Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

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Landes  vertreten,  wenn  der  Adel  sich  entzog,  die  Prälaten
durch  die  Reformation  unbedeutend  gemacht  wurden,  und  die
Versammlung  der  Städtedeputirten  noch  keine  versicherte  Einrichtung
  harte.  ·

Durch  das  ganze  Land  hindurch  und  durch  alle  Staͤnde
desselben  gieng  eine  Verwirrung,  die  wir,  einmal  an  ordentliche
  Constitutionen  gewoͤhnt,  in  ihrem  ganzen  Umfang  uns
kaum  vorsitellen  koͤnnen.  Niemand  wußte  mehr  was  Rechtens
war,  wie  er  seine  Contrakte  schließen,  seinen  letzten  Willen
verwahren  sollte,  oder  wie  sein  Gut  nach  seinem  Tode  getheilt
werde,  wenn  er  es  nicht  selbst  durch  ein  Testamemt  entscheide.
Neues  und  altes  Recht,  Rmische  Weisheit,  wie  sie  von  Tübingen
  ausfloß,  und  alte  väterliche  Rechtssitte,  wie  sie  noch
hie  und  da  in  alten  Gerichten  sich  erhielt,  waren  so  im  ungewissen
  Streit  mit  einander,  daß  man  nicht  wußte,  wornach
man  sich  richten  solle,  um  für  die  Zukunft  gesichert  zu  seyn.
Es  war  mit  dem  Recht  wie  mit  der  Religion  wie  mit  dem
Maaß  und  Gewicht.  An  einem  Orte  wurde  kraft  des
Augspurger  Interims  nach  der  Predigt  Messe  gehalten,  und
vielleicht  in  der  nächsien  Stadt  hielt  der  Prediger  an  eben  demselben
  Tage  eine  ernstliche  Strafrede  gegen  diese  Buhlschaft
  mit  dem  Antichrist,  doch  warnte  etwa  eben  derselbe
  mit  noch  hitzigeren  Worten  gegen  ein  anderes  Uebel  in
der  Nachbarschaft,  gigen  die  ihm  fast  noch  verhaßteren  Sacramentirer.


Noch  war  auch  nicht  einmal  entschieden,  was  für  ein
Ende  der  Ferdinandeische  Proceß  nehmen  werde,  und
auch  der  beste  Ausgang,  den  sich  die  kühnste  Hoffnung  etwa
versprechen  mochte,  war  den  Landständen  unangenechm.  Woher
  Geld  nehmen,  wenn  sich  Ferdinand  sein  vermeintes  Recht
abkaufen  lassen  würde,  und  wie  sollten  sie  zugeben,  daß  viel-