Full text : Sachsen-Chronik Erste Serie. (1)

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Die  Versuche  der  Art  finden  sich  bei  Waitz  zusammengestellt
und  es  ist  zu  verwundern,  daß  Niemand  auf  die  Wethaburg
gerathen  hat.  Es  liegt  diese  Burg  im  Gau  Wedu  an  dem  We—
thauflüßchen,  welches  sich  zwischen  Naumburg  und  Weißenfels  von
der  rechten  (slavischen)  Seite  in  die  Saale  mündet,  und  wird  in
einer  Urknude  von  1046  (bei  Schöttgen  über  die  Burgwarte)
Widolha  genannt  25).  .

Soviel  nun  aber  die  Ortsbezeichnung  Riäde  30)  anlangt,  so
kommt  ein  so  oder  doch  ähnlich  benannter  Ort  einige  Male  vor:
in  einer  Urkunde  vom  17.  Januar  1000,  lant  welcher  Kaiser
Otto  III.  dem  Moritzkloster  in  Magdeburg  eine  Stadt  seiner  Besitzung
  mit  Namen  Ridest),  ferner  in  einer  Urkunde  von  1102,
Inhalts  welcher  Graf  Werner  dem  Kloster  zu  Kaufungen  bei
Cassel  10  Hufen  schenkt  32);  sodann  in  der  Ehestiftung  über  Herzog
  Courad's  Verheirathung,  vom  23.  April  1188,  wo  in  den
als  Heirathsgut  (donatio  propter  nuptias)  aufgeführten,  bei
Rothenburg  und  Dinkelsbühl  gelegenen  Orten  auch  ein  umwallter
Ort  (castrum  Riet)  genannt  ist  33).

Der  ganze  Zusammenhang  scheint  überdies  dafür  zu  sprechen,
daß  Riäde  1)  in  Thüringen  gesucht  werden  muß.  Von  dem  west-29)

  Wenn  neuere  Geschichtsforscher,  z.  B.  Caspar  Zeuß  in  seinem  sehr
verdienstlichen  Buche  über  die  Teutschen  und  die  Nachbarstämme  (München
1837),  Elsaß  nicht  von  der  Ill  (wie  doch  häusig  die  Gaue  von  Flüssen  den
Namen  haben),  sondern  von  ali,  eli  (fremd)  (S.  318)  und  die  Sigambern  nicht
von  der  Sieg,  sondern  von  Sigu  (victoria)  (S.  88)  ableitet,  so  daß  man
annehmen  muß,  es  hätten  umgekehrt  die  Ill  und  die  Sieg  ihre  Namen  von
den  Elsaßern  und  den  Sigambern  empfangen,  so  wäre  auch  denkbar,  daß
die  Wethau  von  der  Wethaburg  ihren  Namen  erhalten  habe,  wiewohl  allerdings
  der  umgekehrte  Fall  der  wahrscheinlichste  ist.

30)  Riede  im  Dresdner  Codex.

31)  Csilatem  proprielalis  snae,  nomine  Ride,  intra  Thuringiam  silam  in
comiatu  Wilhelmi  comiuis  (Wilhelms  d.  J.  von  Weimar,  Grafens  im  Nebilgau)
  cum  omni  ejusdem  civitalis  murgwardio,  excepta  villa  et  marcha  dquadam
nomine  Vocstede  eic.  (Boysens  allg.  histor.  Magazin,  Halle  1767,  Stück  1.
S.  236  und  Lünigs  Reichsarchiv  swicileg.  eccles.  1.  Forts.  Anh.  S.  28).

32)  Scilicet  BRille  mansos  III.,  item  Rilte  mansum  l.  eic.  (Ledderhose  kl.
Schriften  III,  188.)

23)  Pertzii  monumenta  bistor.  IV.  565.

24)  Das  Wort  Ried  oder  Rieth  bedeutet  übrigens  Auenwiesen:  so  das
Ried  bei  Wahlwiesen  am  Ueberlinger  See,  das  Kloster  Schussenried  in
Schwaben,  das  Ried  bei  Mitttelhausen  unweit  Erfurt,  auf  welchem  das
Thüringsche  Landgericht  gehalten  wurde  („der  Dingestuhl  war  gesetzt  in  das
Riet  zu  Mittelhausen“,  in  der  legenda  Bonilacii  und  zwar  in  deren  teutschen
Anhange  S.  856  von  Menkens  Scriptor.  rer.  Germanicar.)  vornehmlich  aber
das  große  Ried  in  der  thüringschen  güldnen  Aue,  welches  umliegenden
Orten  häufig  den  Namen  gegeben  hat:  als  Katharinenrieth,  Mönchsrieth,
Niclasrieth,  Riethnordhausen,  Niethaburg  u.  s.  w.,  und  welches  in  solchem
Vorzuge  das  Ried  genannt  wird,  daß  es  dem  Verfasser  des  Chronici  Goitvicensis
  in  dem  Verzeichnisse  der  Gaue  (Tom.  prodrom.  pars  II.  pag.  748)
nicht  zweifellos  erscheint,  ob  unter  dem  öfters  vorkommenden  Rittegau  jedes-