf einen erwachsenen männlichen Menschen:
da war ein mensch, der hatte eine verdorrete hand
Matth. 12, 10; dieser ist ein fromer mensch gewesen
Lnc. 23, 47; ich bin ein junger mensch Schiller
Karl. 2, 5; in der Anrede: sprach er zu jm, mensch,
deine sunde sind dir vergeben Luc. 5, 29; haben Sie
lust, junger mensch, lhr herz in eine ptütze zu werfen?
Schiller Fiesko 1, 12; auch mit verächtlichem Nebensinne:
nimmt Ihre abneigung gegen dicesen menschen
nicht zu? Gellert 6, 36. — Zusammensetzungen:
menschenähnlich, einem Menschen ähnlich: anblick dieser
menschenähnlichen . geschöpfe Goethe Wahlverw.
2, 4. — Menschenalter, selten — Zeitalter: saeculum
oder menschenalter Schuppius 780; gewöhnlich —
durchschnittliches Lebensalter eines Menschen, angenommen
zu dreißig oder drei und dreißig Jahren: ein
ganzes menschenalter lang Schiller 4, 309; dasz die
bewegung . vielleicht in einem weiteren menschenalter
ihre ziele erreicht Bismarck Reden 12, 200; auch
Verkauf in Sklaverei. — Menschenhaß, m. Haß gegen
die Menschen insgesamt. — Menschenherz, m. Herz eines
Menschen, besonders mit Betonung des Gefühls; Inhaber
eines solchen: wenn wir der religion diese grosze
gewalt über jedes menschenherz einräumen Schiller
3, 514. — Menschenkenner, m. Kenner der Menschen,
ihrer menschlichen Eigenschaften; dazu: Menschenkenntuis,
f. — Menschenkind, u. Kind eines Menschen; Mensch
überhaupt, mit Betonung seiner Abstammung und Art,
schon mhd. menschenkint: gott ist nicht ein mensch,
das er liege, noch ein menschenkind, das ju etwas
gereue 4. Mos. 29, 19; hört es, menschenkinder Schiller
1, 30; öfters mit derberem oder spaßhaftem Klange:
wer bist du denn, menschenkind Hauff 6, 11. —
Meuschenklasse, k. Klasse von Menschen nach gesellschaftlicher
oder natürlicher Schätzung: vertraulichkeit mit
dieser menschenklasse und ihren gesinnungen Schiller
4, 267. — Menschenkunde, k. Kunde der Menschen, der
Menschheit: natur- und menschenkunde Herder zur
Phil. 5, 32; Kunde des einzelnen Menschen, besonders
" » in Bezug auf sein Inneres, Mencschenkenntnis: die
— derjenige welcher (Hiob 5, 17); — Einschränkung des
menschenkunde der deutschen romanschreiber JIPaul
uns. Loge 1, XXXIII; dazu menschenkundig: einen weltund
menschenkundigen, auch weitgewanderten mann
CF Meyer d. Heil. S. — Menschenleben, n. Zustand,
Art, Dauer des menschlichen Lebens: ein menschenleben
ist kurz; greift nur hinein ins vollc menschenleben.
Goethe Faust, Vorspiel; ein Mensch selbst mit Rücksicht
auf sein Leben: ein menschenleben opfern; mit
menschenleben spiele und scherze ich nie Hauff 6, 44.
— Menschenliebe, t. Liche zu den Menschen insgemein.
— Mienscheumenge, k. Menge von Menschen, viel Volks.
— menscheumöglich, den Menschen möglich, verstärktes
möglich, älter: so riel menschmöglich ist Heinse
Ardingh. 1, 156; auch menschlich und möglich, ugl.
menschlich. — Menschenpaar, n. Paar, Mann und
Weib des Menschengeschlechtes: in jedem menschenpaare
schläft, wie in dem ersten, ein ganzes menschengeschlecht
Schiller 1, 309. — Menschenpflicht, k. Pflicht eines
Menschen, besonders gegen die Mitmenschen. — Menschenrecht,
n. Recht das ein Mensch als solcher hat; im