Metadata : Das Friedensangebot der Mittelmächte.

-  138  —

satz  der  Menschlichkeit  und  jeder  den  kleinen  Staaten  gebührenden  Achtung
  Hohn  sprechen:  Niedermetzelung  von  Armeniern,  Zeppelinangriffe,
Unterseebotkriegführung  gegen  Handelsschiffe,  schlechte  Behandlung  der  Gefangenen,
  Deportation  usw.  Die  Antwort  fügt  hinzu,  diese  Aufzählung
von  Verbrechen  wird  sicherlich  den  hier  erhobenen  Protest  der  Alliierten
erklären.

Ueber  die  Friedensbedingungen  sagt  die  Note,  diese  müßten  einschließen  :
Wiederherstellung  Belgiens,  Serbiens  und  Montenegros,  mit  Kompensationen,
Räumung  Frankreichs,  Rußlands  und  Rumäniens  mit  angemessener  Wiedergutmachung,
  Wiederaufbau  Europas  auf  der  Grundlage  der  Nationalitäten
und  des  Rechtes  aller  Völker,  der  kleinen  und  der  großen,  volle  Sicherheit
und  freie  wirtschaftliche  Entwickelung,  Zurückgabe  der  den  Alliierten  ehemals
  entrissenen  Gebiete,  Befreiung  der  der  mörderischen  Tyrannei  der
Türken  unterworfenen  Völker  und  Austreibung  des  osmanischen  Reiches  aus
Europa.

Die  Note  stellt  jegliche  Absicht  in  Abrede,  die  politische  Vernichtung
Deutschlands  und  seiner  Völker  zu  erstreben.“

11.  Die  Frankfurter  Zeitung  teilt  im  Abendblatt  vom  18.  Januar
Nr.  17  folgendes  als  „Bemerkungen  Balfours®  mit:

Haag,  18.  Jan.  (Priv.Tel.  zf.)  Das  Telegramm,  das  Balfour
als  Minister  des  Aeußeren  dem  englischen  Botschafter  in  Washington
  überhändigte,  wurde  am  16.  Januar  der  Regierung  der  Vereinigten

  Staaten  mitgeteilt.  Es  lautet:

„Der  Ueberreichung  der  Note  der  Alliierten  wünsche  ich  folgende  Bemerkungen
  beizufügen,  die  ich  ersuche  der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten
zu  übergeben.

Wie  ich  aus  der  allgemeinen  Tendenz  der  Note  des  Präsidenten  Wilson
ersehe,  ist  sie  von  dem  ernsten  Wunsche  eingegeben,  den  Frieden  so  rasch
wie  möglich  zustande  zu  bringen,  und  diesen  Frieden,  wenn  er  zustande
käme,  zu  einem  dauerhaften  zu  machen.  Ich  ersehe  aber  auch  aus  der
Note  des  Präsidenten,  daß  er  sich  im  Augenblick  nicht  mit  den  Bedingungen
beschäftigt,  auf  Grund  welcher  der  Frieden  geschlossen  werden  soll.  Die
Regierung  Sr.  Majestät  teilt  vollkommen  die  Ideale  des  Präsidenten,  und
sie  ist  überzeugt,  daß  die  Dauerhaftigkeit  des  Friedens  in  hohem  Maße  von
seinem  Charakter  abhängt,  und  daß  ein  ständiges  System  internationaler
Beziehungen  nicht  auf  Grundlagen  aufgebaut  sein  könne,  die  ihrem  Wesen
nach  ein  hoffnungsloses  Wrack  sind.  Es  wird  dies  klar,  wenn  wir  die
wichtigsten  Punkte  betrachten,  die  die  Katastrophe,  unter  der  die  Welt  nun
leidet,  möglich  gemacht  haben.  Es  war  dies  die  Existenz  einer  großen
Macht,  die  von  Herrschsucht  verzehrt  wurde  und  mitten  in  einer  Gemeinschaft
  schlecht  für  die  Verteidigung  vorbereiteter  Völker  liegt.  Es  bestan-