52. Der Beginn des Spanischen Erdfolgekrieges. 277
52. Der Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges.
Von Karl v. Landmann.“
Am 1. November 1700 starb Karl II., der letzte König aus der spanischen
Linie des Hauses Habsburg, nachdem er letztwillig seinen Neffen Philipp
von Anjou, den zweiten Enkel Ludwigs XIV. von Frankreich, als Nachfolger
eingesetzt hatte. Kaiser Leopold I. als Haupt der deutschen Linie des Hauses
Habsburg forderte dagegen die spanische Monarchie für seinen zweiten Sohn
Karl und entschloß sich zum Kampfe gegen Ludwig XIV., der die angeblichen
Rechte Philipps vertrat. In dem nun beginnenden Kriege handelte es sich
somit zunächst nur um einen Erbstreit zwischen den Häusern Habsburg und
Bourbon und nicht etwa um eine deutsche Angelegenheit. Hatte das deutsche
Volk keinen Vorteil davon gehabt, daß Spanien bisher von Habsburgern
regiert wurde, so konnte es ihm auch gleichgültig sein, ob in Zukunft ein
Habsburger oder ein Bourbon auf dem Königsthron von Spanien saß. Diesem
Gesichtspunkte entsprach es, wenn Kurfürst Max Emanuel vorerst versuchte eine
neutrale Haltung einzunehmen. Nachdem sich dies als unmöglich erwies und
eine bestimmte Partei gewählt werden mußte, wäre es der Eigenschaft eines
deutschen Reichsfürsten angemessen gewesen, daß auch Max Emanuet sich auf die
Seite des Kaisers stellte. Nun wollte aber Leopold I. für den Beistand Max
Emanuels, der sich bereits im Türkenkrieg 1683—1688 und im Krieg gegen
die Franzosen 1689—1697 unleugbare Verdienste um Kaiser und Reich erworben
hatte, keinerlei Vorteile in Aussicht stellen, wogegen Ludwig XIV.
den hochstrebenden Wünschen des Kurfürsten in verführerischer Weise entgegenkam.
Der König von Frankreich versprach seine Hilfe zur künftigen Erwerbung
der Rheinpfalz und Pfalz-Neuburgs nebst der Königswürde (Vertrag vom
17. Juni 1702) und Max Emanuel ergriff nach langen, vergeblichen Unterhandlungen
mit dem Kaiser die Partei Frankreichs.
Durch das Bündnis mit Frankreich brachte sich Max Emanuel vorerst in
eine äußerst ungünstige militärische Lage. Das kleine, annähernd das heutige
Ober= und Niederbayern und die Oberpfalz umfassende Kurfürstentum war von
allen Seiten von feindlichen Gebieten umschlossen und hatte eine für die Verteidigung
höchst unvorteilhafte Gestaltung seiner Grenzen. Allerdings hatte
das mächtige Frankreich seine Hilse zugesagt, die Verbindung mit dem Bundesgenossen
führte aber über den vom Gegner besetzten Schwarzwald, dessen
Name damals noch einen unheimlichen Klang hatte. Nicht leicht hat sich ein
Landesherr bei Beginn eines Krieges in ungünstigerer Lage befunden als
damals Kurfürst Max Emanuel. Es gehörte das durch reiche Kriegserfahrung
gesteigerte Selbstvertrauen und der ganze Wagemut des Eroberers von Belgrad
dazu um unter solchen Verhältnissen überhaupt einen Krieg zu beginnen.
Vor allem war Max Emanuel darauf bedacht, die Verbindung mit der
ihm von Ludwig XIV. in Aussicht gestellten französischen Hilfsarmee, welche