Full text : Unser Kaiser.

40  Unser  Kaiser.

Ein  klarblauer  Himmel  wölbte  sich  vom  frühen  Morgen
an  über  der  Stadt  mit  dem  ewigen  Dom.  Die  Sonne  ver—
goldete  mit  ihren  Strahlen  die  Türme,  die  sich  im  grünen
Rhein  spiegelten,  die  beiden  himmelragenden  Domtürme,  den
riesigen,  breiten  Turm  von  Groß  Sankt  Martin,  drüben
die  beiden  mächtigen  Türme  von  Deutz,  rheinabwärts  den
spitzen  Turm  von  Sankt  Cunibert,  und  mitten  in  der  Stadt
den  alten  Rathausturm.  Die  Stadt  mit  ihrem  Häusermeer
und  den  vielen  anderen  Kirchtürmen  lag  so  schön  und  heiter
da,  wie  es  eben  nur  an  einem  sonnigen  Maientage  sein  kann.
Durch  die  festlichen  Straßen  drängte  sich  eine  ungeheure
Menschenmenge  aus  Cöln  und  der  ganzen  Umgegend.
Hunderttausende  waren  auf  den  Beinen  und  bewunderten
den  Festschmuck,  der  in  verschwenderischer  Fülle  von  allen
Seiten  auf  sie  heruntersah.  Man  hatte  bequem  Zeit  dazu,
denn  erst  auf  den  Nachmittag  war  der  Kaiserbesuch  angesagt.

Gegen  fünf  Uhr  nahte  endlich,  von  Vlissingen  herkommend,
der  kaiserliche  Hofzug.  Das  erste  Zeichen  gaben  die  Kanonen
der  (inzwischen  von  den  Engländern  und  Franzosen  zerstörten)
  Festung,  die  donnernd  den  Kaisersalut  schossen,  daß
die  Erde  zitterte.  Gleichzeitig  erklangen  in  melodischen
Akkorden  sämtliche  Glocken  der  Stadt.  Am  Bahnhof  wartete
eine  vieltausendköpfige  Menge  auf  den  Kaiser.

Jetzt  erschien  er.  Leicht  und  elastisch  der  Schritt,  wettergebräunt
  das  Gesicht,  so  schritt  er,  dessen  Haar  leicht  ergraut
  war,  unter  den  brausenden  Zurufen  der  Menge  die
Treppe  vom  Fürstenzimmer  des  Hauptbahnhofs  herab.

Oberbürgermeister  Wallraf  begrüßte  ihn  im  Namen  der
Stadt.  Mit  knappen  und  beredten  Worten  faßte  er  alles