Contents : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

nIummer  22
rden.  Uuch  Mo  de  Janelro  selbst  hak  durch
i  Eknpnftut  schweren  Schaden  gelitten.

□  ·

r
Eine  heille  Affäre.
Cottbus,  1.  Februar.

Wie  gemeldet  wird,  wurde  hier  in  den  letzten
lagen  die  Gattin  des  Staatsanwaltes  om  Cott-#ser
  Landgericht,  Frau  Hedwig  Ahrens,  uner
  dem  Verdacht  des  Betruges,  der  Urkunden-Alchung
  und  des  Meineides  verhaftet.  Frau
Ihrens  war  vor  und  nach  ihrer  Eheschließung
mier  dem  Namen  eines  Fräulein  Fränkel  als
Prokuristin  bei  der  Firma  Leo  Schiffmann  tätig
md  soll  eine  der  treibenden  Kräfte  bei  zahleichen
  Schiebungen  und  Betrügereien  gewesen
ein,  die  sich  der  jetzt  in  Berlin  in  Haft  befindiche
  Schiffmann  zuschulden  kommen  ließ.  Nach
zer  Flucht  Schiffnanns  verschwand  auch  die
Prokuristin,  bis  sich  jetzt  herausstellte,  daß  sie
nit  der  Frau  des  Staatsanwalts  Ahrens  idenisch
  sei.  Frau  Ahrens  wurde  in  das  Unteruchungsgefängnis
  lach  Moabit  überführt.  Zuneich
  wurden  in  derselben  Angelegenheit  bei
nehreren  Berliner  Rechtsanwälten,  Aerzten  und
weei  Bertiner  Bankinstituten  Haussuchungen  abzhhalten.


Die  Grubenkatasftrephe  bei  Dortmund.
Dortmund,  1.  Februar.

Bis  heute  nachm.wurden  von  den  Verunglückten
auf  der  Zeche  AUchenbach  16  Tote  rekognosziert;
davon  sind  7  verheiratet  und  9  ledig.  Von  den
17  Verletzten  begaben  sich  acht  nach  der  Anlegung
  eines  Notverbandes  in  ihre  Wohnungen.
Von  den  übrigen  neun  slarben  drei.  Bel  den
anderen  liegt  keine  unmittelbare  Lebensgefahr
vor.  Die  Beerdigungen  finden  voraussichtlich
am  Montag-Nachmittag  statt.

Aufwandsentschädigung  für
soldalenreiche  Familien.
Von  Dr.  Georg  Heim  im  „V.  K.“

Velanntlich  ist  gelegentlich  der  letzten  Wehrvorlage
  aufs  Grund  meiner  Broschüre:  „Um
der  Gerechligkeit  willen!“,  welche  dieE#thebungen
der  Zentralstelle  der  Bayer.  Bauernvereine  verarbeitete,
  im  Reichsetat  eine  Summe  zur  Enticädigung
  soldatenreicher  Familien  eingesetzt
norden.  Jede  Familie,  die  mehr  als  3  Söhne
dem  Militär  siellt,  soll  während  der  aktiven
Dienstzeit  des  vierten  und  jedes  weiteren  Sohnes
sährlich  eine  Entschädigung  von  240  Mk.  erhalten.
  Ursprünglich  war  im  Etat  des  Deutschen
NReickes  hierfür  die  Summe  von  240  000  Mk.
4890  000  Mk.  vorgesehen,  mit  anderen  Worten:
die  Reichsregierung  rechnet  mit  1000  bis  2000
Kamilien,  bei  denen  die  Voraussetzung  zutreffen
würde.  Die  Reichsregierung  konnte  bloß  mit
einer  ungenommenen  Ziffer  rechnen,  da  stauustische
  Erhebungen  diesbezüglicher  Art  nie  veranstaltet
  wurden.  Die  ersten  zahlengemäßen  Unlerlagen
  ergeben  sich  aus  der  privatim  gemonneder
  Zentralstelle  der

 

 

nen  Statistik
Bauernrereine.

Auf  Grund  dieser  Zahlenunterlagen  war  von
Ayfang  an  vollständig  klar,  daß  die  im  Reichshaushalt
  vorgesehene  Summe  zu  nieder  und
das  die  Annahme,  daß  nur  1000  resp.  2000  Familien
  für  ganz  Deutschland  in  Betracht  kämen,
itrtümlich  sei.

Und  das  besiätigt  sich  jetzt  im  vollen  Umsange.
  Es  handelt  sich  hierbei  nicht  um  2000,
sondern  um  rund  35.000  Familien,  bei  denen
die  Voraussetzungen  zutreffend  sind.  Die  Stalistik
  wir#  ferner  noch  zweierlei  bestätigen:

1.  Daß  Bayern  im  Verhältnis  zu  seinem
Anteil  an  der  Gesamtbevölkerung  Deutschlands
mehr  soldatenreiche  Familien  hat,  wie  das
übrige  Deutschland  und  »

2.  daß  die  soldatenreichen  Familien  fast  ausschließlich
  in  den  Kreisen  der  Kleinbauern,  Arbeitei,
  Handwerker  zu  suchen  sind.

aleiles  Feulllelon.

Das  Ende  eine#  Millionenbetrügens.

Voriges  Jahr  ist  in  einer  kroatischen  Männerstrafanstalt
  ein  Verbrecher  vom  Tode  ereilt
worden,  der  wiederholt  in  Wien,  Innsbruck,
und  Budapest  der  Gegenstand  aussehenerregender
  Affären  und  Prozesse  gewesen  ist,  ein  Mann,
der  sich  durch  seine  große  Verstellungskunst  auf
Koften  anderer  ein  zügelloses,  verschwenderisches
Leben  zu  verschaffen  wuhzte.  Es  ist  dies  der
weltbelannte  Betrüger  Ignaz  Straßneff,  der
einem  in  den  verschtedenen  Strafanstalten  erworbenen
  Lungenleiden  jetzt  zum  Opfer  fiel.
Eines  Tages  erschien  Straßnoff,  wohlausgetanet
  mit  den  nötigen,  von  einem  Auskunfts-=bureau
  beschafften  Daten,  vor  dem  als  sehr  gutmätig
  bekannten  Steinamangerer  Bischof  Wilbelm
  Istvan  und  stellte  sich  dem  Kirchenfürsten
als  sein  langgesuchter,  aus  Amerika  heimgekehrder
  Nefse  vor,  der  sich  eine  Eristenz  gründen
vollte  und  hiezu  Kapital  benötige.  kam
dem  Bischof  der  „Neffe“  etwas  verdächtig  vor,
doch  war  dieser  mit  den  Famllenverhältnissen
derartig  vertraut,  dah  die  anfänglichen  Zweise.
läwanden,  und  der  „Neffe“  12000  Kronen  erhiet.
  Mit  dem  erschwindelten  Gelde  veranstallete
  er  derartige  Orgien,  daß  diese  dar  Stadt-Bayer.



 

Die  Reichsregierung  hat  sich  offenbar  in  den
letzten  Monaten,  obwohl  noch  keinerlei  Vollzugsvors
  aAnansgegan  sind,  bereits.
durch  die  fretwilligen  Anmeldungen  bei  Behörden,
  die  ohne  Aufforderung  hereingekommen
sind,  Überzeugt,  daß  die  etatisierten  240  000
Mark  bei  weitem  nicht  zulänglich  sind.  Die
Reichsregierung  kam  auf  den  unglaublichen  Geen,

  einen  Ausweg  in  der  Richtung  zu  suchen,
die  Jahreszuschüsse  von  240  Mark  zu  verringern
  (auf  150  Mk.)  und  nur  jenen  Familien
etwas  zuzuwenden,  die  wirklich  die  Arbeitekraft,
des  betreffenden  Sohnes  vermissen,  d.  h.  deren
Sohn  zu  Hause  in  der  Wirtschaft  des  Vaters
mitgearbeitet  hat.

Im  Reichstag  —  und  das  darf  man  wohl
von  allen  Parteien  sagen  —  besteht  keinerlei
Neigung,  in  dieser  Weise  die  ehemalige  Zusage
der  Regierung  einschränken  zu  lassen.  et
Zentrumsabgeocdnete  Spahn  hat  bei  der  Budgetrede
  bereits  im  Dezember  sich  dahin  ausgesprochen,
  daß  seine  Partei  auf  Erfüllung  der
gegebenen  JZusage  unbedingt  bestehe.  Unterdessen
  hat  sich  auch  die  Budgetkommission  mit
der  Sache  befaßt  und  hat  auf  Antrag  des
Zentrums  statt  der  240  000  Mk  jetzt  7500  000
Mark  vorgesehen.

Bei  dieser  Gelegenheit  wurde  auch,  was  sehr
zu  begrüßen  ist,  eine  andere  Anregung,  die  ich
im  Sommer  vorigen  Jahres  als  Ergänzung  gegeben
  habe  berücksichtigt.  Ich  verweise  diesbezüglich
  auf  eine  Resolution,  die  auf  einer  Bauernbundsversammlung
  in  Matzing.  Oberbayern,
am  22.  Juni  1913  auf  meinen  Antrag  hin  einstimmig
  beschlossen  wurde.  In  dieser  Resolution
war  noch  um  Berücksichtigung  jener  Familien
gebeten,  deren  Söhne  zur  Kavallerie  ausgehoben
  werden.  Bekanntlich  ist  die  Dienstzeit  bei
der  Kavallerie  drei  Jahre  und  eine  Familie.
bei  der  drei  Söhne  bei  der  Kavallerie  waren.
hat  neun  Dienstjahre.  Mit  diesen  neun  Dienstjahren
  ist  sie  ganz  anders  belastet  wie  eine
Familie  mit  drei  Infanteristen,  gleich  sechs  Jahre.
Die  Entschädigung  wird  jeßt  vom  7.  Dienstjahr
  an  gewährt  werden,  nicht  etwa  vom  4.
Sohn  an,  wie  es  ursprünglich  war.  Beispielsweise,
  wenn  der  erste  und  zweite  Sohn  bei  der
Kavallerie  je  3  Jahre  gedient  haben  oder  bei
einer  anderen  Waffengattung  mit  drei  Jahren
und  der  dritte  Sohn  rückt  ein  und  leistet  das
7.  Diensljahr,  so  wird  schon  für  diesen  3.  Sohn,
beginnend  mit  dem  7.  Dienstjahre  die  jährliche
Aufwandsentschädigung  von  240  Mark  gewährt.
Daß  diese  Anregung  bei  den  diesjährigen  Budgetberechnungen
  berücksichtigt  wurde,  ist  dankenswert
  anzuerkennen.

Muchener  Neulgte#len.

münchen.  1.  Febr.  Im  Ballsaale  der  Koniglichen
  Residenz  gab  gestern  Mittag  König
Ludwig  eine  größere  Tafel  für  die  Mitglieder
der  Kammer  der  Reichsräte.  Bei  der  Tafel,
die  im  ganzen  78  Gedecke  zählte,  saß  dem
König  Ludwig  gegenüber  Kronprinz  Rupprecht.
Rechts  va#m#m  König  saß  der  erste  Präsident  der
Reichsratskammer  Fürst  Fugger  von  Glött,
linke  vom  König  der  zweite  Präsident  Staatsminister
  a.  D.  Graf  von  Crailsheim.  An  der
Tafel  nahmen  ferner  noch  teil  die  Prinzen  Karl,
Georg,  Ludwig,  Ferdinand,  Alfons  und  Adatbert,
  sowie  die  Herzöge  Christoph  und  Lnitpold,
  Ministerpräsident  Graf  Hertling,  die
Staateminister  Freiherr  von  Soden,  Dr.  von
Knilling,  von  Thelemann  und  Breunig  sowie
der  Kriegsminister  Freiherr  von  Kreß,  ferner
außer  den  Reichsräten  Staaterat  von  Danol.
Obersihofmeister  Graf  Seinsheim,  Oberregierungsrat
  und  Kanzleidirektor  Zorn,  Generaladjutant
  von  Walter  und  Flügeladjutant  Graf
zu  Castel.  Die  Tafel  wies  reichen  Schmuck  an
Blumen  und  Aufsätzen  auf.

münchen.  2.  Febr.  Der  zum  Generalstaatsanwalt
  beförderte  bisherige  Vorsitzende  der  Zentrumefraktion,
  Abg.  Lerno,  der  aus  dem  politischen
  Leben  ausscheidet,  hat  sich  gesiern  Nach- 



gelpräch  bildeten  und  natürlich  auch  dem  Bischof
zu  Ohren  kamen.  Der  indel  kam  auf,  dec
Biüschof  wies  dem  Hochstapler  entrüstet  die  Türe,
erstattete  aber  keine  Strafanzeige.  Nach  einiger
  Zeit  verübte  Straßnoff  genau  dieselbe
Schwindelei  bei  dem  Neutraer  Bischof  Bende,
von  dem  er  ebenfalls  12  000  Kronen  erhielt,
mit  welchen  er  sich  sodann  aus  dem  Staube
machte.  Dieser  Kirchenfürst  ließ  aber  keine
Schonung  walten,  sondern  erstattete  die  Strafanzeige.
  Jnmitten  einer  Orgie  in  einer  Verbrecherspelunke
  wurde  Strahnoff  verhaftet  und
urteilsgemäß  auf  drei  Jahre  dem  Waitzener
Zuchthaus  überantwortet.  4

Im  Jahre  1901  tauchte  er  in  Pest  abermals
auf.  Mittelst  einiger  kleinerer  Betrügereien  verschaffte
  er  sich  die  Mittel  zur  Durchführung  grö-Isrer
  Unternehmungen.  Auf  der  Meraner
Kurpromenade  stolzierte  er  sodann  in  der  Uniform
  eines  flotten  Dragoner--Oberleutnants  umher
  und  alsbald  gelang  es  ihm,  sich  in  das
Vertrauen  einer  kränklichen,  älteren  Baro#nin  einzuschleichen,
  die  ihm  sogar  die  Verwaltung  ihrer
Kassen  übertrug.  Eines  Sommertages  war
nicht  nur  der  Oberleutnant,  sondern  auch  der
Schmuck  und  das  Geld  der  Arisiokratin  verschwunden,
  und  obendrein  wurde  der  leichtgläubigen
  eine  R  mit  fünfstelligen  Salen
  wräsentfert.  Ihr  Galan  hatte  unter  Miß-#l#

  auziuk

 

aunktay  von  dem  Vorsland  der  Zentrumsfraktion
  verabschtedet.  Abends  sand  im  Hofbräuhause
  eine  Abschiedefeier  statt,  zu  der  die  Fraktionsmitglieder
  fast  vollzählig  erschienen  waren.
  Der  zweite  Vorsitzende  der  Fraktion,  Abg.
Frank,  Abg.  Dr.  Faebel  und  Kammerpräsiden
Dr.  v.  Orterer  feierten  den  Scheidenden.

münchen,  1.  Febr.  Gestern  Mittag  slürzte
sich  aus  dem  dritten  Stock  des  Treppenflures
des  Warenhauses  Oberpollinger  auf  der  Seite
der  Herzog  Marstraße  ein  unbekannter  Mann
im  Alter  von  30—40  Jahren  auf  die  Straß:
herab  und  blieb  tot  liegen.  Einige  Mädchen
von  dem  Personal  des  Kaushauses,  die  den
Mann  auf  der  Treppe  in  dem  Begriffe  aus  dem
Fenster  zu  springen,  antrafen,  versuchten,  ihn
noch  zurückzuhalten,  doch  gelang  es  ihnen  nicht
mehr.  Der  Tote  hatte  keine  Legitimationspapiere
  bei  sich.  Das  Motiv  zu  dem  Selbstmord
ist  unbelannt.

Bayerische  Nachrichten.

Erding,  1.  Febr.  Mit  200  Soldaten  der
verschiedensten  Truppenteile  der  Garnison  München
  besuchte  der  Leiter  der  landwirtschaftlichen
Unterrichtskurse,  Herr  Oek.-Rat  Maier  aus  Rosenheim
  das  k.  Landgestüt  und  die  Geflügelzucht-Anstalt.
  Bei  der  Ankunft  und  Abfahrt  des
Zuges  hatten  sich  viele  Neugierige  am  Bahnhof
  eingestellt.

Böhenstadt  (NRottal),  1.  Febr.  Der  neunjährige
  Knabe  Alph.  Bschlagengaul  von  Steindorf,
  der  nach  längerer  Krankheit  wieder  die
Schule  besuchen  wollte,  wurde  von  Nachbarskindern
  auf  einem  Schlitten  zur  Schule  gefahren.
Die  Kinder  mollten  einem  Düngerschlitten  vorsalren,
  als  auf  der  anderen  Seite  ebenfalls
ein  Kinderschlitten  vorbeifuhr.  Ein  Pferd  schlug
aus  und  traf  den  Knaben  an  der  Stirne,  so
daß  er  bewußtlos  vom  Schlitten  siel.  Der  Arzt
lonstatierte  Schädelbruch.

Augsburg,  1.  Fedr.  Die  Augsburger  Handelskammer
  sprach  sich  dahin  aus,  daß  für  Ladengeschäfte
  in  kleineren  Orten  mit  vorwiegend
bäuerlicher  Kundschaft  an  Sonntagen  eine  fünfstündige
  Verkaufszeit  beibehalten  werden  müsse.
Um  für  die  Angestellten  solcher  Geschäfte  die
Sonntagsruhe  nicht  illusorisch  zu  machen,  sei
Paragraph  38  des  neuen  Gesetzentwurfes  dahin
zu  fassen,  daß  zwar  die  Angestellten  nur  drel
Stunden  beschäftigt,  die  Läden  uber  fünf  Stunn

  c5.  L214  #n#  7:  Fn##r- 



einstimmig  entsprechenden  Beschluß,  der  sok#ort
der  Reichstagskommission  zur  Vorberatung  des
Gesetzentwmurfs  übermittelt  ##urde.

Kempten,  1.  Febr.  Der  Magistrat  hat  einen
Antrag  angenommen,  wonach  er  die  Verkaufspreise
  aller  Fleischsorten  sämtlicher  hiesigen  Metzger
  feststellen  und  ev.  die  Namen  der  Metzger.
die  ihre  Preise  ermäßigt  haben,  ör'fentlich  bekanntgeben
  soll,  um  der  Eimwohnerschaft  di2
billigeren  Bezugsquellen  leichter  zugänglich  zu
machen.  Außerdem  soll  der  Errichtung  eines
Schlachtoiehmarktes  nähergetreten  werden,  um
den  Bauern  Gelegenheit  zu  geben,  unter  Ausschaltung
  des  Zwischenhandels  ihr  Vieh  direkt
an  die  Metzger  zu  verkaufen.

daverisches  Oberland

Kolbermoor,  1.  Febr.  Gestern  nachmittag
4  Uhr  siel  der  verheiratete  39jährige  Taglöhner
Franz  Liebl  von  Rosenheim  am  hiesigen  Bahnhof
  von  einem  Waggon  auf  das  Bahngleise
so  unglücklich,  daß  er  bewußtlos  durch  die  hiesige
  Sanitätsabteilung  in  das  Krankenhaus  verbracht
  werden  mugte.  Liebl  erlitt  eine  schwere
Gehirnerschütterung  und  eine  schwere  Verlegung
am  Hinterkopf.

Bad  Uibling,  1.  Febr.  Im  74.  Lebensjahre
  verstarb  heute  morgen  Herr  Schlossermeister
  Niggel.  Der  Verstorbene  war  lange
Zeit  Vorstand  des  Krieger=  und  Veteranenvereins
  Aibling  und  Bezirksobmann.  In  Ve- 



brauch  ihres  Namens  Automobile  und  Reitpferde
  auf  Kredit  gekauft  und  diese  zu  Geld  gemacht.
  Das  Innsbrucker  Schwurgericht  verurteilte
  Straßnoff  damals  zu  zwei  Jahren  schweten
  Kerkers,  welche  Strafe  er  im  Jahre  190
verbüßt  hatte.  Bereits  in  diesem  Jahre  ließ
er  sich  selbst  zum  Hauptmann  vorrücken  und
ging  in  den  Hauptstraßen  Budapests  sporenklirrend
  spazieren.  Als  „Graf  Szapary“  fand
er  in  den  vornehmen  Gesellschaften  Aufnahme
und  prellte  mehrere  Magnaten  durch  salsch#
Kartenspielen  um  namhafte  Summen,  dem  Minister
  Hieronimy  wußte  er  durch  falsche  Vorspiegelungen
  eine  Konzession  zu  einem  Bahnrestaurant
  zu  entlocken.  Bei  einem  Betrugsversuche,
  wobei  er  sich  als  „Kommandeur  der  Leibgarde
  des  Erzherzogs  Josef“  vorstellte,  wurde
er  entlarvt  und  abermals  zu  drei  Jahren  Zucht
haus  verurteilt.

Seinen  Hauptstreich  führte  der  verschlagene
Betrüger  in  Kroatien-Slawonien  aus,  wobei  es
ihm  gelang,  eine  Zeit  hindurch  die  maßgebenden
Kreise  eines  ganzen  Landes  irrezuführen.  Im
Herbst  des  Jahres  1906  erhielt  der  Agramer
Erzbischof  Dr.  Posilovic  eine  vertrauliche  Depesche
  aus  Wien,  in  der  ihm  gemeldet  wurde,
dob  der  beim  Ministerium  des  Aeuhern  tätige
Hofrat  Oskar  Berger  von  Wildenegg  in  heiller
diplomatischer  Misston  nach  Rroatien  "  —

Dienstag,  3  Febrnar  1014
teranenlreisen  war  Herr  Riggel  ehne  bekannte
Persönl

Bruckmühl,  1.  Febr.  Eines  der  bedeutendsten
  induftriellen  erke  im  Mangsalltal,  die
Popierfabrik  Adam  u.  Tie.,  kam  durch  Verkauf
in  den  Besitz  des  Herrn  Geheimrates  Steinbeis
  in  Brannenburg.  Die  Verbriefung  dieses
Millionenobjektes  fand  gesiern  bei  dem  k.  Notariate
  in  Bad  Uibling  statt.  Die  Fabrik  gehört
  dem  Verband  der  deutschen  Zeitungspapierfabrikanten
  an  und  lieferte  siets  ein  vorzügliches
  Fabrikat.  .

Vagen,1.Febr.Gestemmittagwakdit
29jährige  Oelonomenstochter  Elis  Frisenecker  von
hier  beim  Stallreinigen  beschäftigt.  Dabei  kam
sie  einem  Pferd  zu  nahe,  das  in  diesem  Augenblick
  nach  hinten  ausschlug.  Die  Frisenecker  wurde
am  Unterleib  getroffen,  sodaß  sie  bewußtlos  am
Ploatze  blieb.

DHenzberg,  1.  Febr.  Durch  herabfallendes
Gestein  wurde  der  52  Jahre  alte  Häuer
Schwandtner  an  der  Wirbelsäule  lebensgesährlich
  verletzt.  Fast  gleichzeitig  wurden  der  verheiratete
  Häuer  Angerlechner  und  der  glelchfalls
verheiratete  Häuer  Burkhardt  II  nach  Abgabe
eines  Sprengschusses  durch  die  Gase  berart  betäubt,
  daß  beiode  ins  Krankenhaus  überführt
werden  mußten.

mühldorf,  1.  Febr.  Gestern  wurde  ein  erst
vor  drei  Jahren  gegründeter  Verein,  der  „Grundund
  Hausbesitgerverein“,  zu  Grabe  getragen,
nachdem  das  Interesse  seitens  der  Abgüteoet
für  ihn  so  groß  wie  Null  war.  Er  entstand  seinerzeit
  lediglich  infolge  der  Neueinschätzung  zur
Haussteuer.  ittlerweile  hat  der  Gewerbeverein
  durch  entsprechende  Auftlärungen  dem  Hausbesitzerverein
  die  Arbeit  völlig  abgenommen,
sodaß  er  jetzt  einstimmig  aufgelöst  wurde.

Cotalnachrichlen.
Rosenheim,  2.  Febr.

Rentämter:  Zum  Rentamtssekretär  wurde
der  Rentamtsassistent  Ph.  Völkel  in  Lausen
bei  dem  Rentamte  Lausen  in  etatsmäßiger  Weise
befordert.  Versetzt  wurden  in  etatsmäßiger  Weise
in  gleicher  Diensteigenschaft  die  Rentamtsassisienten
  Georg  Fleischmonn  in  Mühldorf  an
das  Rentamt  Aibling  und  Karl  Waloherr  in
Griesbach  an  das  Rentamt  Miesbach.  Zu  Rentamtsassistemen
  wurden  in  etatsmößiger  Eigerschaft
  ernannt  die  Rentamtsinzipienten  Mar
Luy  in  München  bei  dem  Rentamte  Mühloorf
und  Georg  Prucker  in  Wasserburg  bei  dem  Rentamte
  in  Immensiadt.

Finanzverwaltung:  Der  geprüfte  Kameralpraktikant
  und  Rentamteosekretär  Otto  Kühlmann
  in  Aibling  wurde  in  etatsmäßiger  Weise
zum  Rechnungskommitssär  bei  der  Regierung  von
Mittelfranken  befördert.

Versicherungskassen  der  Verkehreverwaltung.
  Mit  Wirkung  vom  1.  ZFebruar
  1914  an  werden  bestimmt:  zum  Vertreter
der  K.  B.  Staatseisenbahnverwaltung  im  Vorstand
  und  Ausschuß  der  Betriebskrankenkasse  I
der  K.  B.  Staatseisenbahnverwaltung  der  Regierungerat
  des  Wohlfahrtsamtes  der  Verkebrsanstalten
  in  Rosenheim  Friedrich  Karmam  und
zu  seinem  Stellvertreter  der  Direktionsrat  dicsee
  Amtes  Wilhelm  Benker;  zum  Vertreter  der
K.  B.  Post=  urd  Telegraphenverwaltung  im
Aorstand  und  Ausschuß  der  Betriebekrankenkasse
  der  K.  B.  Post--  und  Telegraphenverwaltung
  der  Regierungsrat  des  Wohlfahrtsamtes
der  Verkehrsanstalten  in  Rosenheim  Friedrich
Karmann  und  zu  seinem  Siellvertreter  der  Di.
rektionsrat  dieses  Amtes,  Wilhelm  Benker;  zu
Mitgliedern  des  Vorstandes  der  Arbeiterpensionskasse
  der  K.  B.  Verkehrsanftalten  der  Regierungsrat
  des  Wohlfahrteamtes  der  Verkehrsanstalten
  in  Rosenheim,  Friedrich  Karmann  und
der  Direktionsrat  dieses  Amtes,  Wilbelm  Benkler
  und  zwar  ersierer  als  Vorsitzender  des  Vorsiandes,
  letzterer  als  sein  Stellvertreter.

 

und  im  erzbischöflichen  Palais  Absteiqauartier
nehmen  werde.  Am  27.  Oktober  traf  der  angebliche
  Hofrat  tatsächlich  ein  und  trat  mit  allen
hohen  Landesfunkrionären  sowie  mit  dem  damaligen
  Führer  der  Starcevic-Partei.  Dr.
Frank,  in  Fühlung,  mit  dem  er  Tage  bindurch
konferierte.  Er  gab  vor,  daß  cs  die  Wiener  Regierung
  für  notwendig  crachte,  neue  Parteiblätter
zu  gründen;  er  prellte  seine  Opfer  um  rund
eine  halbe  Million  Kronen,  wobei  der  Erzbischof
allein  einen  Verlust  von  200  000  Kronen  hatte.
Seine  Frechheit  verleitete  ihn  dazu,  sich  auch-ocim
damaligen  Banus  Pesacevich  zum  Besuch:  anzumelden.
  Diesem  sielen  aber  die  ganz  und  gar
undiplomatischen  Manieren  des  angeblichen  Hofrates
  und  seine  Suada  auf.

Der  fallche  Hofrat  ahnte  sofort,  daß  seine
Entlarrung  bevorstehe  und  verließ  sluchtartig
das  Banalpalais.  Zwei  Detektine  der  Agramer
  Polizei  folgten  ihm  bis  Pest.  Hier  wurde
er  verhaftet  und  nach  Agram  zurückgebracht.
Der  aufsehenerregende  Strafprozeß.  der  viel
Staub  aufwirbelte,  endete  mit  der  Verurkeilung
Strektnoffs  zu  5  Johren  Zuchthaus.  Strahnoff
wmar  ciner  der  berüchtigsten  Verbrecher,  der  seiner
Mitnelt  weit  mebr  als  drei  Millionen  Kronen
gelostet  hat.