Full text : Die Gründung des Deutschen Ordenstaates in Preußen.

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von  ihm  abhängig  sein  würde  ½5)  überhob  ihn  auch  in  Bezug  auf
seine  Landesherrschaft  in  Preußen  aller  Besorgniß;  durch  ihn  konnte
er  jeden  Angriff,  jede  fremde  Einmischung  zurückweisen.  Es  konnte
kein  sichereres  Mittel  geben,  sich  als  Preußens  Herr  zu  behaupten.
Vielleicht  war  der  Plan  schon  so  weit  gereift,  daß  mehrere  unter  den
Kreuzfahrern  für  den  Eintritt  in  den  neuen  Orden  sich  bereit  erklärt
hatten,  als  die  Enthüllung  der  Plane  Konrads  dringend  mahnte,
die  Stiftung  zu  beschleunigen;  gerade  Diejenigen,  gegen  deren
gefährliche  Pläne  Christian  sich  zu  schützen  gedachte,  Konrad  und
Günther,  sollten  das  Werk  nun  gar  vollenden  helfen.  Die  von
ihnen  gewünschte  Berathung  fand  Statt.  ½5)  Mit  welchem  Gefühl
mochte  der  Bischof  dieselbe  begonnen  haben,  und  wie  schuldvoll  stand
vor  ihm  der  Herzog!  Schwerlich  hielt  Christian  die  gerechte  Klage
über  die  begangene  Verletzung  seiner  Rechte  in  Kulm  und  Preußen,
die  ernste  Rüge  über  die  Mißachtung  des  päpstlichen  Verbotes  zurück.
  107)  Er  konnte  Gebrauch  machen  von  der  Strafgewalt,  die  der

105)  Das  ist  der  Sinn  der  Bezeichnung  des  neuen  Ordens  als  „melta  a
GFremplur  miatte  Chriskz  de  Linvonid  ordsato“  (Cod.  dipl.  Pruss.  I,  20.),  oder
kurg  als  „milites  Prussie  more  Ticonsiens#“  (Acta  Bor.  I,  396.).  Der  Schwertbrüderorden
  in  Livland  nämlich,  von  dem  Bischofe  Albert  1205  gestiftet,  hatte
für  diesen  den  Kampf  gegen  die  Heiden  zu  führen,  wogegen  er  ein  Drittel  des
Eroberten  als  Lehen  vom  Bischofe  empfangen  sollte.  Vgl.  Voigt,  Gesch.
Pr.'s  I,  409  ff.  415  —  16.  Eine  Folge  dieser  Gleichheit  beider  Orden  war,  daß
die  Tracht  beinahe  dieselbe  war;  die  Schwertbrüder  trugen  einen  weißen  Mantel  mit
rothem  Schwert  und  einem  Kreuz,  die  Dobriner  nur  statt  des  Kreuzes  einen  Stern.

106)  Die  Urkunde  Acta  Bor.  I,  414.  beweist,  daß  Christian  mit  dem
Herzoge  zusammen  die  Ausstattung  des  Ordens  berathen  und  vollzogen  hatte.

107)  In  der  Stistung  des  Ordens,  an  welcher  der  Herzog  durch  seine  Schenkung
  Antheil  nahm,  erscheint  Christians  Stellung  wieder  so  vollkommen
  unabhängig,  der  Herzog  wieder  soganz  auf  Masovien  reducitt,
  daß  wir  schließen  müssen:  es  hatten  jene  berichtigenden  Erklärungen  und  Zugeständnisse
  Statt  gefunden,  ohne  welche  der  Bischof  sich  nicht  beruhigen  konnte.  Der
Herzog  hat  sich  hier  über  Masovien  hinaus  keine  Schenkung  angemaßt,  ebensowenig
eine  auf  Preußen  bezügliche  Bedingung  gestellt.  Ihn  sollte  der  Orden  nur  contra
Prutenos  vertheidigen.  Es  ist  Christian,  dem  sic  „ad  expiconondem  Pa-