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Umschlag, las, sprach noch ein paar Worte zu ihm und trat dann
urück, um den anwesenden Fürsten, Bismarck und Moltke den
Brief vorzulesen. Der Kaiser schrieb, da er in der Mitte seiner
Truppen nicht habe sterben können, lege er seinen Degen in die
Hände des Königs. Nachdem der König sich längere Zeit mit seiner
Umgebung besprochen hatte, trat er zurück und schrieb seine Antwort;
ein Stuhl, den ein Flügeladjutant in die Höhe hielt, diente
ihm dabei als Schreibtisch, die Säbeltasche eines Husarenoffiziers
als Unterlage. Sobald General Reille mit dem Briefe des Königs
fortgeritten und den Obenstehenden aus dem Gesicht entschwunden
war, brachen diese in ein lautes Hoch aus und beglückwünschten den
König. Da schallte auch schon das Hurrarufen der Soldaten herauf
und pflanzte sich von Truppe zu Truppe in einer Stärke fort, daß
man es wohl meilenweit vernommen hat. Als der König bei einbrechender
Nacht in das Städtchen hinabritt, das er vor mehr als
zwölf Stunden verlassen, hatten die Soldaten bereits alle Fenster
erleuchtet und empfingen ihn mit Hochruf und Gesang. Von Inbelnden
umgeben und inmitten von Freudenfeuern, die zur Seite
des Weges aufflammten, fuhr er in sein Hauptquartier zurück; helle
Fenster und ein hoch auflohendes Strohfener auf dem Marktplatze
glänzten ihm hier entgegen, während die Kapelle der Königsgrenadiere
ihn mit „Heil dir im Siegerkranz!“ begrüßte. Mit Sorgen
war er ausgefahren, mit Dank gegen Gott, der ihm einen solchen
Siegestag beschert hatte, kehrte er heim.
Auch die Soldaten, die nach den schweren Anstrengungen der
Märsche und der heißen Schlacht die Nacht beim Wachtfeuer um
die Stadt liegen mußten, achteten der Beschwerden nicht, sondern
sangen und jubelten und schrieben frohe Briese nach Hause; denn
sie hofften, daß es nun Friede werde und der Tag der Heimkehr
nahe bevorstehe.
Am 2. September begegnete der König dem Kaiser Napoleon.
Der hatte noch im Dunkel des Morgens die Festung zu Wagen verlassen
und war auf der Landstraße mit dem Grafen Bismarck zusammengekommen.
In einem sehr kleinen, nur einen Tisch und zwei
Stühle enthaltenden Zimmer eines einsam gelegenen Arbeiterhauses
unterredeten sich beide etwa eine Stunde lang und setzten später ihr
Gespräch vor der Tür des Häuschens fort. Da der Kaiser den Wunsch
dußerte, den König zu sehen, wurde er zu dem Schlößchen Bellevue
geleitet. Gegen Mittag traf der König hier ein und sprach mit
Napoleon etwa eine Viertelstunde. Während dann der Kaiser unter
Bedeckung der Leibhusaren zur Grenze fuhr, um als Gesangener
nach Wilhelmshöhe bei Cassel zu gehen, ritt der König zu den
Truppen, die die Festung elngeschloffen hielten, um ihnen für ihre
Tapferkeit zu danken. In einer Mühle am Wege lag tödlich verwundet
der General v. Gersdorff, der in der Schlacht die Hessen
und Thüringer geführt hatte; hier stieg der König vom Pferde und