Full text: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Erster Teil. Bis zum zweiten Pariser Frieden. (24)

Schlacht bei Bautzen. 461 
jenen Tagen wesentlich durch die dilettantischen Einfälle des Czaren selber 
bestimmt wurde, beschloß, dem Rathe der preußischen Generale zuwider, 
bei Bautzen eine Defensivschlacht anzunehmen und gewährte also dem 
Imperator, der die Gedanken der Gegner alsbald durchschaute, genügende 
Zeit um seine Streitkräfte zu versammeln und auch Ney's Armee zurück- 
zurufen. Während die Hauptarmee unthätig bei Bautzen stand, sollten 
die zwei schwachen Corps von York und Barclay de Tolly durch ein Aus- 
fallsgefecht die heranrückenden dreifach überlegenen Heersäulen Ney's und 
Lauriston's zurückwerfen. Mit höchster Kühnheit versuchte York sich des 
unmöglichen Auftrags zu entledigen; durch das blutige Waldgefecht bei 
Königswartha (19. Mai) hat er sich zuerst den Namen des Schlachten- 
generals, seinen altpreußischen Regimentern ein furchtbares Ansehen bei 
Freund und Feind gesichert; wunderbar zäh und verwegen hielt er aus 
in dem ungleichen Kampfe und brachte seine kleine Schaar in guter 
Ordnung wieder zu dem Hauptheere zurück. Aber mit entsetzlichen 
Opfern hatten die Preußen die Thorheit des Czaren bezahlen müssen; 
mehr als die Hälfte der Brigade Steinmetz lag auf dem Schlachtfelde, 
und die Vereinigung Ney's mit der französischen Hauptarmee war doch 
nicht verhindert. 
So konnte denn Napoleon am 20. Mai seine gesammten 170,000 
Mann gegen die 80,000 Alliirten zur Schlacht vorführen. Die Ver- 
bündeten erwarteten den Angriff in weitgedehnter Sellung auf dem steilen 
rechten Ufer des tiefen Spreethals, mit der Front nach Westen; ihr linker 
Flügel lehnte sich an jene waldigen Höhen des Lausitzer Gebirges, von 
denen einst Loundon gegen das Hochkircher Lager herniedergestürmt war, 
der rechte stand ungedeckt in der freien Ebene. Napoleon griff am ersten 
Schlachttage den linken Flügel der Gegner an, überschritt den Fluß, be- 
setzte Bautzen und verleitete also den Czaren zu dem Glauben, daß die 
Franzosen die Entscheidung auf der Linken der Allürten suchten, das ver- 
bündete Heer vom Gebirge abschneiden wollten. Die Absicht des Impe- 
rators ging aber vielmehr dahin, den bloßgestellten rechten Flügel der Ver- 
bündeten zu werfen, dann ihr Centrum zu umklammern und die geschlagene 
Armee zu dem gefahrvollen Rückzuge südwärts in's Gebirge hinein zu 
zwingen. Während nun die Russen ihre wohlgesicherte Linke noch mehr 
verstärkten, warf sich Napoleon am zweiten Schlachttage mit Macht auf 
den schwachen rechten Flügel unter Barclay de Tolly, schlug ihn gänz- 
lich und drang dann gegen die Kreckwitzer Höhen vor, welche Blücher mit 
dem Centrum hielt. Nach langem mörderischem Kampfe war auch diese 
Position fast umgangen, die Linien der Verbündeten bildeten bereits einen 
weit zurückgebogenen Haken. Da erkannte Knesebeck die Gefahr einer 
völligen Niederlage; er bestand darauf, daß die Schlacht abgebrochen wurde 
und rettete so das Heer. Gegen drei Uhr trat Blücher in musterhafter 
Ordnung den Rückzug an, und als der Abend hereinbrach, hatte der Sieger
	        
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