Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

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statt  annchmen  Steinbach;  wär  ich  an  deiner  statt,
ich  hütte  bis  jetzt  nicht  gezaudert  Goethe  Herm.  u.
Dor.  2;  ein  solch  papier,  an  gold  und  perlen  statt
Faust  II  1;  neuer  auch  in  Zusammenrückungen,  vgl.
kindesstatt;  euch  soll,  an  zahlungsstatt,  die  haut  zu
dienste  stehen  Hagedorn  Fab.  1,  34;  an  eidcesstatt.
versichern,  u.  ä.  3)  statt  (an  die  Bed.  2  angelehnt),
als  Präposition  und  Conjunetion,  Kürzung  der  Verbindung
  an  statt  (vgl.  auch  anstatt),  erst  seit  18.  Ih.
verbreitet;  Präp.  mit  dem  Gen.:  einen  statt  eines  vaters
ehren,  statt  eines  gesetzes  in  acht  nehmen,  statt  einer
wohlthst  annehmen  Steinbach;  babe  er  cinmal  den
prüsidenten  ..  zuf  die  galeeren  geschickt  und  den
muller  statt  seiner  zum  präsidenten  gemacht  Gandy
Erz.  64;  dafür  mit  dem  Dat.:  statt  einem  solehen
steine  B  ing  ant.  Br.  23;  statt  heiszem  wunschen,
wildem  wollen,  statt  listgem  fordern,  strengem  sollen
Goethe  Eins  u.  Alles;  statt  dolchen  des  gewissens
Schiller  Karl.  1,  5;  ohne  Flexion:  wenn  ich  .  dem
könig  nein  statt  ja  sagte  Bismarck  Red.  4,  151;  —
als  Conjunction  in  Verbindung  mit  dasz  oder  Inf.:
äuszert  eine  zurückstoszende  kraft,  statt  dasz  er  die
aufmerksamkeit  der  leser  fesseln  sollte  Schiller  Räub.,
2.  Vorrede;  statt  nun  stil!l  .  im  hintergrunde  zu  bleiben
C  F  Meyer  Fenatsch  174.  4)  in  den  pluralen  Verbindungen
  von,  zu  statten  gehört  das  Subst.  nicht  zu
statt,  sondern  zu  ahd.  stata.,  mhd.  state.  stat,  bequemer
Ort,  gute  Gelegenheit,  Umstände,  Lage  (vgl.  dazu  stattlich);
  mhd.  mit  verschiedenen  Verben:  ze  staten  gestän
(Iwein  5707),  ligen  (6736),  komen  (Lamprecht  Franz.
623),  uhd.  nur  noch  zu  statten  kommen,  -zu  Hilfe
und  Nutzen  gereichen:  wie  deine  macht  mir  reiellich
kommen  sei  zu  statten  Opitz  Plalmen  116;  (die  Fran)
kam  ihm  in  der  haushaltung  zu  statten  Möser  Phant.
2,  87;  kam  dem  könig  die  unterstutzung  des  römischen
stuhles  zu  statten  Ranke  Werke  1,  245;  von  statten
geben,  in  günstiger  Lage,  unter  guten  Umständen  sich
vollziehen;  succedere,  recie  procedere  Stieler;  die
weitere  fahrt  rheinabwürts  ging  froh  und  glucklich
von  statten  Goethe  Du  W.  11;  dessen  erlernung
nicht  recht  von  statten  gehen  will  Keller  Nachl.  12.
—  Zusammensetzungen:  Statthalter,  m.  (nach  statt  2)
Stellvertreter  eines  Regenten  oder  einer  obrigkeitlichen
Person,  mhd.  stathalter,  als  Ubersetzung  des  mittellat.
#oiservator  oder  (ocumtenens  (vgl.  auch  leutenant):
ricarius  stedchalder,  stathalter  Dies.;  lies  hinder  jm
den  fürsten  Andronicum  zum  stadhalter  2.  Macc.  4,  31;
als  politisches  Amt:  in  den  Niederlanden.astatthalter
Schiller  7,  88;  st.  in  Elsasz-Lothringen;  landschastlich
  als  richterliche  Würde,  oder  Verwalter  auf  adlichen
Gütern  Adelung;  Fem.  der  statthalterin  Margarcthe.
Schiller  7,  89.—  Statthalterei,  f.  Gebiet  und  Wohnung
eines  Statthalters.  —  Statthalterschaft,  (.  Würde,  Amt,
Gebiet  eines  Statthalters:  noch  werden  alle  statthalterschuften
  mit  Niederländern  besetzt  Goethe  Egm.  1.

Stätte,  f.  Nebensorm  zu  statt  (s.  d.),  aus  der  inhd.
Genitiv=  und  Dativsorm  dieses  Wortes,  so,  daß  sich
nach  Fügungen  wie  ab,  an,  in,  von,  2e  der  stete,  schon
im  späteren  Mhd.  die  gleiche  Nominativ=  und  Accusativsorm
  entwickelte  (stote,  stctte  —  Platz,  Schießstätte
Lexer);  ebenso  hat  sich  mnd.  stede  neben  stat,  altsächs.
stad  ergeben;  ein  neuer  Plur.  zusrühest  dort  als  steden,
später  erst  als  stätten  auch  bochdeutsch  (noch  nicht  bei
Luther);z  eine  Stelle,  Platz  im  weitesten  örtlichen  Sinne
meinend:  stete,  (ocus  Schottel;  er  zoch  .  .  an  die
stet,  da  am  ersten  seine  hutten  war  1.  Mos.  13,  3;  es
ist  eine  heilige  stet  Hes.  42,  13;  eiho  da,  die  stete,  da
sic  ju  hinlegten  Marc.  16,6;  wir  haben  keinc  gewisse
  stete  1.  Cor.  4,  11;  liederwürmie  (Gocthe  Eleg.
1,  10),  freie  (Iphig.  2,  1),  sichere  (Häusser  d.  Gesch.
3,  38),  gastliche  (Benedix  zärtl.  Verw.  1,  4),  grausige
(Schiller  Räub.  4,  5)  stätte  u.  s.  w.;  leergebranot

Statthalter  —  Stätte.

statten  —  Staub.  760
ist  die  stätte  Glocke  214;  die  stätte,  die  ein  guter
mensch  betrat,  ist  eingeweiht  Goethe  Tasso  1,  1;  im
besonderen  von  einer  Stadt:  ich  wil  .  ungluck  uber
diesc  stet  (Jerusalem)  gehen  lassen  Jer.  19,  3;  von
Grundeigentum:  schuldner  sowohl,  als  ihre  stätten,
wurden  sich  immer  noch  besser  bei  6  prozent  zinsen.
stehen  Möser  Phant.  2,  106;  Stelle  am  Körper:  nam
seiner  rieben  einc,  und  schlos  die  stet  zu  mit  fleisch
1.  Mos.  2,  21;  —  seltener  in  der  verblaßteren  Bed.  von
statt  (s.  d.  1),  als  stätte  geben:  streit,  der  niecht
raum  noch  stälte  der  versöhnung  gab  Schiller  Br.
v.  Mess.  1374;  auch  für  statt  2:  jungling  an  dessen
stätte  er  klüger,  wie  ihn  däucht,  sich  aufgefuhret
hätte  Wieland  Idr.  1,  48.  —  statten,  Verb.,  nur  in
Zusammensetzungen,  ab-,  aus-,  be-,  ge-,  verstatten
(s.  d.).  —  statthaft,  Statt,  Ort,  Erlaubnis  habend,  mhd.
statchaft  in  der  andern  perfönlichen  Bed.  des  Statt
habenden,  besitzenden,  begüterten;  auch  später  noch  statthaft,
  der  in  eine  stelle  im  rath  und  regiment  einer
stadt  kommen  kan  Frisch;  sonst  von  Dingen:  statthafter
  beweis,  statthaftes  verfahren,  dieso  entschuldigung
ist  nicht  etatthaft  (kann  nicht  angenommen  werden)
Adelung:;  so  statthaft  cs  nun  ist,  dasz  die  edle  frau
dem  verewigten  nach  der  zeit  noch  cinen  erweiterten
weltgenusz  wünscht  Keller  Nachl.  47.  —  stattlich,
gehörig,  den  Umständen  angemessen,  tüchtig,  vortrefflich,
  zu  ahd.  stata,  mhd.  state  (vgl.  unter  statt  4),  schon
ahd.  als  Adv.  statelicho  rectis  modis  gebildet,  mhd.
als  statclich,  stetelich  hänfig,  erst  später  auch  als  Adj.;
in  der  älteren  Spr.  —  der  Ordnung  gemäß,  gehörig:
auch  wart  in  statlich  bovolhen,  dax  sie  den  gensen
und  hunern  nit  solten  nachlaufen  D.  Städtechr.  2,  214;
so  statlich  nachthun  Garg.  88;  (sie)  schicket  sich  etattlich
  in  den  handel  Simpl.  3,  5;  auf  inneren  Wert  bezogen,
  gehörig,  tüchtig:  statlicher  wein,  vinum  generosum,
  nobliee,  statlicher  name,  nomen  LVonestaen,
nuleserrimum  Stieler:;  stattlicher  prediger,  medicus,
musicus,  ststtliche  rede,  antwort  u.  s.  w.  Adelung;
ein  groszer,  stattlicher,  gepriescher  mann  Schiller
Ränb.  4,1;  ironisch,  —  gehörig,  derb:  bin  stattlich
durchgegangen  Schoch  Stud.  Leb.  6,  26;  der  hatto
die  ketzer  stattlich  ausschündiret  Gellert  Fab.  2,  42;
von  der  Fülle:  wann  er  stattlich  leben  wolte  Simpl.
2,  291;  stattliche  mahlzeit,  stattliches  geschenk  Frisch,
stattliches  amt,  ansehnliches,  einträgliches  Adelung;
endlich,  wie  jetzt  allein,  von  der  Erscheinung,  dem
Außern  nach  hervorragend,  ansehnlich:  statliches  guht,
haus,  begrübnus:  Stieler;  stattliches  wobnhaus  Moltke
6,  27;  tanzsaal  .  aufs  stattlichste  dekorirt  655;  mit
dem  stattlichen  gewehr  (der  Armbrust).  Schiller  Tell
3,  1;  die  dame  ist  eine  stattliche  erscheinung,  fgur;
mann  .  der  einen  stattlichen  schmeerbauch  hatte
Hebel  2,  102;  ward  stattlieh  Hans  Bendix  zum  abte
geschmuckt  Bürger  Kaiser  u.  Abt;  stattlich  angethan
Hauff  6,  66,  gekleidet  und  gewatlnet  Keller  Werke
6,  337;  geht  .  langsam  vorbel  und  stattlich  Shakesp.
Hamlet  1,  2;  stattlich  tritt  ex  ..  zu  dem  stuhl  der
furetin  hin  Arndt  220;  ein  herr,  der  im  verkehr
stattlich  den  könig  kundzugeben  wuszte  Freytag
Bild.  1,  436;  —  die  Bed.  des  bloß  gut  scheinenden:
unter  allerlei  stattlichen  vorwänden  (scheinbaren)  Adelung
  ist  jetzt  wieder  verschwunden.  Dazn  Stattlichkeit,
  f.  stattliches  Wesen:  statlichkeit,  magnisicentiu,
Siendor,  ornatus  Frisch;  des  kamceles  baupt  entragt
  dem  knäul  mit  ernster  stattlichkeit  Freiligrath
1,  162;  germanische  stattlichkcit  Freytag  Bild.  1,  49.

Staub,  m.  in  kleinste  Teile  zersallene  Masse:  nur
hochdeutsches  Wort,  ahd.  mhd.  stoup.  wofür  sonst  mit
anderer  Ablautstufe  goth.  stubjus,  ahd.  stuppi,  mhd.
stuppe,  mud.  stol,  zum  Verbum  stieben  (s.  d.)  gehörig.
Als  Stosswort  ohne  Plur.:  vereinzelnd  ist  das  Dim.
stäubehen,  vgl.  unten.  Bed.  1)  staub  in  eigentlichem