Full text : Unser Kaiser.

30  Unser  Katser.

daß  ich  nach  alledem  den  Sultan  freundschaftlich  besucht  habe.
Aber  ich  habe  dafür  gute  Gründe.  Meinen  Sie  denn,  das  solche
Greuel  mich  kalt  lassen,  daß  ich  kein  Herz  habe  für  diese
unglücklichen  Christen?  Es  kommt  nur  darauf  an,  daß
man  den  rechten  Weg  einschlägt,  um  ihnen  zu  helfen.  Die
Türken  und  ihr  Sultan  sind  wütend  gemacht,  weil  die
europäischen  Mächte  solche  Greuel,  die  sie  zum  Teil  selbst
angestiftet  haben,  immer  nur  zum  Vorwand  nehmen,  um
sich  jedesmal  ein  neues  Stück  von  der  Türkei  wegzureißen,
wozu  sie  weder  vor  Gott  noch  Menschen  ein  Recht  haben.
Das  hat  sie  auf  den  unseligen  Gedanken  gebracht,  sich  der
Christen  allmählich  ganz  zu  entledigen,  damit  diese  Mächte
keinen  Grund  mehr  haben,  einzuschreiten  und  ihren  Länderraub
  mit  der  angeblichen  Fürsorge  für  die  Christen  zu  bemänteln.
  Sehen  Sie  England  an!  Da  wurden  neulich  in
London  wieder  Massenversammlungen  gegen  die  Türbken  veranstaltet.
  Der  englische  Premier  hat  den  Sultan  in  öffentlicher
  Parlamentssitzung  als  Massenmörder  beschimpft  und
tödlich  beleidigt.  Man  hat  mit  dem  Säbel  gerasselt.  Glauben
Sie,  daß  das  alles  auch  nur  einem  einzigen  Armenier  das
Leben  gerettet  hat?  Hat  England  wirklich  etwas  für  diese
Unglücklichen  getan?  Nein,  man  hat  die  Türken  nur  noch
mehr  gereizt.  Der  Sultan  ist  ein  sehr  kluger  Mann.  Er
hat  das  falsche  Spiel,  hinter  dem  ganz  andere  Absichten
lauern,  durchschaut  und  fühlte  sich  in  seiner  Feindschaft  gegen
die  Christen  nur  noch  bestärkt.  Darum  habe  ich  einen  anderen
Weg  eingeschlagen,  und  ich  glaube  wohl  einen  blügeren,  jedenfalls
  einen  christlicheren.  Ich  vergelte  nicht  Böses  mit  Bösem,
sondern  komme  dem  Mann,  der  unter  alledem  nur  immer