210 Friedrich Wilhelm II., König von Prenssen und Danton.
seinem Aufsteigen in Berlin die Verbindung mit dem Kreis der
Erwählten unterhalten. Nach der Thronbesteigung Friedrich
Wilhelm’s zog er eine wahre Kolonie aus Sachsen herbei, die
ihm beistand, dem Fürsten die Geister des Jenseits zu eitiren.
So kam Graf Karl von Brühl, der als Generallientenant in die
Armee eingestellt und dem Kronprinzen als Gouverneur beigegeben
ward, dann Dubosc, Kaufmann in Leipzig, von grossem
Ruf als Geisterseher und Kenner der Ideenwelt, in Berlin dazu
berufen, als Commerzienrath neue Handelspläne im Gegensatz
zu Friedrich’s II. Monopolsystem anzugeben. Als Gcehilfen der
sogenannten Visionspartei kamen ferner aus Leipzig Fröhlich,
früher Kellner und Magus bei Schrepfer, der sich nach dem
Zusammenbruch seines Freimaurergebäudes im Rosenthal bei
Leipzig erschoss, und Steinitz, der bei demselben sächsischen
Zauberer als Bauchredner Dienste geleistet hatte.
Das Jahresgehalt Bischofswerder's wie der anderen Günstlinge
war nach der Friderieianischen Überlieferung und nach
der kärglichen Naturausstattung der Mark knapp zugemessen;
erst später bei der Vertheilung der polnischen Erwerbungen und
Starosteien kam etwas Ähnliches wie der Milliardensegen der
neuesten Ära und übte wie dieser eine gleich verheerende
Wirkung auf die moralische Stimmung der oberen und mittleren
Klassen.
Der Nebenmann an der Seite Bischofswerder's, Wöllner,
früher Landprediger, nicht olıne Geschick, noch olıne Kenntnisse,
hatte dem Prinzen von Preussen einen Cursus über Landesverwaltung
und Ökonomie, Finanz, Handel und Rechenwesen vorgetragen
und unterzog sich sogleich nach dem Tode Friedrich’s
der schwierigen Arbeit, den Stand des vorhandenen Geldes, bei
dem Misstrauen des verstorbenen Königs gegen die Ressortspitzen
ein wahres Geheimniss, aufzuhellen. Von derselben
Klugheit wie Bischofswerder geleitet, verzichtete er auf Titel,
Ansehen und öftentlichen Glanz, konnte es aber nicht verhindern,
dass er schon im December 1786 im Publikum der Vicekönig
oder der kleine König hiess. Was für die Organisation der
Regierung geschah, ging von ihm aus. Ihm schickte der König
am Morgen die bis zum vorhergehenden Abend eingegangenen
Briefe und Schriftstücke zu, Wöllner nahm sie dann durch,
entschied mit dem König und (die Minister erhielten Befelıle,
ohne Rath zu ertheilen. Dazu war der Vicekönig ein Mitglied