26 Unser Katser.
Auch gegen den Kaiser sollten damals, wie die Zeitungen
anscheinend aus englischer Quelle berichteten, Attentate in
Ferusalem geplant sein. Daher hatte der Pascha, der
für die Sicherheit des hohen Gastes verantwortlich war,
die schärfsten Absperrungsmaßregeln angeordnet, die an die
Rcisen der russischen Zaren erinnerten. Niemand sollte auf den
Straßen, die von doppelten Reihen von Soldaten mit scharf
geladenen Gewehren besetzt waren, sichtbar sein, jedes Fenster
und jede Haustür sollte geschlossen bleiben. Glücklicherweise
erfuhr der Kaiser rechtzeitig von der Sache. Er ließ den
Pascha schon von Jafa aus wissen, daß er nichts dergleichen
wünsche. Er traue der arabischen Bevölkerung Jerusalems
nichts Böses zu, und im übrigen setze er sein Vertrauen auf
Allah, der ihn wohl zu beschützen wisse. Das gefiel den
Jerusalemern und gewann ihm von vorne herein aller
Herzen. Umsomehr war er jetzt überall, wo er erschien,
von zahllosen Zuschauern umgeben. Man sah es den Leuten
an, es war nicht nur das Staunen über das ungewohnte
Bild, sondern es ging ein Zug ehrlicher Begeisterung durch
die Menge, die ihm zujubelte, als ob sie ihren eigenen Landesherrn
begrüßten. Die hell blitzenden Augen des Kaisers,
die majestätische Hoheit in seinem ernsten Herrscherantlitz,
die Nuhe und Stcherheit, mit der er durch die Menschenmassen
ging oder ritt, erfüllten alle mit Bewunderung.
Anders war es, wenn die Ausflüge in die weitere Umgebung
Jerusalems führten. Deutlich sehe ich ihn noch vor mir
den stattlichen Reiterzug, der sich damals so oft über die Berge
um Jerusalem her bewegte. Voraus ritt der Kaiser auf
seinem Sicchimmel, dem „Kurfürst“, den Tropenhelm mit