450
wurde, und Eberhard hielt es nicht uͤberfluͤssig, wenn sein Gesandter
in Wien bekannt mache, daß ein unglücklicher Fall
Ursache dieser frühen Entbindung sey. Der junge Prinz gedeihte
doch, und die Ehe war auch in ihrem Fortgange fruchtbar.
Innerhalb achtzehn Jahren gab die Herzogin ihrem Gemahl
vierzehn Ehpfänder, und Eberhard scheint durch sie für
die Freuden eines vergnügten häuslichen Umgangs so fühlbar
gemacht worden zu seyn, daß er sich gleich nach ihrem Tode
wieder heurathete. Auch mit dieser zweiten Gemahlin, einer
gebornen Gräfin von Octtingen, zeugte er in achtzehn Jahren
reilf Kinder, und lebte mit ihr so vergnügt als mit seiner Rheingräfin.
Seine Anlage zum Privatmann mag wirklich untadelbaft
gewesen seyn, aber für seine Zeiten war er kein Fürst,
es fehlte ihm Stärke der Seele, hohes Gefühl seiner selbst, Gewandtheit
für unglückliche Zufälle.
Was aus Wirtemberg damals geworden wäre, da
sein Herzog so uneutschlossen, seine Frcunde und seine Feinde
so unbarmherzig waren, wenn nicht die Vorsehung dem armen
Lande damals ein paar Männer geschenkt hätte, welche
mit unermüdetem Patriotismus dem allgemeinen Ruin zu
belsen suchten, thätig waren, wenn der Herzog zauderte, am
kaiserlichen Hofe trieben, die Schweden in Bewegung setzten,
jeder feindlichen List begegneten, Wirtembergs Schicksal durch
ihre Wachsamkeit für die ganze Jukunft versicherten. An
„die drei Namen Wiederhold, Löffler und Varnböü--ler
sollte kein Wirtemberger ohne die tiefste Verehrung
deuken.
. WPiederhold §) war ein geborner Hesse, den aber ein
glücklicher Zufall schon unter Herzog Johann Friederich in
*) C. 2. Keßlers Leben Conr. Wiederholds. Tübingen 1782.