Beutsches Reich. (Januar 27.) 73
so tragen sie allein die schwere Verantwortung für die Tränen und Opfer
der Fortsetzung dieses Krieges. Sie zeigen damit aber auch, daß es in
diesem ungeheuren Kampf der Völker, dessen Ausgang für das Schicksal
des Deutschen Reiches und Volkes entscheidend sein wird, kein Ausweichen
gibt, daß er ausgekämpft werden muß und daß ohne unseren vollen Sieg,
wie er nach Ew. M. Verheißung und MWillen jetzt unter Einsetzung aller
Kräfte erzwungen werden soll, an einen Frieden, der die Lebensnotwendigkeiten
Deutschlands und seiner Verbündeten gewährleistet, nicht zu denken
ist. Mit der Einsetzung aller Machtmittel wird aber auch, des sind wir
gewiß, der volle Sieg und damit ein Frieden erlämpft werden, der unseres
Reiches und Volkes Zukunft festigt und gegen alle Angriffe sicherstellt. Auf
dem Wege zu diesem von Ew. M. gewiesenen Endziel geloben Ew. M. mit
dem ganzen deutschen Volke auch wir, welche Zwischenfälle auch eintreten
mögen, unverbrüchliche Gefolgschaft. Durch Sicg zum Frieden!
27. Jan. Kaiser Wilhelm begeht im Großen Hauptquartier
seinen 5 8. Geburtstag.
Aus diesem Anlaß ergehen verschiedene Gnadenerlasse, die sich auf
die Niederschlagung von Strafverfahren und die Begnadigung von Kriegsteilnehmern
sowie auf die Löschung von Strafeinträgen beziehen. Ein besonderer
Gnadenerlaß bezieht sich auf Elsaß-Lothringen. Auch in Bayern.
ergeht ein umfangreicher Gnadenerlaß für Militärpersonen.
Dem Kaiser gehen an diesem Tage zahlreiche Glückwunsch= und
Huldigungstelegramme zu. Der Präsident des Reichstags sendet
folgendes Glückwunschtelegramm: Ew. Kaiserl. und Kgl. M. bitte ich namens
des Reichstags zu Ew. M. Geburtstag die ehrfurchtsvollsten und aufrichtigsten
Glückwünsche entgegennehmen zu wollen. Mit Ew. M. weiß das ganze
Deutschland sich eins in dem Bewußtsein von der Schwere des Entscheidungskampfes,
dem wir entgegengehen. Treu geschart um Ew. Kaiserl. und
Kgl. M. und unbeirrt durch Hindernisse, von welcher Seite sie auch kommen
mögen, ist Deutschland mit eisernem Willen entschlossen, den Kampf heldenmütig
zu bestehen zur Wahrung der Freiheit und Ehre unseres Vaterlandes,
zur Erringung einer glücklichen Zukunft unseres Volkes. Möge über Ew. M.
nächstem Geburtstag die Sonne des Friedens leuchten, für den Ew. M. so
hochherzig und freimütig in die Schranke getreten sind. gez.: Dr. Kaempf,
Präsident des Reichstags.
(Glückwunschtelegr. des poln. Provis. Staatsrates s. Polen. Telegrammwechsel
zwischen dem österr.-ung. und dem preuß. Kriegsminister s. Oesterr.-Ung.)
27. Jan. Kaiser Wilhelm richtet an den Staatssekretär des
Reichskolonialamtes Dr. Solf folgenden Erlaß:
Seit 30 Monaten steht die Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika
abgeschnitten von jeder regelrechten Verbindung mit der Heimat in ununterbrochenem
Kampf gegen einen an Zahl und Kampfmitteln weit überlegenen
Gegner. In tropischem Klima kämpfend und nur mit den einfachsten
Mitteln versehen, hat die Schutztruppe unter ihrem tapferen Kommandeur
Taten vollbracht, die den Leistungen der Streitkräfte in der Heimat würdig
zur Seite stehen. Unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen hat sie in
zahlreichen Schlachten und Gefechten die gegen das Schutzgebiet aufgestellten
englischen, belgischen und portugiesischen Streitkräfte geschlagen und den Krieg
lange Zeit in feindliches Gebiet getragen. Im weiteren Verlauf der Kämpfe
hat sie jeden Fuß breit deutschen Bodens erst nach zähester Gegenwehr überwältigender
Uebermacht überlassen, und heute noch schirmt sie die deutsche
Flagge in Ostafrika. Welches Schicksal Gott der Herr auch der kleinen