Die Akadlemieen des 17. Jahrhunderts. 23
die neue Wissenschaft betreiben wollten und den alten Schulmethoden
den Krieg erklärten. So gründete bereits im Jahre 1622
der Lübecker Joacım Juxsıus (geb. am 22. October 1587) — in
mehr als einer Hinsicht ein Lxisxız vor Leiesız' — zu Rostock
eine von der Universität ganz unabhängige gelehrte Gesellschaft,
die societas ereunetica oder zetetica, in deren Programm die \WViderlegung
der scholastischen Philosophie (besonders der der Jesuiten),
lie Pilege der Mathematik und die Erforschung der Natur als die
Hauptaufgaben bezeichnet wurden. »Der Zweck unseres Vereins
soll einzig der sein: die Wahrheit aus der Vernunft und der Erfahrung
sowohl zu erforschen als sie, nachdem sie gefunden ist,
zu erweisen oder alle Künste und Wissenschaften, welche sich auf
die Vernunft und die Erfahrung stützen, von der Sophistik zu befreien,
zu einer demonstrativen Gewissheit zurückzuführen, durch
cine riehtige Unterweisung fortzuptlanzen, endlich durch glückliche
Erfindungen zu vermehren®.« Vor allem aber ist Amos Conmenıvs
zu nennen als der grosse Führer und Erzieher zu einer Reform der
wissenschaftlichen Methode, zugleich unermüdlich thätig, gleichgestimmte
Männer zu sammeln und zu vereinigen. Indessen alle diese
privaten »Societäten«, innerhalb deren VALENTIN ANDREAE eine besonders
charakteristische Figur ist, haben für die Gründung der grossen
staatlichen gelehrten Körperschaften doch nur indirecte Bedeutung
Jahre 1644 westifteten »Blumenorden« und den »Schwanenorden an der Elbe« (nın
1660) vergl. ebenfalls KeLLer S. 35 fl., 37 fl., 42 ff.
! Es wäre eine schöne Aufgabe. die deutschen Vorläufer von Leissız in den
Jalıren 1620—1670 zusammmenzustellen, und es ist dafür noch wenig geschehen.
” Sielie über den Stifter Hoc#e in der Allg. Deutschen Biographie, 14. Bd.
S.721fl.. GUCHRAUER. J. Juxcies und sein Zeitalter. 1850. und Kerrer. a.a. 0,
S.57 ff. Die Societät ging bereits im Jahre 1625 in den Schrecken des Krieges
unter. Der Grundsatz von Junsıevs — GoErTuE hat den Mann aus der Vergessenheit
befreit —: »Per inductionem et experimentum omnia« Jässt noch nicht erkennen,
wie mmsichtig er als Erkenntnisstheoretiker verfahren ist. Seine Überzeugung.
dass nur ein Zusammenschluss der (relehrten die Macht der scholastischen
Sophistik zu brechen verinöge, spricht er in dem Satze aus (GUHRAUER. a.2. 0.5.9):
»\Wje kannst Du es wagen wollen, allein gegen solche Lehrmeinungen zu kämpfen?
Wenn ich hätte allein sein sollen. so hätte ich keine Feder gegen die Schulineinungen
geführt«. — Auch alchymistische Gesellschaften gab es. Einer solchen ist
der jugendliche Leiexiz zu Nürnberg im Jahre 1667 beigetreten (s. Krorr, Die
Werke von Leiswız Bd.1. Einleitung S. XVI. und Korr, Gesch. d. Alchymie Bd. I
S.233) und führte ein Jahr lang das Seeretariat in ihr. Das Interesse für chemische
Probleme und die Zurückhaltung gegenüber vorschnellem Absprechen in alchemistischen
Dingen lat Leiexız stets bewahrt. obgleich er vom Goldmachen nichts wissen
wollte. Keıter. 2.2.0. S.50 ff.. überschätzt die Bedeutung jener Fpisode für das
Leben und die Entwicklung Leisxizens.