Full text : Das Interregnum.

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in  ihrem  Namen,  sondern  „nomine  imperii  et  statuum.“  !)  Sie  üben
die  Reichsgewalt  in  ihrer  Richtung  auf  die  Wohlfahrtspflege  aus,
indem  sie  Universitäten  errichten  2),  Druck-  und  Marktprivilegien
ertheilen  u.8.f.e”  Auch  ihr  Recht  zur  Legitimation  und  Gewährung
von  Moratorien  darf  hierher  gerechnet  werden.?)  Was  die  Ausübung
der  Gesetzgebungsgewalt  durch  die  Reichsverweser  anlangt,  so  lässt
sich  nur  so  viel  sagen,  dass  ilınen  das  Recht  der  Ausschreibung,  Fortsetzung
  und  Haltung  des  Reichstages  als  wesentlichen  zur  Beihülfe
bei  der  Reichsgesetzgebung  berufenen  Körpers  seit  der  Wahlkapitulation
  Karls  VII.  (a.  XIII.  $9,  wiederholt  in  den  Kapitulationen  Franzl.,
Josephs  II.  und  Leopolds  II.)  nicht  bestritten  werden  konnte.t)  Wenn
ein  weitergehender  Antheil  der  Reichsvikare  an  der  Gesetzgebung,
ein  Recht  der  Sanktion  der  Reichsgesetze,  aus  der  Geschichte  faktisch
nicht  nachzuweisen  ist,  so  ist  man  hieraus  nicht  zu  schliessen  berechtigt,
dass  ihnen  dieses  Recht  nicht  zugestanden  hätte;  der  Mangel  von  Beispielen
  dieser  Art  erklärt  sich  nicht  aus  ihrer  prinzipiellen  Rechtsstellung,
  sondern  aus  der  Langsamkeit  und  Schwerfälligkeit  des  Gesetzgebungsapparates
  im  Reiche,  der  naturgemäss  im  Interregnum  noch
weniger  lebhaft  funktionirte  denn  sonst,  wie  auch  aus  dem  allmählichen
Zusammenschrumpfen  des  Kreises  der  Reichsgesetzgebungskompetenz.

87.

Die  französischen  Interregna  von  1316  und  1328  und  das  spanische
Zwischenreich  1885/86.

I.  Im  Folgenden  sollen  mehrere  Interregna  besprochen  werden,
die  gleichartig  dadurch  bewirkt  wurden,  dass  der  Monarch  ohne
Hinterlassung  thronfolgeberechtigter  Descendenz,  aber  mit  Hinterlassung
  einer  schwangeren  Wittwe  starb,  deren  Niederkunft  die  Entscheidung
  tiber  die  Succession  in  das  Monarchenrecht  brachte.

II.  Ein  soleher  Fall  ereixnete  sich  in  der  französischen  Monarchie
  im  Jahre  1316.  Ludwig  X.  verschied  am  5.  Juni  dieses  Jahres

 

1)  Danz  S.  63.

2)  Vgl.  die  Erhebung  des  Gymnasiums  zu  Stadthagen  zur  Hochschule  durch
den  Pfalzgrafen  Friedrich  im  J.  1619.  Das  Diplom  in  Lünıcs  Reichsarchiv  II,
4,  8.  n.  64  S.  934.

3)  Veber  dieses  Alles  v.  AseLe  S.  169  ff.

4)  Was  trotzdem  häufig  genug  geschah.  Näheres  bei  v.  ABELE  S.  144—154;
vgl.  v.  Sarrtopı,  Staatsrechtl.  Erörterung  einiger  Hauptfragen  u.  s.  w.  Regensburg
  1790.