III. Die Anfänge Friedrich Wilhelms IV. 200
nach den Vereinbarungen von 1821 (S. 187) und stellte die
Entscheidung aller theologischen Fragen, also auch das Schicksal
der Hermesianer, der Kirche anheim. In betreff Drostes einigte
man sich dohin, daß er, in ehrenvoller Weise aus Köln entfernt
und von den einst gegen ihn erhobenen Anschuldigungen
ausdrücklich losgesprochen, auf Kosten der preußischen Regierung
anderweitig versorgt, die Erzdiözese aber mit seiner Zustimmung
bis zu seinem Tode von einem Koadjutor mit dem Rechte der
Nachfolge verwaltet werden sollte. Für diese wichtige Stellung
wurde der derzeitige Bischof von Speier, Johannes Geissel,
ausersehen, ein Mann von allgemeiner Bildung, mannigfacher
litterarischer Bewährung und großen administrativen Talenten
und dabei trotz seiner streng römischen Denkweise von gewinnenden
Formen, vor allem aber ein geborener Diplomat. Das bewies
er durch die Art, wie er zwischen den widerstreitenden Faktoren,
der Kurie, der Regierung und dem starren Droste, vermittelte,
die nötige Uebereinstimmung herbeiführte und dabei doch seinen
Diözesanen gegenüber der Vertreter der von Droste bekannten
Prinzipien blieb. Wirklich gab der König Droste die verheißene
Ehrenerklärung, die bei Geissels Amtsantritt im Januar 1842
im Staatsanzeiger veröffentlicht wurde. Indem er bekannte,
er habe den Erzbischof revolutionärer Umtriebe nie für schuldig
gehalten, erklärte er seine Verhaftung geradezu für ungesetzlich.
So vollendete die Uebernahme der Verwaltung der Kölner
Diözese durch Geissel am 4. März 1842 die Niederlage der
preußischen Regierung, zumal derselbe nicht bloß durch einen
seinem Wortlaut nach mit Eichhorn vereinbarten Hirtenbrief
Drostes eingeführt wurde, sondern seinerseits erklärte, ganz
nach dessen Grundsätzen verfahren zu wollen. Dieser erhielt
den Kardinalspurpur — die Hälfte des Gehaltes zahlte die
preußische Regierung — und zog sich in das Privatleben zurück,
in den Augen der Kirche nach wie vor rechtmäßiger Erzbischof
von Köln (gest. 19. Oktober 1845). Und dennoch bejubelten
die Gerlach und Genossen diesen Ausgleich als „glänzend“.
Weit überlegen hatte sich die kuriale Diplomatie den
preußischen Staatsmännern gezeigt. In der Frage der gemischten
Ehen bereits Siegerin, hatte sie die katholisierenden
Prutz, Preußische Geschichte. IV. 14