Full text : Archiv für öffentliches Recht.Zehnter Band. (10)

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Deutschen  Reiches  und  der  grösseren  Bundesstaaten  beschränkt.  So  wird
das  preussische  Staatsrecht  durch  Prof.  v.  STENGEL,  das  hessische  durch
Prof.  Cosack,  an  Stelle  des  Verfassers  der  ersten  Auflage  (Professor  GARrEIS)
bearbeitet.  Die  neue  Darstellung  schliesst  sich  an  den  ursprünglichen  Plan
und  die  Eintheilung  des  Stoffes  an,  wobei  das  Bestreben  erkennbar,  in  erster
Linie  solche  Fragen  bervorzuheben,  deren  Beurtheilung  für  das  deutsche
Staatsrecht  schlechthin  von  Bedeutung  sind.  Hierher  zählen  z.B.  die  Ausführungen
  über  Thronfolge  (S.  9),  Budgetrecht  des  Landtages  (S.  76)  und
Vermögensrechte  des  Regenten  (S.  5,  77).  Ein  weiteres  auszeichnendes  Moment
  liegt  in  der  rechtlichen  Würdigung  der  in  der  Praxis  über  die  Auslegung
  von  Staatsrechtssätzen  entstandenen  politischen  Konflikte,  z.  B.  der
Steuerverweigerung  des  Jahres  1850,  und  der  aktuellen  Frage  des  Verfahrens
bei  der  geplanten  Verstaatlichung  der  hessischen  Ludwigseisenbahn  (S.  116  ff.).

Eine  geschichtliche  Einleitung  skizzirt  die  Entwickelung  der  hessischen
Staatsverfassung,  es  folgen  deren  Grundlagen  (Staatsoberhaupt,  Landtag,  Behördenorganismus).
  Besondere  Abschnitte  umfassen  das  Finanzwesen,  die
(semeinde-  und  Kreisverwaltung,  das  wirthschaftliche  Leben,  das  Schulwesen
u.s.  w.  Seit  der  ersten  Auflage  ist  ein  Zeitraum  von  zehn  Jahren,  reich  an
gesetzgeberischen  Arbeiten  auf  dem  Gebiete  des  Staatslebens  verflassen.  Die
Neubearbeitung  hat  alle  wichtigen  Erscheinungen  auf  den  einzelnen’  Gebieten
und  die  Aenderungen  der  Gesetzgebung  genau  heachtet  und  auf  die  vorhandene
  Literatur  verwiesen,  so  dass  die  Darstellung  eine  vollständige  ist  und
dem  Leser  ein  getreues  Bild  des  hessishhen  Staatsrechtes  liefert.  Der  umfangreiche
  Stoff  ist  auf  142  Seiten  systematisch  und  übersichtlich  zusammengefasst,
  alle  Formen  des  Verfassungs-  und  Verwaltungsrechtes  sind  objektiv
behandelt.  Die  staatsrechtliche  Litteratur  ist  so  um  eine  tüchtige  Arbeit
bereichert  worden,  welche  sich  zugleich  durch  die  gefällige  leichte  Form  des
Stils  auszeichnet.  Dr.  Zeller.

Corsi,  A.,  Arbitrati  internazionali.  Note  di  critica  dottrinale  e  storica.
Pisa.  1894.

Nachdem  Prof.  RouwArn  DE  Carp  die  Bedeutung  der  neueren  Fälle  des
internationalen  Schiedsgerichts  in  einem  1893  erschienenen  Buche  behandelt,
hat  nun  sein  Kollege  von  Pısa  die  Frage  sowohl  prinzipiell  wie  geschichtlich
  beleuchtet,  Das  kurze  Ergebniss  der  sehr  eingehenden  und  interessanten
Ausführungen  ist  für  uns,  dass  die  Erledigung  internationaler  Streitigkeiten
durch  Schiedsgericht  entschiedene  Fortschritte  gemacht  hat,  aber  doch  nur
auf  juristisch  formulirbare  Fragen  beschränkt  bleiben,  in  den  grossen  Konflikten
  nationaler  Interessen  dagegen  versagen  wird.  Selbst  der  Vertrag  der
Mehrzahl  der  amerikanischen  Staaten  (Washington  28.  April  1890)  über  ein
allgemeines  Schiedsgericht  unter  ihnen  nimmt  im  Art.  4  alle  Fragen  aus,
welche  einer  der  Staaten,  deren  Sache  im  Spiele  ist,  so  beurtheilt,  dass  sie
seine  Unabhängigkeit  gefährden  könnten  und  dieser  Vorbehalt  ist  sehr  dehn-