Contents : Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1808. (3)

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Impfstoffes  wurden  Mörser  und  Pistill  und  vor  der  Impfung  auch  das  Impfmesser  über
der  Spirituslampe  geglüht.  Die  Desinfektion  der  Impffläche  mit  Lysol  wurde,  nachdem
entsprechende  Versuche  günstig  ausgefallen  waren,  im  Berichtsjahre  zum  ersten  Male  durchweg
  angewendet.

Die  Beschaffenheit  der  Impfpusteln.

In  Königsberg  i.  Pr.  entwickelten  sich  die  Pusteln,  ausgenommen  bei  den  3  ersten,
mit  8  Monate  alter  Lymphe  geimpften  Kälbern,  meist  gut.

In  Berlin  stellten  sich  bei  der  Pustelentwickelung,  abgesehen  von  der  in  einigen
Fällen  beobachteten  Verlangsamung,  besondere  Störungen  nicht  ein.

In  Stettin  zeigte  die  Beschaffenheit  der  Impfpusteln  gegen  früher  keinen  wesentlichen
Unterschied.

In  Oppeln  betrug  die  lleinste  Ernte  19,  die  größte  186  g.

In  Halle  a.  S.  ließ  sich  ein  schädigender  Einfluß  des  höheren  Alters  des  verwendeten
Impfstoffes  auf  den  Ertrag  nicht  feftstellen.  Im  Allgemeinen  entwickelten  sich  die  Pusteln
recht  gut,  jedoch,  bedingt  durch  die  Impfung  mit  verschiedenartiger  Lymphe,  weniger  gleichmäßig
  als  in  früheren  Jahren.  Sämmtliche  Thiere  wurden  abgeimpft.  Die  Pusteln  waren
19  mal  gleichmäßig  breit,  tief  und  saftig,  7  mal  ebenso,  aber  trocken,  3  mal  zum  Auslaufen
neigend,  1  mal  spärlich,  schmal,  aber  saftig,  8  mal  breit,  tief,  saftig,  aber  unterbrochen,
5  mal  perlschnurartig  und  3  mal  nur  vereinzelt  gerathen.  Die  mit  Variolavaccine  geimpften
  6  Kälber  lieferten  mit  10,,  g  einen  im  Durchschnitt  hinter  dem  Gesammtdurchschnitt
von  13),  g  zurückbleibenden  Ertrag.  Hinsichtlich  des  mit  Menschenpockenstoff  geimpften
Thieres  vergl.  Abschnitt  7.

In  Hannover  waren  sämmtliche  Kälberimpfungen  von  Erfolg  begleitet.  Seit
Bestehen  der  Anstalt  blieb  keine  der  636  mit  eigener  Thierlymphe  ausgeführten  Kälberimpfungen
  erfolglos.  Auch  im  Uebrigen  entwickelten  sich  die  Pusteln  in  gewohnter  Art,
sie  wurden  grauweiß  und  hatten  eine  derbe  Beschaffenheit.

In  Kassel  waren  die  Pusteln  zur  Zeit  der  Abnahme  (etwa  86  bis  88  Stunden
nach  der  Impfung)  noch  so  fest,  daß  sie  eine  gründliche  Reinigung  mit  Wasser  und  Seife
vertrugen.  Der  Versuch  durch  längeres  Zuwarten  eine  noch  bessere  Entwickelung  derselben
zu  erzielen,  fiel  wiederholt  schlecht  aus,  so  daß  in  der  letzten  Zeit  die  oben  genannte  Entwickelungsdauer
  möglichst  eingehalten  wurde.

In  München  machte  man  im  Berichtsjahre  bei  den  weiter  fortgesetzten  Versuchen,
die  Lumphe  von  Thier  zu  Thier  fortzuzüchten,  die  gleichen  schlechten  Erfahrungen  wie
früher.  Von  den  14  mit  bester  thierischer  Stammlymphe  aus  Hamburg,  Karlsruhe,  Halle  a.  S.
und  aus  der  eigenen  Anstalt  geimpften  Thieren  wurde  13  mal  meist  ein  quantitativ  guter,
qualitativ  so  schlechter  Erfolg  erzielt,  daß  von  einer  Abgabe  dieser  Lymphesorten  an  die
Impfärzte  des  Landes  abgesehen  werden  mußte.  Die  Zahl  der  dieserhalb  vernichteten
Portionen  betrug  95  800.  Nur  ein  Thier  lieferte  brauchbare  Lymphe,  doch  war  auch  diese
nicht  hervorragend  wirksam.  Auch  im  verflossenen  Jahre  ist  die  Anstalt  nicht  im  Stande
gewesen,  ohne  Zuhülfenahme  von  Menschenlymphe  den  an  sie  gestellten  Anforderungen  zu
genügen.

Bei  3  Thieren  war  die  Impfung  völlig  erfolglos.

In  Dresden  wurden  3  Thiere  wegen  schlechter  Pustelentwickelung  nicht  abgeimpft.

In  Leipzig  war  die  Beschaffenheit  der  Pusteln  fast  immer  gleichmäßig  und  befriedigend.
Mediz.-stat.  Mittheil.  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte.  Band  VI.