Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

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drängend,  ahd.  mannisko,  mennisko,  altsächs.  mennisko,
fries.  manniska,  menniska,  mhd.  mennische,  menesche,
mensche,  in  letzter  Kürzung  mensch;  daneben  hat  sich
auch  ein  Neutr.  menseh  ergeben,  s.  unten.  Die  Form
mensche  bisweilen  noch  im  17.  Jh.:  gottes  kind  ein
mensche  muste  werden  PGerhard  30;  selten  in  starke
Form  überschwankend:  der  mensch  wird  nur  zum  mensch
gezogen  Klinger  2,  170;  Dim.  menscheben  und  menschlein,
  gern  mit  spottendem  Nebensinne:  diescs  menschchen
  Goethe  Benv.  Cell.  4,  2;  die  menschlcin  mühen
sich  geschäftig  ab  Grillparzer  1,  176.  Volle  Bed.
des  Worts,  bei  der  vielfach  die  menschliche  Hinfälligkeit,
Niedrigkeit,  Schwäche  hervorgehoben  wird:  ein  mensch
ist  in  seinem  leben  wic  gras  Pf.  103,  15;  ich  bin  ein
mensch,  das  ist  prästhaft  Maaler;  es  irrt  der  mensch,
so  lang  er  strebt  Goethe  Faust,  Prolog  im  Himmel:
andrerseits  die  sittliche,  Gefühlsseite,  und  die  Gleichheit
gegenüber  dem  Stande:  wenn  du  ein  mensch  bist  und
ein  menschliches  herz  hast  Schiller  Räub.  4,  5;  der
alte  urstand  der  natur  kebrt  wieder,  wo  mensch  dem
menschen  gegenüber  steht  Tell  2,  2;  der  bauer  ist  auch
ein  mensch.  so  zu  sagen  Wallenst.  Lager  10;  zusammenfassender
  Sing.  bei  der  Zeichnung  der  menschlichen  Art,
im  Gegensatz  zu  den  Einzelwesen:  uns  war  darum  zu
thun,  den  menschen  kennen  zu  lernen,  die  menschen
überhaupt  lieszen  wir  gern  gewähren  Goethe  DuW.
17;  daher  allgemein:  das  der  mensch  nicht  lebet  von
brot  allein  5.  Mos.  8,  3;  der  mensch  ist  frei  geschaffen

menschenähnlich  —  Menschenalter.

Menschenfeind  —  Menschenrecht.  796

Lebenszeit  eines  Menschen,  zu  siebenzig  Jahren  gerechnet:
das  er  (Admet)  zwei  menschenalter  leben  mocht  Frölich
  Stob.  363.  —  Menschenfeind,  m.  der  die  Menschen
insgemein  haßt.  —  Menschenfresser,  m.  der  Menschen
frißt,  Kannibale:  auch  Name  einer  Haifischart,  und  des
brasilianischen  Geiers.  —  Menschenfreund,  m.  Freund
gegen  die  Menschen  insgemein;  dazu  menschenfreundlich:
menschenfreundliche  gesinnung,  teilnahme.  —  Menschenfurcht,
  k.  Furcht  vor  Menschen,  ihrem  Urteil  oder
ihrer  Rache:  wenn  .  menschenfurcht  den  arm  der  obrig--keit
  bindet  Schiller  3,  514.  —  Mienschengeschlecht,  n.
Geschlecht  der  Menschen,  die  gesamten  Menschen:  ein
boshaftes  Pasquill  aufs  menschengeschlecht  Schiller
Räub.  1,2;  Geschlecht  unter  den  Menschen:  das  (Landleute)
  ist  freilich  ein  menschengeschlecht  .  Seume
m.  Sommer  64;  nach  zeitlicher  Aufeinanderfolge:  die
seelen  der  kunftigen  menschengeschlechte  Klopstock
Mess.  8,  379;  seit  drei  menschengeschlechtern  Hv  Kleist
Käthchen  v.  Heilbr.  1,  1.  —  Menschengesicht,  u.  Gesicht
eines  Menschen;  Mensch  selbst  mit  Hervorhebung  seines
Gesichtes:  sie  ist  ..  das  häszlichste  menschengesicht
Wieland  Am.  17,  32.  —  Menschengröße,  k.  Größe  der
Menschen,  besonders  geistige  oder  gesellschaftliche.  —
Menschenhand,  f.  Hand  eines  Menschen:  (die  Tiere)
hatten  menschenhende  Hes.  1,  8;  Mensch  selbst,  sofern
er  durch  die  Hand  etwas  schafft:  der  heiden  götzen.
von  menschenhenden  gemacht  Ps.  135,  15;  doch  2og
nicht  menschenhand  den  strang  (der  Glocke)  Uhland

Schiller  Worte  des  Glaubens;  in  der  Anrede:  denk,  399;  mit  Betonung  der  Pflege,  Hilfe:  dein  vaterland
o  mensch!  an  deinen  tod  Gellert  2,  174;  vereinzelnder  fühlte  zum  erstenmal  eine  menschenhand  Schiller
Plur.:  war  weiser,  denn  alle  wenschen  1.  Kön.  1,  31;  Kab.  2,  3.  —  Menschenhandel,  w.  Handel  mit  Menschen,

den  menschen  ein  wolgefallen  Luc.  2,  14;  alle  menschen
werden  brücker  Schiller  an  die  Freude;  —  Leute:  das
er  meine  schmach  unter  den  menschen  von  mir  neme
Luc.  1,  25;  dasz  alle  menschen  auf  dich  gucken  Grobian.
390;  es  ist  mir  ganz  unmöglich,  unter  menschen  zu
gehn  Schiller  Kab.  5,6;  —  in  Verbindung  mit  Adjectiven
  mit  verblaßterem  Sinne,  so  daß  der  Adjectivbegriff
  überwiegt:  wer  nu  irgend  einen  todten  menschen
anrüret  4.  Mos.  19,  11;  wer  geduldig  ist,  der  ist  ein
kluger  mensch  Spr.  Sal.  19,  11;  es  giebt  garstige  menschen
  Schiller  Räub.  3,  3:;  noch  mehr  verblaßt,  wenn
mensch  =  irgend  Einer  steht:  wie  denn  einem  menschen
  ein  schwur  entfaren  mag  3.  Mos.  5,  4;  Gen.  Sing.
ohne  Artikel:  soweit  hatte  ich  nicht  geglaubt.  dasz
menschen  bosheit  reichen  könne  (die  Bosheit  irgend
Eines)  Cronegk  1,  102;  =  man:  morgen  ist  der  erste
april,  der  mensch  solte  sich  der  jahrzeit  zu  chren
brauchen  lassen  Weise  Erzn.  219;  kein  mensch  —
Niemand  (Pred.  Sal.  9,  15),  ein  jeglicher  mensch  —
Jeder  (3,  13),  welcher.  solcher  mensch  —  welcher,  solcher
(3.  Mos.  17,  1.  Spr.  Sal.  20,  24);  der  mensch  der

Begriffs  auf  einen  erwachsenen  männlichen  Menschen:
da  war  ein  mensch,  der  hatte  eine  verdorrete  hand
Matth.  12,  10;  dieser  ist  ein  fromer  mensch  gewesen
Lnc.  23,  47;  ich  bin  ein  junger  mensch  Schiller
Karl.  2,  5;  in  der  Anrede:  sprach  er  zu  jm,  mensch,
deine  sunde  sind  dir  vergeben  Luc.  5,  29;  haben  Sie
lust,  junger  mensch,  lhr  herz  in  eine  ptütze  zu  werfen?
Schiller  Fiesko  1,  12;  auch  mit  verächtlichem  Nebensinne:
  nimmt  Ihre  abneigung  gegen  dicesen  menschen
nicht  zu?  Gellert  6,  36.  —  Zusammensetzungen:
menschenähnlich,  einem  Menschen  ähnlich:  anblick  dieser
menschenähnlichen  .  geschöpfe  Goethe  Wahlverw.
2,  4.  —  Menschenalter,  selten  —  Zeitalter:  saeculum
oder  menschenalter  Schuppius  780;  gewöhnlich  —
durchschnittliches  Lebensalter  eines  Menschen,  angenommen
  zu  dreißig  oder  drei  und  dreißig  Jahren:  ein
ganzes  menschenalter  lang  Schiller  4,  309;  dasz  die
bewegung  .  vielleicht  in  einem  weiteren  menschenalter
  ihre  ziele  erreicht  Bismarck  Reden  12,  200;  auch

Verkauf  in  Sklaverei.  —  Menschenhaß,  m.  Haß  gegen
die  Menschen  insgesamt.  —  Menschenherz,  m.  Herz  eines
Menschen,  besonders  mit  Betonung  des  Gefühls;  Inhaber
  eines  solchen:  wenn  wir  der  religion  diese  grosze
gewalt  über  jedes  menschenherz  einräumen  Schiller
3,  514.  —  Menschenkenner,  m.  Kenner  der  Menschen,
ihrer  menschlichen  Eigenschaften;  dazu:  Menschenkenntuis,
  f.  —  Menschenkind,  u.  Kind  eines  Menschen;  Mensch
überhaupt,  mit  Betonung  seiner  Abstammung  und  Art,
schon  mhd.  menschenkint:  gott  ist  nicht  ein  mensch,
das  er  liege,  noch  ein  menschenkind,  das  ju  etwas
gereue  4.  Mos.  29,  19;  hört  es,  menschenkinder  Schiller
1,  30;  öfters  mit  derberem  oder  spaßhaftem  Klange:
wer  bist  du  denn,  menschenkind  Hauff  6,  11.  —
Meuschenklasse,  k.  Klasse  von  Menschen  nach  gesellschaftlicher
  oder  natürlicher  Schätzung:  vertraulichkeit  mit
dieser  menschenklasse  und  ihren  gesinnungen  Schiller
4,  267.  —  Menschenkunde,  k.  Kunde  der  Menschen,  der
Menschheit:  natur-  und  menschenkunde  Herder  zur
Phil.  5,  32;  Kunde  des  einzelnen  Menschen,  besonders

"  »  in  Bezug  auf  sein  Inneres,  Mencschenkenntnis:  die
—  derjenige  welcher  (Hiob  5,  17);  —  Einschränkung  des

menschenkunde  der  deutschen  romanschreiber  JIPaul
uns.  Loge  1,  XXXIII;  dazu  menschenkundig:  einen  weltund
  menschenkundigen,  auch  weitgewanderten  mann
CF  Meyer  d.  Heil.  S.  —  Menschenleben,  n.  Zustand,
Art,  Dauer  des  menschlichen  Lebens:  ein  menschenleben
ist  kurz;  greift  nur  hinein  ins  vollc  menschenleben.
Goethe  Faust,  Vorspiel;  ein  Mensch  selbst  mit  Rücksicht
  auf  sein  Leben:  ein  menschenleben  opfern;  mit
menschenleben  spiele  und  scherze  ich  nie  Hauff  6,  44.
—  Menschenliebe,  t.  Liche  zu  den  Menschen  insgemein.
—  Mienscheumenge,  k.  Menge  von  Menschen,  viel  Volks.
—  menscheumöglich,  den  Menschen  möglich,  verstärktes
möglich,  älter:  so  riel  menschmöglich  ist  Heinse
Ardingh.  1,  156;  auch  menschlich  und  möglich,  ugl.
menschlich.  —  Menschenpaar,  n.  Paar,  Mann  und
Weib  des  Menschengeschlechtes:  in  jedem  menschenpaare
schläft,  wie  in  dem  ersten,  ein  ganzes  menschengeschlecht
Schiller  1,  309.  —  Menschenpflicht,  k.  Pflicht  eines
Menschen,  besonders  gegen  die  Mitmenschen.  —  Menschenrecht,
  n.  Recht  das  ein  Mensch  als  solcher  hat;  im