468 FKulserien. (Mai Ende—Juni 16.)
Hinbick auf die Aussichtslofigkeit eines allgemeinen Aufstandes, die
Ermordung einer Anzahl hervorragender einzelner Personen bezweckt.
4 ehemalige Offiziere und andere Personen werden verhaftet.
Ende Mai. (Kandidatur des Prinzen Alexander.) Justizminister
Stoilow richtet aus Wien an den Prinzen Alexander von
Battenberg nachstehendes Telegramm.
Sr. Hoheit Alexander Battenberg in Kissingen. Die bulgarische Regentschaft
hat auf ihrer Rundreise durch Bulgarien und Ost-Rumelien die
Ueberzeugung gewonnen, daß die Zivil-Bevölkerung und das Heer treu an
der Absicht festhalten, Eure Hoheit zur Regierung zu berufen. Infolge
Auftrages der Regentschaft stelle ich die Anfrage, wie sich Eure Hoheit zur
Kandidatur auf den bulgarischen Thron verhalten würden.
Prinz Alexander antwortet:
Dr. Stoilow, Wien. Obgleich sehr erfreut und geehrt durch die
Treue, welche die bulgarische Nation dem Andenken meiner Regierung bewahrt
hat, muß ich doch erklären, daß ich eine offizielle Kandidatur nicht
acceptieren würde, und bitte ich die Regentschaft und die Regierung, mich
von allen Kombinationen auszuschließen. Alexander Battenberg.
Anfang Juni. (Erregung.) In der Provinz macht sich
eine ungeduldige Bewegung unter der Bevölkerung geltend wegen
der wiederholten Verzögerung der Einberufung der großen Sobranje.
Regent Mutkurow reist nach Philippopel, Regent Ziwkow nach Warna
zur Beruhigung der Gemüter. Zwischen den Ministern Natschewitsch
und Radoslawow ist eine ernste Spannung eingetreten, welche weiter
auf die Regierungspartei ungünstig wirkt und Spaltungen in derselben
zur Folge hat.
5. Juni. (Gemeinderatswahlen.) Dieselben verlaufen
in vollkommener Ruhe und Ordnung und ergeben im ganzen Lande
etwa 80% Gewählte der Regierungspartei.
13. Juni. (Russi sche Mitschuld an dem Staatsstreiche
gegen Alexander.) Die Pariser „Liberté“ veröffentlicht ein
Schreiben des Obersten Lakarow, Militärattachés der ruffischen
Agentschaft in Sofia während des Staatsstreiches vom 21. August,
an Major Gruew den Urheber desselben, welches diesem verschiedene
Ratschläge hinsichtlich der Beschlagnahme von Telegrammen und der
an die Konsuln zu machenden Mitteilungen gibt.
16. Juni. Einberufung der großen Sobranje auf den
3. Juli.
Der außerordentliche Bevollmächtigte der Pforte Riza Bey hatte
einige Tage vorher, als die bevorstehende Einberufung bekannt wurde, die
Vertagung derselben um einige Wochen gefordert, weil die Großmächte über
den vorzuschlagenden Kandidaten noch nicht einig seien; auch die VBertreter
der Großmächte bei der Pforte teilen dieselben Bedenken dem türkischen Ka-