Das Dentsqhhe Reit und seine einjelnen Glieder. (Februar 28.) 63
Wahlbeeinflussung. Mit den Konservativen würde die Linke schwerlich zusammenarbeiten
können. Der Vergleich der englischen und deutschen Zölle
durch Posadowsky sei irrig.
4. März. Abg. Graf Mielzynski (Pole) greift die preußische
Polenpolitik an, die die Reichsverfassung verletzte. Staatssekretär Graf
Posadowsky erwidert auf mehrere Angriffe gegen die Diskontpolitik der
Reichsbank. Abg. Frhr. v. Hertling (3.) kritisiert die Reichstagsauflösung,
die ein Unrecht gegen das Zentrum sei. Der Wahlaufruf Bülows
habe wie ein Kampfruf gegen den Katholizismus gewirkt. Abg. Dr. David
(Soz.): Die ganze Politik Bülows komme nur dem Großgrundbesitz zugute.
Die konservative Partei bedrohe das allgemeine Wahlrecht. — 5. März.
Abg. v. Kröcher (kons.): Er halte das allgemeine Wahlrecht für verderblich,
spreche sich aber jetzt nicht für seine Abschaffung aus, weil sie unerreichbar
sei. — Hierauf wird der Etat an die Budgetkommission verwiesen.
28. Februar. (Berlin.) Uber die Braunschweiger Angelegenheit
wird in einer Plenarsitzung des Bundesrats, in welcher
der Reichskanzler den Vorsitz führt, auf Antrag des Referenten,
des sächsischen Bundesratsbevollmächtigten Grafen Vitzthum v. Eckstadt,
folgender Beschluß gefaßt:
Der Bundesrat beschließt: 1. die Ueberzeugung der verbündeten
Regierungen dahin auszusprechen, daß, solange Seine Königliche Hoheit
der Herzog von Cumberland oder ein Mitglied seines Hauses sich in
einem dem reichsverfassungsmäßig gewährleisteten Frieden unter Bundesgliedern
widerstreitenden Verhältnisse zu dem Bundesstaate Preußen befindet
und Ansprüche auf Gebietsteile dieses Bundesstaats erhebt, auch die
Regierung eines anderen Mitgliedes des Herzoglichen Hauses Braunschweig-Lüneburg
in Braunschweig mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge
und der Reichsverfassung nicht vereinbar sei, selbst wenn dieses
Mitglied gleichzeitig mit dem Verzicht der übrigen Mitglieder des Hauses
auf Braunschweig seinerseits für sich und seine Deszendenz allen Ansprüchen
auf das frühere Königreich Hannover entsagt, daß demnach durch die dem
Bundesrat vorgelegten Erklärungen Seiner Königlichen Hoheit des Herzogs
von Cumberland in den Schreiben an Seine Majestät den Deutschen Kaiser,
König von Preußen vom 2. Oktober 1906 und an das Herzoglich braunschweig-lüneburgische
Staatsministerium vom 15. Dezember 1906 eine entscheidende
Aenderung in der dem Beschlusse des Bundesrats vom 2. Juli 1885
— § 422 der Protokolle — zu Grunde liegenden Sach- und Rechtslage
nicht eingetreten sei; 2. die braunschweigische Landesregierung hiervon in
Erledigung ihres Antrages (Nr. 8 der Bundesratsdrucksachen) zu verständigen.
— Mit Ausnahme von Braunschweig, welches sich der Stimmabgabe
enthält, wird der Beschluß einstimmig gefaßt.
28. Februar. (Preußisches Abgeordnetenhaus.) Beim
Etat des Handelsministeriums greift Abg. v. Zedlitz (frk.) das Zentrum
scharf an, weil es die Sozialpolitik allein nach politischen
Rücksichten, zur Bekämpfung der rheinisch-westfälischen Arbeitgeber,
behandle. Abg. Trimborn (3.) verteidigt das Zentrum.
28. Februar. (Berlin.) Eine Versammlung von Vertretern
der bergbaulichen Vereine Preußens protestiert gegen die Beschränkung
der Bergbaufreiheit in der Berggesetznovelle.