Full text : Sachsen-Chronik Erste Serie. (1)

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Chronik  von  Korvei,  des  Alold'schen  Jahrbuchs  und  der  Ortssage
können  nach  den  Erörterungen  Waitzens  als  völlig  beseitigt  an—
esehen  werden.  Doch  sollen  auch  später  noch  einige  Bemerkungen
über  die  vielbesprochene  Korveische  Chronik  folgen.

Ueber  den  ersten  der  Gewährsmänner,  den  Bischof  Liudprand
von  Cremona,  bedarf  es  aber  zuvor  einiger  Worte.

Des  Bischofs  äußere  Lebensverhältnisse  und  seinen  Werth
als  Geschichtsschreiber  hat  Martini  in  den  Denkschriften  der  Münchner
  Akademie  von  1809  und  1810  einer  ausführlichen  Untersuchung
  unterworfen;  dieser  ist,  was  anf  die  vorliegende  Sache  wichtigen
  Bezug  hat,  nur  noch  hinzuzufügen,  daß  Lindprand  auch  mit  der
tentschen  Sprache  nicht  unbekannt  gewesen  ist  (VI.  7.)2),  und  König
  Heinrichs  Wittwe,  die  Königin  Mathilde,  persönlich  gekannt
hat  (IV.  7.)3).  Es  stellt  sich  also  eine  vorzügliche  Wichtigkeit
und  Brauchbarkeit  dieses  Schriftstellers  heraus.

Dagegen  hat  Luden  in  seiner  Geschichte  des  teutschen  Volkes
(VII.  484.)  den  Bischof  Lindprand  alle  Wahrhaftigkeit  abgesprochen
und  ihn  einen  Mährchenschmied  voller  üppigen  Einbildungskraft
gescholten.  Die  Haltbarkeit  dieses  harten  Urtheils  dahin  gestellt;
so  möchte  dasselbe  seine  eigentliche  Anwendung  doch  immer  nur
bei  den  schlüpfrigen  ")  und  oft  schmutzigen  5),  vielleicht  auch  verläumderischen
  Erzählungen  finden,  die  Lindprand  bei  Darstellung
der  damaligen  italienischen  Verhältnisse  giebt,  über  welche  aber
auch  Muratori  in  seiner  Einleitung  zum  Lindprand  nachzulesen
isté).  Allein  in  den  teutschen  Angelegenheiten,  wo  weder  von
dem  ausschweifenden  Leben  Johanns  XlII.,  noch  von  den  Gelüsten
der  Theodoren,  der  Marozia,  der  Bertha,  der  Irmengard  oder
der  Willa  die  Rede  ist,  wo  keine  Veranlassung  vorliegt,  über  die
Nichtswürdigkeit  Hugo's  zu  spotten  oder  über  Berengars  Gewalt—
thätigkeit  zu  klagen,  wo  die  Gelegenheit  mangelt,  von  Unzucht,
Nothzucht  und  Entmannungen  zu  erzählen:  hier  tritt  wirklich  keine
jener  Ursachen  ein,  die  den  Bischof  zu  Uebertreibungen,  Bemäntelungen
  oder  gar  zu  Erdichtungen  verleitet  haben  könnten.  Sein
entrüsteter  Beurtheiler,  Luden,  sagt  zwar  auch  in  Bezug  auf  die
Heinrichschlacht  und  auf  das,  was  Liudprand  über  den  Schauplatz

2)  Monum.  Germ.  bistor.  V.  343.

3)  Monumenta  Germ.  bist.  V.  319:  „ubi  et  vencrabilis  ejas  conjux  regnidue
  consors  ex  eadem  gente,  nomine  Mathildis,  ulira  omnes,  quas  vickerim
et  aud  erim,  matronas  etc.“

4)  Monum.  pag.  317.  (IV.  4.)
5)  IV.  5.  Monum.  pag.  318.

6)  Si  qnod  saeculum  vitiis  et  barbaris  moribus  in  ltalia  squalluit,  certe
decimuom  reliquis  in  ejusmodi  inkelicitate  palmam  praeripuit;  und  in  seinen
Antiq.  Ital.  dissert.  LX.  lom.  V.  pag  82:  sgeculo  praesertim  decimo,  bone
deus,  duct  inaudila  monstra  non  solum  bene  mullas  Episcoporum  et  Abbatum
sedes,  sed  el  ipsam  Apostolicam  tenuere  et  usurpavere  eic.