Metadata : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

206  Buch  II.  Kap.  4.

gebung  zu  Grunde,  während  sie  heutzutage  meist  nur  eine
Sache  des  Zufalls  oder  auch  der  abgeschmacktesten  Begriffslosigkeit
  ist.  Mit  dem  Christenthum  brachen  natürlich
  auch  die  Namen  der  christlichen  Heiligen  und  demnach
die  Frauennamen  der  abendländischen  und  morgenländischen
  Kirche  nach  Deutschland  herein.  So  gab  es  schon  im
8.  Jahrhundert  bei  den  Deutschen  fremde  Frauennamen,
wie  Beata,  Eugenia,  Juliana,  Sibylla  und  andere.  Noch
im  12.  Jahrhundert  waren  jedoch  die  heimischen  vorherrschend.
  Unsere  gute  Bekannte  vom  vorigen  Kapitel
ber,  Herrad  von  Landsberg,  gibt  ein  Namenverzeichniß
ihrer  Nonnengemeinde  und  da  finden  wir  die  vielen  nationalen
  Namen  Guta,  Adelheid,  Edellind,  Richinza,  Mathild,
Hedwig,  Heilwig,  Kunigund,  Gertrud,  Rilind,  Mechthild,
Diemuth,  Bertha,  Hemma,  Hildegund,  Hazicha  und  andere
neben  den  wenigen  fremden  Agnes,  Eufemia,  Christina,
Margaretha,  Sibilia.  Da  sich  sämmtliche  Nonnen  dieses
Katalogs,  einige  wenige  ausgenommen,  durch  den  ihrem
Taufnamen  beigesetzten  Geschlechtsnamen,  d.  i.  Gutsnamen,
  als  adelige  erweisen,  so  ersehen  wir  daraus  zugleich,
  welche  Vornamen  unter  den  Edelfrauen  von  damals
gäng  und  gäbe  waren.  Höfische  Dichter  des  13.  Jahrhunderts,
  die  sich,  wie  wir  später  berühren  werden,  mehr
mit  Bauerndirnen  als  mit  Edeldamen  zu  schaffen  machten,
haben  eine  Menge  Namen  ländlicher  Schönen  ihrer  Zeit
verzeichnet,  unter  welchen  sich  sehr  schöne  finden,  wie
Rose,  Gute,  Freude,  Minne,  Liebe,  Wonne,  Engel,  oder
auch  sehr  charakteristische,  wie  Geiß,  Trude,  Elle,  Hetze,