thumbs : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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es  dort  nicht  an  Gebirgslandschaften  fehlt,  von  denen  indes  nur  eine  im
Innern  des  Landes,  die  übrigen  aber  gegen  die  Grenzen  hin  liegen.  Spanien
ist  fast  durchgängig  Hochland.  Die  Balkanhalbinsel  ist  in  ihrer  ganzen
Längenausdehnung  von  mächtigen  Gebirgszügen  erfüllt,  die  mit  vielen
größern  und  kleinern  Armen  nach  allen  Seiten  ausgreifen.  Fast  ebenso
verhält  es  sich  mit  der  italienischen  Halbinsel,  die  nur  in  ihrem  Deutschland
zunächst  gelegenen  Teile,  dem  nördlichen,  sich  zu  einer  größern  Ebene  ausweitet,
  welche  einige  Ahnlichkeit  mit  der  norddeutschen  Ebene  hat.  Die
Skandinavische  Halbinsel  ist  im  Norden  wie  im  Süden  gebirgig  und  Großbritannien
  hat  zwar  in  seinem  östlichen  Teile  weit  weniger  den  Charakter
eines  Gebirgslandes  als  in  dem  westlichen;  aber  auch  jener  Teil  ist,  wo  nicht
Gebirgs-,  doch  fast  durchweg  Hügelland  und  bietet  keine  ausgedehnten  Ebenen
dar.  Dagegen  herrscht  in  der  Oberflächengestaltung  Deutschlands  die  größte
Mannigfaltigkeit  der  Naturformen.  Wir  finden  hier  einen  reichen  Wechsel
von  Hochgebirgs-,  Hochflächen=  und  Stufenländern  mit  den  verschiedenartigsten
Stromsystemen,  Mittelgebirge  jeder  Art  und  weite  Flachländer,  das  Tiefland
des  slavischen  Osteuropas,  den  eigentümlichen  Wechsel  zwischen  Bergland  und
welliger  Ebene  der  Britischen  Inseln,  die  überraschende  Mannigfaltigkeit  der
Balkan-,  die  Regelmäßigkeit  der  italienischen  und  die  Hochflächenbildung
der  Pyrenäischen  Halbinsel.  »

Und  wie  Deutschland  rücksichtlich  seiner  Lage,  Größe  und  Oberflächengestaltung
  unter  den  Ländern  Europas  eine  vermittelnde  Stellung  einnimmt,
so  ist  dies  auch  hinsichtlich  seiner  Gewässer  der  Fall.  Es  hat  nicht  so  große
Ströme  wie  das  slavische  Osteuropa,  aber  größere  als  jedes  andere  Land
Europas,  und  erfreut  sich  einer  gleichmäßigen  Wasserverteilung  nach  fast  allen
Gegenden.  Da  es  weit  mehr  binnenländisch  ist  als  die  meisten  andern  Länder
Europas  außer  Rußland,  so  haben  seine  Flußadern  auch  eine  höhere  Wichtigkeit
  erlangen  müssen.  Was  aber  die  Schönheit  der  Flußlandschaften  anlangt,
so  steht  unser  Vaterland  selbst  weit  über  Frankreich.  Die  Seine  kann  weder
an  Wasserreichtum  noch  an  Schönheit  der  nächsten  Gegenden  mit  der  Elbe
verglichen  werden;  denn  ihre  Ufer  bilden  nirgends  stolze  Landschaften  wie  die
Elbe  bei  Dresden.  Die  Natur  der  Landschaften  ist  in  Deutschland  schon
deshalb  mannigfaltiger  und  reizender  als  in  Frankreich,  weil  die  Verzweigung
der  Gebirge  bei  uns  weit  größer  ist  als  in  dem  meist  flacheren  Nachbarreiche.
Wie  anmutig  auch  die  Ufergegenden  der  Rhone,  besonders  bei  Lyon,  sein
mögen,  so  sind  sie  doch  nicht  reizender  als  die  des  herrlichen  Rheinstromes,
dessen  prachtvolle  Ufer  mit  ihren  Rebenhügeln,  Bergen,  Städten  und  Burgruinen
  von  den  Reisenden  aller  Völker  aufgesucht  und  hoch  gepriesen  werden;
mit  ihm  kann  sich  weder  Rhone  noch  Loire  messen.

Nach  dem  „Lesebuch  für  Gewerbliche  Fortbildungsschulen“.

52.  Die  Flüsse,  die  Lebensadern  des  Natur-  und  Völkerlebens.

Die  Flüsse  und  Flußtäler  werden  überall  die  Sammler  alles
Lebendigen.  In  dem  häufig  genetzten  Schlamme  der  Flutttäler  entwickeln
  sich  die  Pflanzenkeime;  hier  schießen  die  Bäume  in  dichten
Waldungen  auf;  hier  sind  die  Ausdünstungen  des  Flusses,  die  Nebel
und  die  Tauniederschläge  am  stärksten;  die  Gräser,  Kräuter  und
Wiesen  werden  davon  getränkt.  Auch  sind  die  Flüsse  überall  die
Hauptverbreiter  des  Gesämes  der  Pflanzen,  das  sie  fortführen  und  an