Full text : Bilder aus der letzten Kaiserzeit.

Anhang.

Würde  die  englische  Nervosität  zu  verringern  und  es  uns  zu  ermöglichen,
ungefährdet  über  die  Jahre  hinwegzukommen,  in  denen  unsere  Rüstung
noch  nicht  vollendet  ist.

Von  den  maßgebenden  englischen  Stellen  ist  wiederhollt  angedeutet
worden,  daß  eine  Verlangsamung  des  Tempos  in  der  Durchführung  unseres
gegenwärtigen  Floktenprogramms  sehr  wesentlich  zur  Beruhigung  in  England
  beitragen  würde.  Inwieweit  ein  Eingehen  auf  die  englischen  Wünsche
in  dieser  Hinsicht  von  dauernden  Wirkungen  auf  die  Gestaltung  unseres
politischen  Verhältnisses  zu  England  begleitet  sein  würde,  kann  einstweilen
unerörtert  bleiben.  Für  die  Uebergangsperiode,  in  der  wir  uns  befinden,
ist  es  jedenfalls  für  uns  von  der  größten  Bedeutung  zu  verhindern,  daß
der  Gedanke  eines  gegen  Deutschland  zu  führenden  Präventiokrieges  bei
der  Mehrheit  des  englischen  Volkes  festen  Fuß  faßt  und  ein  englischer
Angriff  auf  unsere  Flotte  erfolgt.  Entsteht  der  Krieg  desungeachtet,  so
dürste  bei  der  großen  Überlegenheit  der  englischen  Flotte  der  Umstand,
daß  wir  infolge  der  Verlangsamung  unseres  Bautempos  mit  ein  oder  zwei
Schlachtschiffen  weniger  in  den  Kampf  eintreten,  auf  den  zu  befürchtenden
Ausgang  dieses  Kampfes  von  entscheidendem  Einfluß  nicht  sein.

Unser  Flottengesetz  sieht  für  die  Jahre  1909,  1910  und  1911  den
Neubau  von  je  4,  für  die  Jahre  1912  bis  1917  von  je  2  großen  Schiffen  vor.
Zu  Ende  1911  würden  wir  im  Besitz  von  13  solcher  Schiffe  sein  und  diesem
Augenblick  sieht  man  in  England  mit  besonderer  Sorge  entgegen,  da  nach
den  bisherigen  englischen  Flottenanschlägen  die  englische  Marine  in  dem
gleichen  Zeitpunkt  nur  im  Besitz  von  12  entsprechenden  Fahrzeugen  sein
würde.  Wenn  auch  angenommen  werden  darf,  daß  die  englische  Marine--verwaltung
  unter  dem  Druck  der  öffentlichen  Meinung  es  nicht  versäumen
wird,  den  Vorsprung  beizeiten  wiedereinzuholen,  den  wir  nach  englischer
Darstellung  vorläufig  vor  ihnen  voraus  haben  würden,  so  möchte  ich  doch
auf  Grund  der  vorstehenden  Erwägungen  an  Ew.  pp.  die  Frage  richten,
ob  militärisch-technische  Gründe  dringender  Natur  dagegen  sprechen  würden,
in  den  nächsten  3  Jahren  unser  Bautempo  in  der  Weise  zu  verlangsamen,
daß  wir  statt  je  4  nur  je  3  große  Schiffe  bauen,  und  das  Versäumte  dann
in  den  Jahren  1912,  1913  und  1914  nachholen.  Wir  würden  dann  von
1909  bis  1914  je  3,  von  1915  bis  1917  je  2  große  Schiffe  auf  Stapel  legen
und  damit,  ohne  Schwächung  des  Gesamtergebnisses,  unseren  Gegnern  in
England  ein  sehr  wirksames  Agitationsmittel  entwinden.

Schließlich  glaube  ich  auch  noch,  darauf  hinweisen  zu  dürsen,  daß
in  letzter  Zeit  wiederholt  Bedenken  finanzieller  und  technischer  Natur
darüber  zum  Ausdruck  gekommen  sind,  ob  es  ratsam  ist,  den  Bau  einer
so  großen  Zahl  von  großen  Schiffen  auf  einmal  vorzunehmen,  wie  dies
die  jetzigen  gesetzlichen  Bestimmungen  vorseben.  Um  so  günstiger  er-