100 Abschaffung des Königtums in Rom.
Haufen zusammenzufassen und damit eine brauchbare Kriegerschaft
zu Fuß zu schaffen verstanden. Mit dieser Schaffung der
Legionar- Phalanx kommt nun ein Gegensatz in die Verfassung
des römischen Staats. Das römische Volk ist bis
dahin völlig einflußlos gewesen. Es lebte in der Furcht
des Herrn. Die Überordnung der gottbegnadeten Familien
des Patriziats und die strenge Gewalt des Königs, der
immer mit den Liktoren mit Beil und Ruten hinter sich
einherging und jedem Befehl unbedingten Gehorsam verschaffte,
hatte das Volk mit dem Geist des Gehorsams bis
in das letzte Nervenbündelchen erfüllt. Nun aber ist diese
Bauer- und Kleinbürgerschaft wieder zu kriegerischer Tüchtigbeit
heraufgebildet worden. Wird diese Kriegerschaft sich
weiter dauernd so unter das gottbegnadete Regiment des
Patriziats und seiner Führer unterordnen? Diese Spannung
ist aber nicht die einzige, die den Staat bewegt. Indem
die Patrizierschaft einen von sich mit jener furchtbaren
Autorität bekleidete, um die Massen in Ordnung zu halten
und zu bändigen, hat sie damit dem König ja auch über
sich selbst Gewalt gegeben, und namentlich, die Überlieferung
zeigt davon gewisse Spuren, liegt in dem Königtum eine
natürliche Tendenz, sich erblich zu machen. Diese Neigung
der einmal existierenden Gewalt, sich erblich zu machen,
und überhaupt die Möglichkeit für den regierenden König,
das Mitregiment des Senats beiseite zu schieben, hat von
je zwischen dem König und seiner Genossenschaft einen
Gegensatz hervorgerufen, neben den nun die zweite Spannung
tritt, zwischen dem Patriziat und dem militärisch organisierten
Plebejertum. Das hat dann unter Umständen, die uns
nur rein legendär berichtet sind, endlich zur Abschaffung
des Königtums geführt; d. h. statt des einen lebenslänglichen
Oberbeamten wurden von jetzt an zwei gewählt